Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 7. (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/6492408-5990879-9732439--2828-9607464- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Körper und Wesen. Der Idealist, der Platoniker wird auch nicht die Identität von Körper und Wesen schlechthin zugeben. Uns will es scheinen, dass die primäre Bedeutung von גוף nicht mit ,,Körper“ wiederzugeben ist. Wir halten גוף für die Verdichtung der Formen גב ,,Rücken“, ,,Rückgrat“, ,,Gerippe“, das, was dem Fleische, dem Körper Halt verleiht. גב verdichtet zu לגוף Rückgrat, Gerippe, ist für den Körper das Wesentliche, welches ihm Festigkeit und Halt verleiht. So ist die Redensart verständlich: .גופא דעובדא היבא הוד ,,Wie hat sich das Gerippe, das Wesentliehe der Begebenheit zugetragen V“ Auf derselben Seite Anmerkung 1 registrirt ein Druckfehler eine ,,der letzten der 13 Regeln Israels“, wofür zu setzen ist ״Ismaels“. Pg. 20 Anmerkung 2 stellt Verfasser einen Irrthum Levy’s richtig. Unter דבירא — heisst es dort — citirt auch: Exod. 33, 23 J. II ואדומי ית, דבירא ,,ich werde dir zeigen mein Wort“. Nun ist das aber eine Uebersetzung der Textworte וראית את אהורי. Das Targumwort דבירא ist also die Wiedergabe von ואחורי, bedeutet also dasselbe, was hebr. דביר, der hintere Theil des Heiligthums“. B.’s Worte sind durchaus zutreffend. Wir wollen jedoch nicht verschweigen, dass die Lesart דבירא hier controvers ist. Manche Ausgaben lesen דבידא. — pg. 34 Anm. 2. bemerkt Verf.: ,,Hier ist משנה in dem weitesten Sinne verstanden: Die ganze mündliche Lehre (neben מקרא), deren 3 Diseiplinen dann aufgezählt werden. In der Parallelstelle, j. B. Kamma 4 b 3, steht תימור statt מדרש, in b. B. Kamma 38a (V) ist קראו ושנו miss verständlich durch ושרשו ergänzt und die Aufzählung der Diseiplinen weggelassen“. Vielleicht irrtder Verf. Es mag hier nicht missverständlich, sondern absichtlich auch in anderem Sinne ושלשו gesagt sein. משנה setzt מקרא voraus, und ist also zweiter Theil der Forschung. משנה im weitesten Sinne enthält drei Theile: מדרש ,היפות ,אגדות. Mit Recht weist Verf. Stracks Punctirung הפיקודים (Einleitung in das alte Test. S. 15) ab. ״Pikkudim“ sind allerdings ״Verordnungen“, ,,Befehle“, nicht ,,Zählungen“. ,,Zählungen“ heissen פקודים (Pekudim), wie aus Num. 1—4,27 vielfach zu ersehen ist. (Siehe pg. 64 Anm. 2). — Was auf S. 79 zur etymologischen Erklärung des terminus בדך ausgeführt ist, halten wir trotz des auf ge wendeten weitschichtigen gelehrteil Apparates noch immer für sehr problematisch. Wir vermögen nicht mit dem Verf., wie er in Z. d. I). m. G. XLVI1, 505 vorgeschlagen, eine reduplicirte Form aus der rad. *ty herzuleiten, also etwa יל)כרך). Auch die Notaricon Erklärung פי^ה ולך — כי^ך befriedigt uns ebensowenig, wie die Zurückführung auf die Redewendung יפה ין. Wir bekennen offen, dass wir ausser Stande sind, eine zulängliche einwandfreie etymologische Erklärung dieses der Schule Akiba’s geläufigen terminus zu geben. — pg. 102 citirt Verf. irrthümlich: איזה מדה מרובה ופר מדת פורענות. Es muss wohl zu Ende heissen:מדת טובה. — pg. 116 Anm. 5 sagt Verf.: ״Mit Weglassung von מצות wurden dann עשה und יא תעשה die Termini für Gebot und Verbot. Aus יא תעשה wurde durch weitere Kürzung יא =) ראו), die Bezeichnung des Verbotes, von der man auch den Plural לאוין bildete“. Mit einer gewissen Leichtherzigkeit behauptet Verf. hier ייאו sei durch weitere Kürzung aus לא תעשה entstanden. Wie er sich Entstehung und Vollzug dieser weiteren Kürzung denkt, deutet uns Verf. leider nicht an*). Sollte man aus linguistischen Gründen in י״או nicht eher eine contrahirte, synkopirte Form vermuthen, vielleicht entstanden aus לא הווה? — Bei dem Artikel אם למקרא (pg. 120) hätte Verf. viel lohnender berücksichtigen können, was Rappaport in seinem Ezech Millin s. v. אם ausführt. Zu dem terminus נוטריקון sagt Verf. (pg. 125) d. i. voxapixo'v, aus dem lateinischen notarius. Jb. Anm. 6 meint Verf.: *) Er meint wohl die Weglassung des Wortes תעשה, so dass לא übrig l)11eb, wofür לאו. (Red. ,,Nicht unmittelbar aus nota, wie Krauss (Byzantinische Zeitschrift II, 512) angiebt“. Warum Verf. die Erklärung, welche Krauss vorschlägt, verwirft, ist uns nicht klar ersichtlich. — pg. 127 geht Verf. auf den terminus גיממריא ein. Sehr ansprechend und plausibel ist die etymologische Erklärung, welche er vorschlägt. ״Das Wort — so führt er aus — ist durch Transposition aus גרמטיא geworden, und dies ist ein Derivat aus ypappa, Buchstabe oder ypappaxe’/* Schreiber, also etwa ypappaxsia“. Im Wesentlichen vertritt schon Sachs (Beiträge II, 74) die Anschauung, das Wort gehöre zu ypaupaxsTc. Die Lexikographen Levy (I, 324b), Kohut (II, 309 a^, Krauss (Lehnwärter I, 93) identificiren unser Wort mit yctopexpia Diese Erklärung weist Verf. pure ab. Und doch *muss er zugestehen, dieses griechische Wort sei gemeint in Aboth III, 18. Verf. vermuthet, dass in Aboth III, 18 das ursprüngliche גרמטיא in גיממריא transponirt sei. Cfr. ib. Anm. 3. Interessant sind die dort Anm. 5 zusammengestellten Wörter, welche auf dem Wege von גמטריא durch א״ת בי׳־ש erklärt werden. — Die etymologische Ableitung der häufig vorkommenden Phrase אי אפשי bietet erhebliche Schwierigkeiten. Verf. acceptirt (pg. 128 Anm. 3) Geigers Vermuthung (Jüd. Zeitschrift VII, 182) der die Redewendung — אין נפשי setzt. Demnach wäre נ׳ zweimal ausgefallen, einmal am Ende und einmal am Anfänge eines Wortes. Zum Ersätze für das am Anfange des Wortes ausgefallene נ müsste ein prostetisches א׳ getreten sein. Uns erscheint' dieser Erklärungsversuch etwas weit hergeholt, gekünstelt und complicirt. Den Ausfall des נ in נפש halten wir für sehr unwahrscheinlieh und ganz beispiellos. Vielleicht hat die Conjectur, die es mit אי אפשר identificirt, eine gewisse Berechtigung. Danach wäre das liquide ר am Ende des Wortes ausgefallen und zur Erleichterung der Aussprache in אפשי erweicht worden*). — pg. 143 bemerkt Verf. zum Worte עצם nichts weiter als: ״mit Personalsuffix: selbst“. Wir vermissen hier die nähere Erläuterung, die diesem Kunstausdrucke zu Grunde liegende Ideenassociation: ״Knochen, Gebein, Träger des Fleisches, der unverwesbare, der wesentliehe Theil des Körpers, der Person. - das Selbst“**). Hat der Verfasser die Aufgabe, welche er sich gestellt, auch gelöstV Im Ganzen und Grossen gewiss! Wenn wir aber die Frage auf werfen, ob dieses bibelexegetische Lexikon des halachischen Midrasch aus der Aera der Tannaiten alle bibelexegetischen Ausdrücke berücksichtigt, so will es uns schon scheinen, dass der Verfasser hier und da doch noch das eine oder andere wichtige Schlagwort seinem Verzeichnisse hätte anreihen können. Denken wir an die Kategorie von Wörtern, wie אמתלא,אייתר,איפפת,י^מפיע, denen wir doch schwerlich die Qualität bibelexegetischer Kunstausdrücke des halachischen Midrasch absprechen können. Sie gehören dem Gebiete der tannaitischen Terminologie an. So findet sich das erste schon in Mischnah Gittin IX, (9), das zweite in Toseftha Sotah VII, 3 (ed. Zuckermandel 306, 18), das dritte in Toseftha Baba mezia III, 10 (ed. Zuckermandel 376. 26). Das letzte in Toseftha Sota XL, 9 (ed. Zuckermandel 315, 22). Diese Ausstellungen vermögen ebenso wenig den Gesammtwerth der wissenschaftlichen Leistung unseres gelehrten Autors zu beeinträchtigen, wie verschiedene typographische Versehen, welche sich sporadisch eingeschlichen haben und ab und zu das Nachschlagen und Vergleichen •) Aber die Bedeutungen decken sich nicht; jenes bezeichnet die ״Unmöglichkeit“ und dieses ״das Nichtwollen“; darum scheint die Ableitung vom syrischen אפש Willen (cfr. Arucli conpletum s. v.) am wahrscheinlichsten. Die Herleitung vom griechischen I^peaig ist unwahrscheinlich, da das Verkommen des Plural אי אפשינו auf eine dem Hebräischen verwandte Sprache schliessen lässt. Red.) **) Wie meine v. membre. (Red.)