Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 7. (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
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04 von der sturm gleichen Zerstörungswut^ der Feinde denkt, gewiss poetisch-ergreifend. Sie ist metrisch ebensowenig überflüssig, wie in demselben Kapitel 4c, de, 11c, 13c, 18c, 23c. Sie ist zwar nicht sicher in der Auffassung, aber keineswegs dunkel, und fasst man ihren Sinn wie die Alten, welche זדים gleich זדם nehmen, so ist auch der rhetorische Fortschritt zu כדם nicht gestört. Hier zeigt sich recht deutlich, wie sehr subjectiv solche Gründe sind, wie Störung des Metrums, des rhetorischen Fortschritts u. a- Das Metrum der prophetischen Sprache ist ein so bewegtes, wie das prophetische Gemüth es selbst war, und der rhetorische Fortschritt kann doch nur dann richtig beurtheilt werden, wenn man über den Sinn einer Stelle ein abschliessendes Urteil fällen kann. Abei erst den Text ändern, und dann eine Störung der Rhetorik annehmen, das ist ein Zwang, den man dem Texte antliut. Litteraturbericht. Recensionen. Bacher, Dr. Wilhelm. Professor an der Landes- Rabbiner schule in Budapest. Die älteste Terminologie der jüdischen Schriftauslegung. Ein Wörterbuch der bibelexegetischen Kunstsprache der Tannaiten. Leipzig 1899. J. C. Hinrichs. (VIII und 207 S.). Ueber Anlage, Ziel und Zweck des Buches giebt der gelehrte Verfasser in seinen einleitenden Bemerkungen orientirenden Aufschluss. Wer Bacher’s grundlegende Schriften seit Jahren und Jahrzehnten kennt, wer da weiss, mit welchem Bienenfleisse Bacher das Material zu seinen Arbeiten herholt, sichtet, ordnet, klärt, mit welcher Gründlichkeit er sich in den zu verarbeitenden Stoff vertieft, wird auch dieser litterarischen Leistung von vorn herein das günstigste Prognostikon stellen. Der auf dem Gebiete der exegetischen Schriftkunde erprobte Verfasser rechtfertigt diese Erwartung nach jeder Richtung. Um dem hier in Rede stehenden Buche gerecht zu werden, geben wir dem Verfasser zur näheren Erläuterung seiner Intentionen das Wort. Er führt u. M aus: ,,Mein Wörterbuch umfasst die gesammte Schriftauslegung der Tannaiten, sowohl die halachische, als die nichthalachische (agadische), wie ja auch die tannaitische Midraschlitteratur beide Gebiete ungeschieden enthält. Das Material entnahm ich ausser den tannaitischen Midraschwerken, die ich unten besonders nennen werde, auch anderen tannaitischen Werken. Die exegetischen Regeln Hillels, Jsnmels und Eliezer ben Jose Gelilis habe ich vollständig verarbeitet. Die zur halachischen Hermeneutik gehörenden Kunstausdrücke, die keine Beziehung zur Auslegung des Bibeltextes haben, Wurden nicht berücksichtigt .. Bei der Bearbeitung des Stoffes leitete mich nur der lexikologische Gesichtspunkt: die Feststellung der Bedeutung und des Sprachgebrauches .. Was den Inhalt der hier dargestellten Terminologie betrifft, sei Folgendes hervorgehoben. Ihre Ausdrücke benennen den Gegenstand der Auslegung: den Text der heiligen Schrift und seine Bestandtheile; sie kennzeichnen den Text nach seinen inhaltlichen und formalen Eigenschaften, aus denen sich die Regeln für die Auslegung ergeben, sie beziehen sich endlich auf die ־Thätigkeit des Auslegers und sein exegetisches Verfahren. Besonders hervorstechend ist der dramatische Charakter. Sie verräth überall ihren Ursprung aus der lebendigen Discussion des Lehrhauses, aus dem Dialoge zwischen Lehrer und Schüler, zwischen gemeinsam forschenderr Schriftauslegern. Aber auch der Gegenstand der Auslegung, der Bibeltext, erscheint in dieser Terminologie nicht als todtes Object; er tritt vielmehr dem Ausleger lebendig gegenüber, er wird fortwährend personificirt .... Der dramatische Charakter der bibelexegetischen Terminologie findet seine Fortsetzung und Steigerung in der Dialektik des Talmuds, deren Terminologie zum Theile auf jene zurückgeht. Der sprachliche Charakter unserer Terminologie ist derselbe, den die tannaitische Litteratur im Allgemeinen darbietet: ein durch das Aramäische stark beeinflusster Hebraismus. Ausser der Mischna hat Verfasser aus folgenden Quellen geschöpft: aus Mechilthar Sifrä, Sifre zu Numeri, Sifre zu Deuteronomium, Tosefta, Seder Olam“ Wir haben absichtlich diese einleitenden Bemerkungen des Verfassers in extenso mit seinen eigenen Worten wiedergegeben, um einen Einblick in die Oekonomie des Buches, in die den Verfasser leitenden Thesen und beeinflussenden Gesichtspunkte zu bieten. Der Frage, ob diese lexikalische Arbeit nicht als ein superfluum erscheint, begegnet der Verfasser mit dem Bemerken: ״Die Wörterbücher über Talmud und Midrasch behandeln natürlich auch die meisten hier besprochenen Ausdrücke, aber zumeist auf sehr mangelhafte Weise, so dass meine Arbeit auch als Ergänzung zu jenen Wörterbüchern willkommen sein dürfte“ Auf diese letzte Aussage wollen wir zuerst eingehen, und feststellen, dass Verfasser, so oft sich dazu Gelegenheit bietet, sich sehr eingehend und sorgfältig mit den lexikalischen Arbeiten Leyy’s, Kohut’s, Jastrow’s, Krauss’s auseinandersetzt. Sehr oft ist er in der Lage, Angaben dieser Lexikographen, zumal der drei an erster Stelle genannten Autoren richtig zu stellen Dies im Einzelnen zu zeigen, würde uns zu weit führen. Zu diesem Behufe verweisen wir auf das Buch selbst. Dass der gelehrte Verfasser sich seine Aufgabe nicht leicht gemacht, erhellt aus den Eingangsworten, welche wir oben in seinem Namen angeführt. Dass B. seiner Aufgabe treu geblieben, braucht nicht erst weitläufig auseindergesetzt zu werden. Von der grossen Belesenheit des gelehrten Verfassers, von seiner intimen Beherrschung des weitschichtigen Untersuchungstoffes, von der Akribie des Verfassers und der Gewissenhaftigkeit in seinen Angaben überzeugt man sich, wenn man die Mühe nicht scheut, auf Schritt und Tritt die einzelnen Citate zu controlliren. Methodisch und systematisch geht der Verfasser bei jedem terminus bis auf die erste Quelle zurück. Oft lassen sich die Spuren der bibelexegetischen Kunstausdrücke des halachischen Midrasch, welche den Tannaiten geläufig waren, schon in den ersten und ältesten Büchern der heiligen Schrift nachweisen. In den überwiegend meisten Fällen begegnet man ihnen allerdings erst in den Hagiographen. Dass diese Ansdrücke im Wechsel der Zeit und im Wandel der sprachbildenden Volksweise dem Gesetze des Wechsels und Wandels oft genug unterworfen waren, dass sie nach Form und Inhalt nicht selten Modificationen über sich ergehen lassen mussten, braucht kaum besonders hervorgehoben zu werden. Bei aller und voller Auerkennung der Ergebnisse, zu welchen Bacher in diesem lexikalischen Werke gelangt, welche sich seinen uns bisher bekannt gewordenen,vortrefflichen, linguistischen Leistungen würdig und ebenbürtig anreihen, vermögen wir doch nicht, uns überall und immer seine Argumentirung und sein Resultat anzueignen. Einzelne Bemerkungen lassen wir hier folgen. Sie bezwecken, die Angaben des gelehrten Verfassers zu erweitern, zu ergänzen, einzuschränken, zu berichtigen. So findet sich pg. 11s. v. גוף die Angabe: ״ein Körper, in übertragener Bedeutung: Wesen, wesentlicher Inhalt, wesentlicher Theil“ Diese Erklärung befriedigt uns nicht. Wir vermissen hier die Ideenassociation zwischen,