Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 7. (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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erschweren. Mit welcher liebevollen Hingebung und mit welcher erschöpfenden Gründlichkeit der Verfasser sich in seine Arbeit vertieft hat, bekunden die meisten Artikel seines Buches. Im Besonderen sei zu diesem Behufe u. A. hingewiesen auf die ebenso lehrreichen wie interessanten Ausführungen pg. 51 s. v. זיר, pg. 90 ft‘, s. v. הכתוב, pg. 97 ff. s. v. לשון. Was Verfasser unter תי^מוד II anführt, liesse sich vielleicht als dramatischer Kunstausdruck sehr situationsgemäss auffassen. Alsdann wäre an den Stellen dieser Gruppe nicht ,,talmud“ zu lesen, sondern ,,tilmod“. Wir legen das treffliche Buch aus der Hand und wir zollen dem gelehrten Verfasser gern die wohlverdiente Anerkennung, dass wir viel, sehr viel des Interessanten, Anregenden, Belehrenden in seiner Schrift gefunden haben. Lissa. I)r. Immanuel Deutsch. Deutsch Gotthard, Ph. D1\, Professor of History Hebrew Union College. Pliilosophy of Jewish History. Cincinnati,(). Tlie Bloch Publishing Company. Die Philosophie der Geschichte möchte ich mit dem Herrn Autor (S. 3) die Substanz der historischen Kenntniss und Erkenntniss nennen. Als Attribute möchte ich Zeit und Raum der Begebenheiten und als Modi die einzelnen Ereignisse, welche vom Gesichtspunkte des substanziellen Begriffes des Gesammtinhaltes aus zu betrachten wären. Dennoch finde ich die Bezeichnung, welche der geehrte Herr Verfasser für den zweiten Theil des Buches wählt ,,Jewish history philosophically viewed“,, Jüdische Geschichte philosophisch betrachtet“ für das ganze Buch zutreffend, dessen erster Theil 3 Abschnitte, und dessen zweiter 11 Abschnitte umfasst. Die Schrift beschäftigt sich damit, die geschichtlichen Thatsachen mit philosophischen Reflexionen zu verweben, die zuweilen einen eexgetisch-homiletisehen Charakter haben. In dieser Richtung beachtenswerth ist beispielsweise die der Midraschquelle entlehnte Auslegung des Traumes Jakob: die Völker Babylonien’s, Persiens, Macedoniens und Roms haben auf der Stufenleiter der Geschichte abwechselnd eine Höhe erstiegen, von der sie wieder absteigen mussten. Nur Jakob’s Volk war dazu von Gott ausersehen, sich auf der *Höhe der Zeiten und Ereignisse zu behaupten (S. 19). Nicht minder hervorzuheben sind die eigenen Sentenzen des Autors, sowie die geschickt angewandten und ausgelegten Sprüche aus dem jüdischen Schriftthum, mit welchem Lichtreflexe für bestimmte Epochen und die leitenden Persönlichkeiten derselben gewonnen werden. Wenn der Verfasser Vergangenes mit Gegenwärtigem vergleicht, fehlt es zuweilen nicht an einem frischen, dem Verfasser eigenen Humor. — Die Auslegung, welche der Ausspruch Koheleth 1,5 bei den Talmudweisen (Jona 38b) findet, wonach die Gerechten der Sonne gleichen, die wenn sie an einer Stelle niedergeht an einer anderen wieder aufgeht, findet passende Anwendung auf die historische Erscheinung, dass mit dem Niedergange des einen Schauplatzes, ein anderen neuer Schauplatz der jüdischen Geschichte sich eröffnet. So ist der Schwerpunkt des geistigen Lebens der Juden nach der Gaonimepoche vom Orient nach dem maurischen Spanien verlegt worden (S. 56), in welchem Lande das Judenthum die Höhe der Entwickelung erreicht hatte (1040-1215). Von Mendelssohn sagt das Buch (S. 76), dass wenn Luther durch die deutsche Sprache das Volk für die Bibel gewann, so gewann Mendelssohn durch die Bibel die Juden für das deutsche Volk. Beide haben die Bibel ins Deutsche übersetzt. (M. nur einen Theil. Red.) Eine Eigenart des Buches aber ist’s, die aus bestimmten Zeitabschnitten resultirenden ethischen Wahrheiten, oder gewisse leitende Gesichtspunkte bestimmter Epochen in Thesen zusammenzufassen. Diese Methode empfiehlt sich sowohl in pädagogischer als auch gesehichts-philosophischer Hinsicht und macht den gehörten, ebenso wie den gelesenen Geschichtsvortrag beliebt und angenehm. Die Einleitung des Buches (S. 30) gipfelt in zwei Sätzen, welche die philosophischen Ansichten der Rabbiner über jüdische Geschichte enthalten: I. Eine Nation geht unter, wenn sie die Gesetze der Sittlichkeit missachtet. II. Israel möge den Mittelpunkt bilden, um welchen die Menschheit sich bewegen soll. Den Gesammtinhalt der Geschichte fasst das Buch im Sinne der Propheten (S.102) in einem das Ganze^ abschliessenden Satze zusammen: Die Gemeinde Israel soll aus ihrer Innerlichkeit heraus alle Völker der Erde vereinigen zu einer grossen Gemeinde Gottes. Diese Erörterungen betreffen das Ganze. Nun mögen im Einzelnen der Kritik einige Bemerkungen gestattet sein. (Schluss folgt.) Mchcrsehau. Israelitische Religionslehre. Die biblische und naehbiblische Geschichte bis zum Abschlüsse des Talmuds, sowie die systematische Glaubens- und Pflichtenlehre. Von Dr. Jacob Stein, weil. Seminardir. Dritte unveränderte Auflage. Cassel bei Baier & Co. 1900. 1,70 M. Steht im Talmud etwas über Fleisch- und Fettbesudeln? Von. Pfarrer l)r. J. Jaeger-Gerolzhofen, Fr. Büchners Buchdruckerei. 1900. 61 S. -,50 M. Achtzehnter Bericht über die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin. Mit einer wissenschaftlichen Beiläge: ,,Studien über Jeschua ben Jehuda“ 118 S. von D1־. Martin Schreiner. Berlin. 1900. Zeitschrift für hehr. Bibliographie, herausgegeben Dr. A. Frei mann und Dr. H. Brody IV. Jahrgang, Heft 1 u. 2.— J. Kaufmann, Frankfurt a. M. (Jährlich 6 Hefte, 6,— M. Dr. S. Nascher, Auswahl von ungarischen Gedichten in metrischer deutscher Uebertragung und mit einer Einleitung versehen. Budapest, R. Lampel,k.k. Hofbuchhandlung. (Leipzig, BrunoWitt). ייקרא כפשוטו. Scholien und kritische Bemerkungen zu den heil. Schriften der Hebräer. Von Arnold B. Ehrlich. Erster Theil: Der P e 111 a t e u c h. (384 S. 10,— M.)־—Zweit er Theil: Die prosaischen Schriften (470 S. 12,— M.) Berlin. M. Poppelauer’s Buchhandlung. 1900. כמבוא התלמוד. Die jüdische Tradition. Reihenfolge der jiid. Lehren und Weisen, vom Urbeginn der jiid. Lehre bis 1650. Von Dr. Moritz Poppelauer, Berlin. M Poppelauer. 1900. (58S. 1— M.) Dr. D. Leimdörfer, Prediger in Hamburg. Malki-Zedek, Predigt zum Andenken an Prof. Dr. David Kaufmann s. A. J.Kaufmann, Frankfurt a. M. 1900. -, Mene Tekel, Verhängnissvolle Schriftzeichen. Zeitstimmen am Ende des Jahrhunderts. (Für den Neujahrs- und Versöhnungstag 5660). A. Goldschmidt’s Buchh. Hamburg. 1900. Dr. Isidor Hirsch, Rabbiner in Prag-Karolinenthal. Die jüdische Pietät. Festrede zur Feier des 40jährige11 Bestandes der Chewra Kadischa am 24, Adar 5660. Selbstverlag._ Briefkasten der Redaktion. Herren Prof. L. in M. u. P. in B. Die Besprechung der betr. Bücher folgt in einer nächsten Nr. — Herrn S. B. in A. Wir haben das Stein’sche Buch von der Verlagsbuchhandlung nicht erhalten. Dasselbe gilt von dem FreudenthaLschen. — Herrn Rabb. Dr. D. in L.. Wir bitten um das freundlichst Zugesagte.__ Inhalt der No. 7. Wissenschaftliche Aufsätze: Das Jahr 1848 und die Juden. Von Max Weinberg. — Zum Mischnacommentar des Maimonides. Von Dr. M. Rahm er. (Schluss). — Kritik und Tradition. VI. Recensionen: Bacher, ein Wörterbuch der bibelexegetischen Kunst* u spräche der Tannaiten. Von Rabbiner Dr. Immanuel Deutsch. — Deutsch Gotthard, Philosophy of Jewish History _ Von Dr. S. Nascher. — Bücherschau. — Briefkasten. Die nächste No. (8) erscheint erst um Mitte August. *^11 Verantwortlicher Redacteur: Rabbiner Dr. M. Rahm er, Magdeburg. — Druck von Leistner & Drewfs, Magdeburg.