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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1900-01-01 · No. 7. (1900) · p. Seite 53

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 7. (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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/ — 53 — Gelehrter hat die jüdische Wissenschaft so allseitig zu umfassen gestrebt, keiner hat in dieses Chaos von einem Mittelpunkte aus bis zu seinen entferntesten Radien hin, so viel Ordnung, Licht und Wärme getragen, als eben Moses Maimonides. A.uf der Höhe der Zeitbildung stellend, hat er die ganze geistige Aus- Strömung derselben in sich aufgenommen, selbständig verarbeitet, und sich zum klaren Bewusstsein gebracht; mit dieser Fackel ausgerüstet, ging er an die Hebung und Läuterung des von den Vätern überlieferten heiligen Schatzes, den er nach allen Richtungen untersucht, gewogen, geordnet und niedergeschrieben hat. Schon die erste, ,,allgemeine1‘ Einleitung zeugt — bei allen geschichtlichen Mängeln, welche die heutige Wissenschaft in ihr findet — von seinem Streben, die talmudischen Studien zunächst unter einen bestimmten Gesichtspunkt zu bringen, um eine Einheit der Auffassung möglich zu machen, und zugleich eine Theilnähme für sie anzuregen. Maimonides blieb vom Beginne bis zum Schluss seiner schriftstellerischen Laufbahn eine einheitlich in sich geschlossene Gestalt. Doch Alles, was Maimonides in dieser ersten, kleineren Hälfte seines Lebens geleistet, war nur Vorbereitung für die grosse und einflussreiche Thätigkeit, die er in der zweiten Hälfte entfaltete. Kritik und Tradition. Von Kirohenratl» 1) r. Tb. Kroner in Stuttgart. VI. Jesajah, Kapitel I. Vers 6, ולא רננה Grätz will den Plural רככו. Sein Grund war wohl der Parallelismus, den dieses Wort zu לא זרו ולא חבשו haben sollte. Da diese zwei Verben im Plural stehen, so wäre es wohl zu erwarten gewesen, dass auch das dritte Verb, welches die Unheilbarkeit der Wunden ausdrücken soll, im Plural stehe. Clieyne erwähnt diese Emendation gar nicht und beachtet sie auch nicht. Sie scheint auch gar nicht so nothwendig, denn der Prophet bezeichnet die kranken Stellen mit פצ;ר. dann mit הכרה und מכה טריה; er hat also drei Arten von Erkrankungen und die Heilungsmethode des Oelens soll sich insbesondere auf die letztere beziehen. Vers 7, כמהפכת זרים. Chevne und Grätz nehmen die Verbesserung Ewalds an, der für זרים das W ort סדום lesen will. Aber Smith, Lagarde, Lawtli folgen dem Beispiel Jbn Ezra s, der זרים zwar für unkorrekt hält, es aber im Sinne von זרם ,,Regensturm“ fasst. Wir haben hier eine Meinungsverschiedenheit und, wie zuzugestehen ist. eine auffallende Textstelle. Das Wort זרים kommt in demselben Verse schon einmal vor und bedeutet ,,Fremde, Feinde des Landes, grausame Gegner“. Der Prophet sagt, das Land sei verödet, die Städte verbrannt, von dem Erdboden nähren sich vor den Jsraeliten die Fremden und schliesst diese Schilderung mit den Worten ושממה כמהפכת זרים. Er will also anscheinend die Art der Zerstörung näher angeben und vergleichen. Aber dann kann er sie doch nicht mit der Art ,.wie Fremde zerstören“ vergleichen; man vergleicht doch nicht eine Sache mit sich selbst. Da nun das Wort כמהפכת thatsächlich auf die Zerstörung von Sodom und Amora nach Dtrn. 29,22, Jes. 13,19, Jerein. 49,18, 50,40, Arios 4,11 angewendet wird, der Prophet selbst in V. 9 die Zer- Störung Sodom’s erwähnt, so lag die Vermutliung nahe, die Textschwierigkeit durch die Lesart סדם zu beseitigen Für eine solche Verbesserung könnte auch der Umstand angeführt werden, dass das Verbum הפך im Sinne von ,,zerstören“ auf die Zerstörung der Städte Sodom, Amora, Admah und Zebojim in Genes. 19,21, 2fi,29, Deut. 29,22, Jerem. 20,1 fl, auf die von Niniveh Jon. 3,4, auf die von Bergen Job 28,9, 9,5, angewendet wird, aber niemals von der Zerstörung durch Regensturm (זרים). Aber gegen beide Verbesserungsversuche lässt sich aus dem Gedankengange dieses Verses eine Einwendung erheben. Der Ver& hat zwei Theile; im ersten bezeichnet der Prophet die thatsächliche Vernichtung der vorhandenen Culturanlagen, wie Saaten u. Städte, im zweiten Theile aber die Ausbeutung des Landes und die Aufzehrung des Vaterlands durch die Feinde, da passt nicht ganz der Vergleich mit der Zerstörung durch den Sturm, noch der mit Sodom und Amora. Bedenkt man dabei, dass eine solche Ausbeutung des Landes in den Klageliedern 5,2 mit den Worten נהלתנו נהפכה לזרים בתינו לנכרים geschildert wird, so wird sich verstehen lassen, dass die vorhandene Textschwierigkeit vom Targum durch die Annahme eines solchen Sinnes gelöst wird. Er übersetzt ,,und durch eure Schuld (so ist wohl statt וכהוביהון besser וכהוביכון zu lesen) ist euer Land von euch geleert, es ist gewendet und den Fremden zu eigen geworden‘.‘ So fassen es auch Raschi und David Kimchi. Aber Kimchi weist hierbei schon darauf hin, dass זרים auch von Andern wie זרם als ,,Sturm von Wassern“ verstanden werde, und Malbim giebt hierfür auch eine geistvolle Erklärung. Mit Recht weist er darauf hin, dass wie קדם und קדים so auch זרם und זרים wechseln; er weist ferner auf Jes. 25,7 und 5 hin, wo זרם und זרים für ,,Wassersturm“ gebraucht werden. Somit dürfte die masoretische Lesart □זרי immerhin gerechtfertigt genug sein; sei es, dass der Prophet, weil er das erste Mal das Wort זדי־מ im Sinne von ,,Feinde“ brauchte, sich veranlasst sah, in erschütterndem Wortspiel dasselze zu wiederholen, aber im Sinne von ורם. um die Feinde mit den Wassern zu vergleichen, welche alles wegschwemmen, oder dass er es im Sinne von זרים ,.Entarteten“ brauchte und damit die Leute von Sodom und Amora meinte (siehe D. Kimchi), oder dass er das Wort in seinem Schmerze in gleicher Bedeutung wiederholte. Wollte man sich auf eine Emendation einlassen, so hätte man einfach nach Jerem. 20,10 כע״ים אשר הפך ה׳ statt זר*ם und ערים ZU lesen und die Hinweisung auf Sodom und Amora wäre deutlich genug für die Zuhörer des Propheten gewesen. Chevne geht aber in seiner kritischen Beurtheiluug dieser Stelle noch weiter und hält die Worte ושממה כמהפכת כד־ם für eine prosaische, metrisch überflüssige, dunkle, den schönen rhetorischen Fortschritt zum Vers 9 störende Glosse. Die Stelle ist aber nicht prosaisch, sondern wenn man an die eine Deutung von Verdrängung aller Besitzer durch Fremde, also von der Umwandlung des Vaterlands in ein fremdes, oder an die andere Deutung

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