Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 27 (6.7.1900)
- Date
- 1900-07-06
- Page
- Seite 420 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 420. Israelitische Wochenschrift. ttr. 27. Der Vorsitzende dankt Kollegen Stern für seinen überaus lehrreichen Vortrag; nach kurzer Besprechung beschließt die Versammlung, an den Referenten das Ersuchen zu richten, eine Wandfibel auszuarbeiten und herauszugeben. Die von dem Referenten vorgelegten Thesen werden ebenfalls einer Kommission übergeben und sodann in folgender Fassung angenommen: I. Mit der Erlernung des Hebräischen, das einen integrierenden Bestandteil des Religionsunterrichts bildet, ist frühestens in der zweiten Hälfte des ersten Schuljahres zu beginnen. II. Die Fibel muß sich auf die synthetische Leselehrmethode gründen. III. Beim Fibelstoff ist zu beachten, daß die den Kindern am wenigsten Schwierigkeiten bereitenden Konsonanten und die durch ihre einfache Form am leichtesten sich einprägenden Buchstaben zuerst eingeübt werden. IV. Eine Wandfibel (Lesetafel) ist für den hebräischen Leseunterricht unerläßlich. Kollege Hofmann-Meiningen berichtet über die Verhältnisse der jüdischen Lehrer im Herzogtum Meiningen. Aus diesem Referat, in dem die einschlägigen Verhältnisse mit großer Klarheit und vieler Sachkenntnis dargelegt werden, interessierte die Versammlung besonders der Umstand, daß im Herzogtum Meiningen in jeder Gemeinde der jüdische Lehrer eo ipso Mitglied des Gemeindevorstands ist. Auf eine Anfrage versichert Referent, daß dieses Zusammenwirken in der Gemeindeverwaltung nur den Frieden und die Eintracht in der Gemeinde gefördert habe, und daß überall in den Gemeinden Meiningens das beste Einvernehmen zwischen Lehrer und Gemeinde vorherrsche, und daß jene gesetzliche Bestimmung begreiflicher Weise dem jüdischen Schulwesen zum dauernden Segen gereiche. In langer Besprechung werden damit die unerfreulichen Zustände in den Gemeinden Preußens verglichen; schließlich wird der Vorsitzende beauftragt, beim Gemeindeverband der Provinz Sachsen vorstellig zu werden: „Der Verband möge dahin wirken, daß in allen Gemeinden, in denen die Leitung der Schule einem besonderen Schulvorstand unterstellt ist, den Lehrern Sitz und Stimme in diesem eingeräumt werde." » Zum Schluß referiert Steinhardt-Magdeburg über die Pensions-, Witwen- und Waisenkaffe des Verbandes der jüdischen Lehrervereine, beziehungsweise über die von dem Verein jüdischer Religionslehrer Ostpreußens gestellten Anträge auf Abänderung der Satzungen der Kasse. Nachdem Redner in großen Zügen die Entstehung und die Tendenzen dargelegt, polemisiert er gegen die immer wieder, trotz aller loyalen Erklärungen, in einzelnen Lehrerkreisen auftretenden Behauptungen, daß durch die Verbandspensionskaffe den Provinzialhilfskaffen eine Konkurrenz entstände. Man solle doch einmal abwarten, ob dieser Fall jemals eintreten werde, bevor man durch solche Schwarzsehereien die gedeihliche Entwickelung der Kaffe, sowie das Ansehen des ganzen Verbandes auf das Empfindlichste schädige. Einzelne der ostpreußischen Anträge, besonders die, betreffend die spätere Zusammensetzung des Kuratoriums, seien wohl berücksichtigenswert; entschieden aber sei Redner dagegen, daß an dem Grundwesen der Kaffe jetzt etwas geändert werde. Die Annahme der ostpreußischen Anträge würde die Eröffnung der Kaffe auf unabsehbare Zeit hinausschieben und damit die Entwicklung derselben wesentlich hemmen: sie würde auch dazu beitragen, daß die Mittel des groß angelegten Werkes verzettelt würden. Redner appelliert an den Idealismus der Kollegen. Wie die Kasse jetzt gestaltet sei, müsse sie den folgenden Generationen zu dauerndem Segen gereichen; da müßten alle persönlichen Rücksichten zurücktreten, selbst auf die Gefahr hin, daß die Segnungen der Kasse der jetzigen Generation nur in geringem Maße noch zu teil werden würden. — Nach kurzer Besprechung an der sich die Kollegen Stern, Engelberg und Jaeobsohn beteiligten, gelangte folgende Resolution einstimmig zur Annahme: „Der Verein israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands erachtet es nicht für ratsam' schon jetzt an dem Grundwesen der Pensions-, Witwen- und Waisenkasse des Verbandes der jüdischen Lehrervereine Aenderungen vorzunehmen; der Verein giebt dem Kuratorium der Kasse die Entscheidung über die von dem Verein jüdischer Religionslehrer Ostpreußens gestellten Anträge anheim, ersucht jedoch um Ablehnung aller derjenigen Anträge, die einschneidende Aenderungen der Grundlagen, auf denen die Kaffe beruht, enthalten." — Auf Antrag des Kollegen Sommerfeld-Chemnitz wird sodann der Vorsitzende durch einstimmigen Beschluß der Versammlung beauftragt, dem Kollegen Peretz-Königsberg für sein unermüdliches Wirken und mannhaftes Eintreten für die Interessen des jüdischen Lehrerstandes den Dank des Vereins auszusprechen. Damit war die Tagesordnung erschöpft. Als nächstjähriger Konferenzort wurde mit Rücksicht auf die Kollegen im Königreich Sachsen Leipzig in Aussicht genommen. Die Schriftführer: Moch-Mühlhausen. Stern-tzalberstadt. Nmm Bischer jehrer m der Proviiy Lannover. Protokoll der 36. Versammlung am 6. und 7. Juni I960 zu Hannover. Am 6. Juni nachmittags 4 Uhr eröffnet der zeitige Vorsitzende Blumenfeld-Adelebsen die Sitzung mit herzlicher Begrüßung. Danach berichtet er über das abgelaufene Vereinsjahr. Auch in diesem Jahr hat der Verein rege Thätigkeit entwickelt. Das von der Lesebuch-Kommission bearbeitete Lesewerk ist bereits teilweise erschienen und liegt der Versammlung vor. Es hat die ministerielle Genehmigung und die der Regierung zu Aurich erhalten. Auf der anläßlich der Allgem. deutschen Lehrerversammlung zu Köln staltfindenden Lehrmittelausstellung sind die bislang erschienenen beiden Teile ausgelegt. Das baldige Erscheinen des dritten Teils wird in Aussicht gestellt. Der Vorsitzende berichtet über die am 25. Dezember 1899 in Berlin stattgefundene Sitzung des Verbandsvorstandes und verweist auf das allen Mitgliedern des Vereins zugesandte Sitzungsprotokoll. Bezüglich des einjährigen Mlitärdienstes der jüdischen Volksschullehrer berichtet er eingehend über alle Schritte, die seitens des Verbandsvorstandes in der Angelegenheit geschehen sind und bringt mehrere Anschreiben zur Kenntnis der Versammlung. Er macht auch Mitteilung von den weiteren Schritten, die der Verbandsvorstand in Aussicht genommen und giebt der Hoffnung Ausdruck, daß schließlich ein günstiger Erfolg erwirkt werden möchte.*) Der Delegierte des D.-J. G.-B., Herr Prediger emer. Blumenau- Hannover, und Herr Landrabbiner Dr. Gronemann begrüßen mit warmen Worten die Versammlung. Auf Antrag des Kollegen Bachenheim-Uelzen wird der Gesamtvorstand durch Zuruf wiedergewählt. Als Kassenrevisoren werden Bachrach-Hameln und Bachenheimer-Harburg bestimmt. Darauf erhält Kollege Nagel-Diepholz das Wort zu seinem Vortrag: „Die Anstellungsverhältnisse der jüdischen Lehrer in der ProvinzHannover." Der mit großem Fleiß ausgearbeitete Vortrag ruft eine sehr lebhafte Debatte hervor, die wesentlich durch die Ausführungen der anwesenden Herren Landrabbinen Dr. Gronemann und Dr. Löb geklärt wurde. Um zu einem greifbaren Resultat zu gelangen, wird eine Kommission gebildet, die weiteres Material sammeln und spätestens bis zur nächsten Konferenz eingehend Bericht erstatten soll. Der Kommission wird unumschränkte Befugnis ein- *) Es wäre sehr zu wünschen, daß über die gethanen und die noch zu thuenden Schritte öffentlich Mitteilung gemacht würde. Anmerk, der Redaktion.