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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-07-06 · 27 (6.7.1900) · p. Seite 416

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
27 (6.7.1900)
Date
1900-07-06
Page
Seite 416 (sequence 4)
Language
German
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Seite 416. Israelitische Wochenschrift. 3U. 27. wurden, hat. der Herr Erzbischof von Köln, Krementz, seiner Lebensdevise entsprechend, caritas urget, mir Beweise seiner Sympathie für das große Hilfswerk gegeben, die für den Erfolg von großer Tragweite waren. Und so begrüßen wir denn auch Ew. Erzbischöflichen Gnaden und hoffen, Sie werden die Traditionen der Vergangenheit fortsetzen. Ew. Erzbischöflichen Gnaden haben als akademischer Lehrer an der Bonner Universität die katholische junge Geistlichkeit in die Hallen der Wissenschaft eingeführt, haben ein hervorragendes wissenschaftliches Werk über die Dogmatik geschrieben, haben dann ferner als Bischof von Paderborn in der praktischen Seelsorge Ihre Herde weise, liebevoll und milde geführt, und dort, wo Geist und Herz harmonisch sich vereinen, entspringt ein Quell reichsten Segens für alle Menschen. Mögen daher Ew. Erzbischöflichen Gnaden als Hirt der Hirten die Saaten der Religion und Gottesfurcht, der Liebe und Humanität, die Sic in Ihrer großen Diözese ausstreuen, üppig aufgehen sehen, möge unter Ihrem Hirtenstab die Herde in Friede und Eintracht Zusammengehen und liebevolle Gesinnung unter den Bekennern aller Konfessionen gefördert werden, möge ferner die gütige Vorsehung Sie schirmen und schützen und noch viele Jahrzehnte an der Spitze der Kölner Diözese segensreich wirken lassen, und möge endlich das jesaianische Wort an Ew. Erzbischöflichen Gnaden in Erfüllung gehen: Leiten wird dich der Ewige und laben in der Dürre deine Seele, und du wirst sein wie ein getränkter Garten und wie ein Quell, dessen Wasser nie versiegen." Das walte Gott! Amen." Hierauf erwiderte, nach dem Bericht der „Kölnischen Volkszeitung", der Erzbischof ungefähr folgendes: Er danke für die freundliche Begrüßung seitens der israelitischen Gemeinde und werde, wie bisher, den Israeliten die wohlwollendste Gesinnung entgegenbringen. Wie einst vor 2000 Jahren einer der größten Männer des jüdischen Stammes in seinem Sendschreiben an die Römer hervorgehoben, indem er fragte: „Was haben die Juden vor den Heiden voraus?" und die Antwort gab: „sie haben den Vorzug, daß sie im Besitze des Gotteswortes sind," und ein anderes Mal, „daß sie das Volk des Bundes sind," ebenso erkenne auch er diesen Vorzug des israelitischen Volkes an. „Sie sind nun einmal das von Gott auserwählte Volk, von ihm ausgezeichnet durch den Besitz des Gotteswortes und die Verheißung des Heiles für die ganze Menschheit." Von diesem religiösen Standpunkt aus sei seine Stellung gegen Israel gegeben und von dem christlichen Grundgesetz der Liebe bestimmt. So wie er denke jeder katholische Bischof. Diese Gesinnung werde er den Israeliten der ganzen Diözese bewahren und gegebenenfalls auch praktisch bethätigen. „Und wenn auch einstweilen," so bemerkte der Herr Erzbischof am Schluß, „in Bezug auf den religiösen Glauben eine Scheidewand uns von Ihnen trennt, so halten wir doch an der Hoffnung fest, daß eine Zeit kommen wird, wo es einen Hirten und eine Herde geben werde. Nochmals danke ich Ihnen und hoffe, daß die geäußerten Wünsche zu meinem Wohl und zum Wohl Ihrer Gemeide sich erfüllen mögen." Nach einigen warmen Dankesworten des Herrn de Jonge unterhielt sich der Herr Erzbischof längere Zeit mit der Deputation und erkundigte sich mit regem Interesse nach den inneren und äußeren Verhältnissen der Gemeinde und sprach seine besondere Genugthuung darüber aus, daß solch eine große Gemeinde ohne jede Trennung friedlich geeint sei. In der liebenswürdigsten Weise wurde hierauf die Deputation entlassen. * * * (Die Stimme eines Gerechten.) Unter der Ueberschrift „Christliche Gedanken zu den Konitzer Vorfällen" bringt die „Christliche Welt" einen Aufsatz des Theologieprofessors Lic. Dr. Jülicher, worin es mit Bezug auf die Haltung der konservativen Presse in der Konitzer Angelegenheit heißt: „Als das Schmerzlichste bei dieser Sache erscheint mir die Erfahrung, daß die christliche Presse so überaus wenig Verständnis für die solchen Erscheinungen gegenüber des Christentums würdige Haltung zeigt. Ich habe dabei nicht die antisemitische Hetzpresse im Auge, von der niemand viel Sinn für Wahrheit und Gerechtigkeit erwartet. Aber in der Presse, die es liebt, sich als die berufene Vertretung echt kirchlicher Gesinnung bei uns zu betrachten, offenbart sich von den großen konservativen Zeitungen der Hauptstadt an, die „positiven" Kirchenzeitungen nicht ausgeschlossen, bis herab zu den bescheidenen Provinzialblättchen eine merkwürdige Einmütigkeit in der Sympathie für die Stimmungen des westpreußischen Pöbels. . . . Wenn die Männer, die das Volk in christlichem Geiste führen wollen, es indirekt in seinen wilden Instinkten, die niemals der Sache nützen, wohl aber ihm selber schwer schaden, durch Entschuldigung und Rechtfertigung bestärken, was kann dann vom Volk erwartet werden? Breite Kreise der Kirche — denn leider stehen hinter der konservativen Presse noch gewichtigere Potenzen — im Bunde mit Unwissenheit und Leidenschaft, wo doch gerade im Kampfe mit dem Judentum das Christentum durch reinere Erkenntnis und Unbefangenheit des geschichtlichen Urteils, durch den ernsten Willen und die Kraft, die Masse zu erziehen, seinen Vorrang beweisen sollte! Volkstümlich und modern mag heute solch eine Ja-Nein-Verleumdung in Sachen des Blutaberglaubens sein, christlich darf sie niemals heißen." * * * (Ein Daniel! ein zweiter Daniel!) Ein provinzielles Antisemitenblättchen schreibt und die „Staatsbürgerzeitung" druckt beifällig nach, was angeblich in Mickrow, Kreis Bütow geschehen: „Treibt da, wie gewöhnlich, der Viehhirt in der Mittagsstunde ohne etwas Böses zu ahnen, seine Herde die Dorfstraße entlang. Wie sie nun an das Grundstück des Händlers Caspari kommen, wird plötzlich der bis dahin ganz ruhige Bulle stutzig, schnuppert mit der Nase in der Luft umher und stürzt sich plötzlich mit den Zeichen höchster Wut auf den Zaun des Casparischen Gartens, durchbricht denselben und zerwühlt und zerstampft die dem Zaun zunächst belegenen Beete aufs Gründlichste, nachdem ihm dies gelungen, ging er prustend von dannen. Caspari verlangte, höchstwahrscheinlich auf Grund des Gesetzes, nach welchem für Schäden, die bei einem öffentlichen Aufruhr entstanden sind, der Geschädigte seitens der betreffenden Ortsbehörde vollen Schadenersatz beanspruchen kann, von der Gemeinde Mickrow Schadenersatz, wurde aber von dem betreffenden Ortsvorstand abgewiesen und wandte sich nun dieserhalb an den Gemeindevorsteher. Derselbe besichtigte die Ruinen und fand, daß im Garten des Caspari längst dem Zaune Knoblauch gesäet war, und nun wurde es dem betreffenden Amtsvorsteher auch klar, weshalb der Bulle so in Wut geraten konnte. Er mochte keinen Knoblauch riechen. Die beantragte Entschädigung wurde nicht gezahlt, Caspari aber bedeutet, in Zukunft an seinem Gartenzaun keinen Knoblauch zu ziehen. Der Kuhhirt behauptet, daß die Schnauze

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