Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 24 (15.6.1900)
- Date
- 1900-06-15
- Page
- Seite 377 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 24. Israelitische Wochenschrift. Seite 377. 50 Mk. für Lehrbücher; an die israelitische Vereinigung in Friedrichsberg, die Gottesdienst nach dem Ritus der Kaiserstraßen-Synagoge unterhält und 29 Kindern Unterricht erteilen läßt, 1000 Mk. jährlich; der vereinigten Schochare hatow und B'ne Brith-Gemeinde jährlich 2000 Mk. und ein einmaliger Beitrag von 700 Mk. — Eine längere Debatte knüpfte an die Vorlage, betreffend die Subvention an den Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Wie der Referent Herr Leonhard Sachs (konserv.) mitteilte, waren von dem Verein 1000 Mk. gefordert worden, die Kommission hat 800 Mk. bewilligt, wovon 500 Mk. als jährliche Subvention und 300 Mk. für die vom Verein eingerichteten Fortbildungskurse. Der Verein hat diese Kurse ursprünglich eingerichtet, um den jüdischen Lehrerinnen die Möglichkeit zu gewähren, sich zum Examen für Erteilung des Religionsunterrichts vorbereiten zu können. Namens der Kommission befürwortet der Referent die Annahme der Vorlage. — Prof. Blaschke (liberal) möchte die verlangten 300 Mk. bewilligen, aber den Zusatz sortlaffen „für jüdische Lehrerinnen". Das würde weder den Intentionen des Vereins entsprechen, noch denen, die die Versammlung mit der Subvention verbinde. Es sei bereits der Beschluß gefaßt, den Gemeindevorstand um Veranstaltungen zu ersuchen, die den Lehrerinnen Gelegenheit geben sollen, sich die Kenntnisse von Religionslehrerinnen anzueignen. In den Fortbildungskursen des Vereins fehle die praktische Hebung der theoretischen Kenntnisse, und hierfür könne nur die Gemeinde Sorge tragen. Die Kurse würden übrigens nicht nur von Lehrerinnen besucht, sondern auch von anderen Damen und Herren. — Prof. Lewin (konserv.) legt den Gedanken nahe, die jüdischen Lehrerinnen als Hospitanten zu dem Unterricht in den Gemeindeschulen zuzulassen, damit sie dort die Art des Unterrichts kennen lernen. Das scheine ihm für beide Teile zweckmäßiger zu sein. Die Gemeindeverwaltung würde dann auch wissen, was die betreffenden Damen lernen, während ihr heute jeder Einfluß entzogen sei auf das, was in den Unterrichtskursen des Vereins gelehrt werde. — Vorstandsmitglied Rechtsanwalt Lilienthal führt aus, daß der Beitrag von 300 Mk. nur vorübergehend bewilligt werde, da die Vereinskurse fortfallen würden, wenn erst die Gemeinde für deren Einrichtung Sorge getragen hätte. — Herr Benas Levy (0) ist der Ansicht, daß die Petition „unter einem falschen Gesichtspunkt" betrachtet werde. Der Verein hätte diese Erhöhung erfordert, um den Etat balanzieren zu können. — Prof. Blaschke (liberal) glaubt, daß man heute noch nicht entscheiden könne, ob der Verein seine Kurse nach Einrichtung gleicher Kurse durch die Gemeinde aufgeben werde. — Nach dem befürwortenden Schlußwort des Referenten wird die Vorlage gemäß dem Antrag der Subventionskommisston angenommen. — Ohne Debatte wurden bewilligt 400 Mk. als Extra-Subvention an die jüdische Religionsgemeinde in Charlottenburg und verschiedene sachliche Ausgaben. Die Erneuerung der Mietung des Saales Beuthstraße 20 für festliche Gottesdienste wird gutgeheißen. — Die Forderung von 4500 Mk. für die Errichtung eines Obduktionsraumes auf dem Friedhof in Weißensee ist vom Ausschuß III zurückgelangt. Trotz der dringlichen Vorstellungen seitens des Vorstandes, der die Notwendigkeit der in Rede stehenden Einrichtung betonte, willigte die Versammlung mit großer Mehrheit in eine Vertagung und überwies die Vorlage gemäß dem Ausschußantrag an den Ausschuß I. Hiermit schloß die öffentliche Sitzung, der eine geheime folgte. Dortmund, 9. Juni. (Einweihung der neuen Synagoge.) Die eben verflossenen schönen Tage der Einweihung der neuen Synagoge werden allen Festteilnehmern in dauernder Erinnerung bleiben. Schon gestern Nachmittag waren die Herren Oberpräsident Freiherr von der Recke aus Münster und Regierungspräsident Winzer aus Arnsberg hier eingetroffen, um an den Einweihungsfeierlichkeiten teilzunehmen. Die Herren Ehrengäste wurden von dem Vorstand am Bahnhof abgeholt. Ehe der Einweihungsakt begann, fand die Abschiedsseier in der alten Synagoge statt. Noch einmal versammelten sich die Gemeindemitglieder an jener trauten Stätte, wo sie so oft inbrünstig zu Gott gebetet und so oft den Worten ihres allverehrten Predigers gelauscht hatten. In rührenden Worten nahm Herr Rabbiner Rotschild von dem alten Gotteshaus Abschied, in dem er 26 lange Jahre seines Amtes gewaltet. Er dankte allen Gemeindemitgliedern, die immer so gern nach dem kleinen Gotteshaus gepilgert waren und heute die Freude erlebten, in das neue Gotteshaus einziehen zu können. Er schloß mit dem Wunsch, daß auch das neue Gotteshaus, dessen Pforten sich heute zum erstenmal öffneten, in gleicher Weise ein Bethaus sein möge, darin die Gemeindemitglieder gern verweilten. Die Thorarollen wurden von den Aeltesten der Gemeinde in Empfang genommen und in einem Wagen zur neuen Synagoge überführt, wo die versammelten Ehrengäste sie erwarteten. Außer dem Ober- und dem Regierungspräsidenten sah man den Geheimrat von Rynsch, den Vertreter des persönlich am Erscheinen behinderten Oberbürgermeisters, Herrn Pastor Fluhme, ferner verschiedene Stadtverordnete, die Baukommission re. Bei Eintreffen des Wagenzuges stimmte der Kinderchor das .„Lobe den Herrn" an. Eine Schülerin überreichte dem Erbaute des Gotteshauses Herrn Eisenbahn-Bauinspektor Fürstenau aus Halle den in Silber geschmiedeten Schlüssel mit einer kleinen Ansprache. Herr Fürstenau sprach dankend den Wunsch aus, daß das von ihm erbaute Gotteshaus stets eine Stätte der Erbauung, des Dankes für die von Gott empfangenen Wohlhatten und des Trostes in den von ihm gesandten Heimsuchungen sein möge. Er reichte den Schlüssel dem Vorstand der Synagogengemeinde Herrn Adolf Elias, der dem Bauinspektor für das überaus gelungene Werk herzliche Anerkennung aussprach. Herr Elias öffnete die Pforte, und der festliche Einzug erfolgte. Hinter Rabbiner und Lehrer schritten die Träger der Thora mit Begleitern und nach einer Zahl weißgekleideter Mädchen der Vorstand der Gemeinde, die Spitzen der Behörden, die Architekten und Mitglieder der Baukommission, die Ehrengäste und die Gemeindevertretung. Die Gemeindemitglieder hatten schon vorher Platz genommen. Das Gotteshaus machte einen überwältigenden Eindruck. Der Herr Oberpräsident war von der inneren Einrichtung des Gotteshauses entzückt, auch alle übrigen Ehrengäste fanden nur Worte des Lobes für den Erbauer. Herr Musikdirektor Janssen leitete den Chor. Nach einem Präludium der Orgel wurde „Mah tauwu" gesungen, die ewige Lampe wurde ange-