Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 6. (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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47 noch, dass an diesen beiden Stellen מתם gleich שלום und נקלה gleich איין מתום genommen wird, also gerade gleich .,soundness“ und ,,completeness‘‘, was Cheyne bestritten hatte. Uebrigens lässt sich die Bildung מתום wohl sprachlich erklären. Cheyne meint, dass man statt מתם das Wort מתום (mittöm) zu lesen und hier אין und מ׳ als Negation zn fassen .habe. Er beruft sich auf 1. Kön., 1,52 und 1. Sam. 14,45. Aber in der ersten Stelle steht ילא יפול משערתו an der zweiten steht יאם יפול משערת ראשו und sie beweisen nichts. Die Verwendung von אין und einem nachfolgenden מ׳ (gleich מן) für den Begriff , ,keiner“ ist nicht nach weisbar. Das Wort מתם wird von König (H-K. L .S. 98, Note 1) als Nonien mit vorausgehendem Ableitungsconsonanten von תם gebildet erklärt. Aber auch die Worte שלשום ,פתאום ,הלום konnten zu der Vermuthung führen, dass מתום nicht von der Wurzel יתם sondern von der Wurzel מתה komme und dass zwischen □מתי ,,Mannen“ (constr. מתי) und מתום eine Verwandschaft sei. Wie man aber auch dieses letztere Wort sprachlich erkläre, es mit מתם (mittöm) umzuwandeln liegt kein gegründeter Anlass vor. (Fortsetzung folgt) Litterat וו r bericht. Recensionen. Uorovitz, Dr. S.« Die Psychologie bei den jüdischen Religions־Philosophen des Mittelalters von Saadia bis Maimuni. Breslau 1900. Heft I.: Die Psychologie Saadia’s, 75 S. Heft II.: Die Psychologie der ־jüdischen NeupJatoniker: A. Die Psychologie Gabirols, 70 S. Besprochen von Rabb. D1*. B. Seligko witz in Coethen. (Schluss.) Da die Behauptung, das Herz sei der Centralsitz der Seele, die Möglichkeit nicht ausschliesst, dass nächst dem Herzen, hinsichtlich der höhern Seelenfunktionen dem Gehirn der zweite Rang gebühre; und dies umsomehr, als auch die arabischen Aristoteliker zwischen der airstotelischen und galenischen Anschauung zu vermitteln suchen. Immerhin bleibt es Dunkel, welche Gründe Saadia vera.11• lasst haben, in dieser eklektischen Weise zu verfahren. Auch in Bezug auf die Lehre von dem Verhältnis der Seele zum Körper liegen zwei verschiedene Quellen vor. Während Saadia in seinem Hauptwerke, trotz seines Versuches, an Aristoteles eine Annäherung zu gewinnen, uns immer noch im Dunkeln lässt, wie man sich die Verbindüng zwischen Seele und Körper zu denken habe, in welcher Weise sie aufeinander wirken, während also im Hauptwerk das Verhältnis zwischen beiden ein rein äusserliches bleibt, begegnen wir in seinem Commentar zum Jezirah-Buches hinsichtlich dieses Problems einer neuplatonischen Ansicht. Dort erfahren wir, dass die Seele in gleicher Weise dem Körper gegenwärtig ist und zugleich über ihn hinausragt, wie dies bei Gott der Fall ist in Bezug auf die Welt. Gott wird das Leben der Welt genan 11t, weil er, ebenso wie die Seele, jeden Theil und das Ganze des Organismus, die Welt in allen ihren Teilen und als Ganzes erfüllt. In diesem Commentar finden sich noch viele andere ähnliche Vergleiche, aus denen deutlich der Neuplatonismus hervorschimmert. Aus dieser Verschiedenheit in den Ansichten könnte man geneigt sein anzunehmen, Saadia habe inzwischen seinen Standpunkt geändert. Diese scheinhare Inkonsequenz in den Ansichten Saadia’s, meint der Verfasser mit Recht, lässt sich durch die Annahme beseitigen, dass Saadia in dem Commentar nicht als selbständiger Philosoph auftritt, sondern lediglieh die Ansicht des Buches Zezirah objektiv erklären will. Was nun Saadia über die Seelenfunktionen sagt, oder um uns in der Sprache der neueren Psychologie auszudrücken, Saadia’s Erkenntnistheorien betreffend —Verfasser drückt dies mit der Bezeichnung, ״empirische Psychologie“ aus, was uns nicht ganz correct scheinen will — so ist Saadia darin in jedem Punkte aristotelisch. Sowohl die Eintheilung der Seelenthätigkeiten, in Wahrnehmung, Verstand und Vernunft, als auch seine Theorie über den Gemeinsinn, der die Wahrnehmung der verschiedenen Sinne in sich vereinigt, schliesslich seine Ansicht über den bei der Wahrnehmung stattfindenden Prozess ist aus der aristotelischen Psychologie entlehnt. Verfasser will allerdings den Gemein sinn bei Saadia von demjenigen bei Aristoteles insofern unterschieden wissen, als nach Aristoteles dieses Vermögen, welches die verschiedenen Eindrücke zu einer Einheit zusammenfasst, selbst ein sinnliches sein müsse, während nach Saadia dieses Vermögen auf die Einheit der Seele zurückgeführt wird. Allein darüber könnte man noch mit dem Verfasser rechten. Nach Aristoteles beruht ja bekanntlich das Gedächtniss und das Wiedererinnerungsvermögen auch auf dem Gemeinsinn, und bei ihrer Thätigkeit sind sie an Gesetze gebunden, nach welchem auch die Vorstellungen unwillkürlich sich mit einander verbinden. Hinsichtlich der Unsterblichkeitslehre, welcher Saadia einen breiten Raum widmet, fällt es auf, wie Verfasser hervorhebt, dass er den ontologischen Beweis, welcher sich auf den Begriff der Unzerstörbarkeit der Substantialität gründet, unberücksichtigt lässt, und nur die ethischen und religiösen Resultate in den Vordergrund rückt. Den Grund dieser Auffälligkeit will Verfasser darin finden, dass nach Saadia der Begriff der Unzerstörbarkeit in der Seele nicht liegen kann, da die Seele nach ihm zu einer bestimmten Zeit geschaffen ist. Ob diese ,Ansicht des Verfassers stichhaltig ist, ist noch sehr fraglich. Mit dem Begriffe der Substanz ist nach der Philosophie des Alterthums und des Mittelalters der Begriff der Unzerstörbarkeit oder Beharrlichkeit unbedingt verknüpft. Da nun Saadia an dem Begriff der Substantialität der Seele festhielt, so dürfte für ihn der ontologische Beweis nicht seine Gültigkeit haben. Diese Auffälligkeit lässt sich nach unserer Ausicht viel mehr damit erklären, dass Saadia in erster Reihe Religionsphilosoph war, und als solcher gerade diejenige Lehre, auf welche die Psychologie hinausläuft, die Unsterblichkeitslehre, 11atiirlicher Weise religionsphilosophisch begründen wollte. Die Seelenwanderung, und zwar nicht nur die Lehre von dem Uebergange der Seele in Thierkörper, sondern auch die von der Wanderung aus einem menschlichen Organismus in den andern, fand in Saadia einen entschiedenen Gegner. Diese Theorie sucht er sowohl philosophisch, als auch an der Hand der heiligen Schrift zu widerlegen und bezeichnet diese Lehre als Thorheit und Wahnsinn. Bietet nun die Darstellung der Psychologie Saadia’s insofern weniger Schwierigkeit, als die Grundzüge seines psychologischen Systems im Zusammenhänge entwickelt sind und sein Philosophiren überhaupt von einer nüchternen Reflexion beherrscht ist, so gestaltet sich die Aufgabe bei Gabirol viel schwieriger. Bei Gabirol mussten erst die einzelnen Steinchen znsammengetragen werden, um ein Ganzes daraus herzustellen, die Psychologie musste erst aus seinem philosophischen System extrahirt werden. Die Hauptschwierigkeit aber bei der Darstellung der Psychologie Gabirols dürfte wohl in dem neuplatonischen Charakter der Gabirol’schen Philosophie überhaupt liegen, welche doch im Grunde genommen im Ganzen ein unzusainmenhängendes und dunkles Gewebe transcendenter Spekulationen und phantastischer Träumereien war, eben darum aber auch keiner systematischen Darstellung fähig ist,