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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1900-01-01 · No. 6. (1900) · p. Seite 46

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 6. (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 46 (sequence 6)
Language
German
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betr. Zeichen zu den 2 Versen in Numeri bedient sich der Talmud nicht der Bezeichnung 2נקוד), sondern Sabbath 115b heisst es ausdrücklich: פרשה ד עשה לה הקב״ה סימניות מלמעלה ומטה לומר שאין זה מקומה.. Diese םימנרת sind doch offenbar nicht einfache Punkte, sondern eine Art Klammer Zeichen, die vor Vers 35 und hinter Vers 36 gesetzt waren, um anzuzeigen, dass diese zwei Verse nicht an richtiger Stelle stehen. Ja im Trakt. Posch haschana 17 b werden dieselben Zeichen (zu Ps. 107) noch näher definirt:עשה להן סימניות כאכין ורקין שבתורה, was ja nichts anderes besagen will3), als dass diese masoretischen Zeichen denselben Werth haben sollen, wie die Partikel אך und רק die ja stets למעט 11״)m etwas auszuschliessen“) stehen; was diese halachisch, das sollen jene Zeichen in formaler Beziehung zur Anschauung bringen, es soll etwas vom Zusammenhänge ausgeschlossen werden4 5). Ob dies nun durch halbrunde Klammerzeichen oder durch andere (Striche, Kränchen0), Spiesse oder Haken) masoretisch angedeutet wurde, darüber scheinen schon in frühesten Zeiten die Ansichten auseinander gegangen zu sein. Das sieht man aus den verschiedenen Lesarten. In Massechet Soferim (Perek 6,1 u. 2) heisst es: Wer eine Thora schreibt, (צריך לעשות שיפור גשיעור, hat vor Vers 35 Num. c. 10, und vor Vers 1 des 11. Kapitels (d. h. hinter dem letzten (36.) Verse des 10. Kapitels) einen שיפור zu machen‘.1 Was ist nun שיפור? Blau und nach ihm Weir erklären, es nicht zu wissen. Aber schon Joel Müller in seiner Edit. des Mass. Soferim (Leipzig 1878) S. 83 erklärt: ״Dieses Wort bedeutet die runde Krümmung, etwa in der Nun-Eorm. Die Accente, welche eine ähnliche Form haben, wie z. B. das Munach, führen auch den Namen 6 *שופר)? Die etymologische Ableitung ist hiernach klar. Ich füge zur Unterstützung derselben noch hinzu, dass in Schekalim (P. IV, Mischna 1) und Gittin 60 b auch der einem Schofar gleich geformte Almosenkasten den Namen שיפורא führte. Die von Neubaur und Müller angeführte Lesart שיעור ist jedenfalls eine spätere, hervorgegangen aus der Unkenntniss der Bezeichnung שיפור. Wenn Blau die erklärende Bemerkung Neubaurs für ״einleuchtend“ hält, so will sie mir schon deshalb nicht einleuchten, weil man im Hebräischen ebensowenig wrie im Deutschen sagen kann ״man muss einen leeren Raum machen“ צייד לעשות שעור, für ״einen leeren Raum lassen“ 'צדיך להגיח וב. (Man vergleiche den 2. Abschnitt von Soferim, wo es stets מרחק וכר heisst). Sollte trotz alledem שיפור als Bezeichnung für schofarähnliche ״Klammer“ als ungebräuchlich nicht acceptirt werden, so würde ich die Lesart שיפוד (mit Daleth) dafür in Vorschlag bringen, was gebräuchlicher 2) Nur Sifre z. 8t. hat נקוד עליו; R. Tobija liest מסומן עליו. 3) Cfr. Rasclii z. St. v4) Frensdorff in Massora magna (Cap. I, S. 1, Alphabet. Ver zeichniss der eigenthüml. massoret. Ansdrücke) erklärt אכין ורקין knrzweg als ״Bezeichnung für Einklammerungszeichen“ 5) Kränchen — כתרים — תגין waren Verzierungen einiger Buchstaben; vielleicht ist auch das נונין מנהרות (od. נון נזורה) nicht wie im Minchat Schaj Ps. 107 erklärt wird, von נזורו אחור abzuleiten und sonach identisch mit נון הפוכה, sondern von ״ נזרKrone“, ein mit einem Kränchen versehenes Nun. 6) Wenn Müller a. a. O. einige Zeilen vorher שיפור mit ״Verzierung“ übersetzt, so scheint er an den Verbalstamm ״ שפרschön sein“ gedacht zu haben, wovon aber das Nomen שופרא (cfr. Targ. Prov. 31,30) oder שפירותא (cfr. Targ.Onk. zu Deut. 28,47) gebildet wird. ist und schon in der Mischna (Pessach. P. VII, Mischna 1 u. 2) vorkommt. Es entspricht dem griechischen 07iddog, dem deutschen ,,Spiess? Es lässt sich wohl denken, dass die ז סימניות מלמעלה למטה) die Form eines Spiesses (etwa eines Schluss-]) hatten. Werden doch noch heutzutage in den Buchdruckereien die durch Bleistücke ausgefüllten Zwischenräume (Spatien) zwischen den Buchstaben und Wörtern, wenn sie zufällig mit der Buchdruckerschwärze in Berührung kommen und auf dem Papiere zum Abdruck gelangen, mit dem technischen Ausdrucke ,,Spiesse“ genannt8). Kritik und Tradition. Von Kirchenrath I)r. Th. Kroner in Stuttgart. v. Jesajah, Kapitel 1. Vers 5על מה תכו י. Grätz will statt על lieber עד lesen. Cheyne berücksichtigt auch diese Verbesserung nicht. Was Grätz zu derselben bewogen haben mag, könnte entweder der Umstand sein, dass er על מה mit ״worauf?“ zu übersetzen nicht für recht hielt, oder, dass er es nach Numri 22, 32 על מה הכית gleich ״warum“ genommen und darum die Frage: ״Warum sollt ihr geschlagen werden?“ für• unverständlich hielt. Dem ist aber entgegenzuhalten, dass die Redewendung: ״schlagen auf eine Sache“ im Hebräischen durch הכה על wiedergegeben wird, wie das יכו על הלחי Micha 4,14 beweist. Wohl ist zuzugeben, dass die Frageform על מה (siehe Mandelkern, Concodanz S. 1289) Dtrn. 29, 23, 1. König 9,8, Jerem. 16,10, 22,8, Ps. 10,13 stets gleich למה, während Ps. 4 עד מה in der Bedeutung: ,,Wie lange noch?“ gebraucht wird. Wenn man nun auch nicht bestreiten kann, dass עד מה hier den guten Sinn gehabt hätte: ״wie lange noch (sollt ihr geschlagen werden)?“, so ist doch die Frage ״ על מהWohin d. h. (auf welchen Theil eures Staatskörpers) sollt ihr noch geschlagen werden? vollständig verständlich, zumal der Prophet thatsächlich, im Bilde bleibend, Kopf, Herz, Fusssohle, Scheitel als die Stellen nennt, die schon schwere Schläge erlitten haben. Auch das Targum hat על מה לקינא• Es ist also die Tradition hier wieder nuangreifbar und Cheyne hatte Recht, diese Verbesserung nicht zu berücksichtigen. Vers 6, אין בו מתום. Cheyne meint (in seinen Critical notes on Jesajah S. 110) ein Wort מתום im Sinne von ״Gesundheit, Vollständigkeit“ existire nicht in der Sprache des alten Testaments. So rasch fertig kann man doch mit einem so abschliessenden Urtheile nicht sein, wenn man daran denkt, dass das Wort ganz in der gleichen Verwendung auch Ps. 38,4 אי[ מתום בבשרי steht, und Ps. 38,8 wiederholt wird. Dazu kommt 7) Das auch iu der Mischna vorkommende סממניות (cfr. Sabbath P. XII M. 3) ist nicht, wie Manche annehnien, nur eine andere Lesart für סימניות (cfr. Koenigsbeger, ״Masora und Talmudkritik“ S.49), sondern bedeutet ein farbiges Zeichen. Das Wort ist von dem biblischen סמים, aram. סם, und nicht von סימן abzuleiten; משוח כששר (Jerem. 22,14) übersetzt das Targ. מצויר בסממנין; desgl. Ezech. 23,14. Man vergleiche auch Raschi zur Mischna Sabb. 1. c. אחת בדיו ואחת בסיקרא. Maimonides dagegen in seinem Mischnacommentar z. St. auch Arucli (s. v. סם I). Bartinoro z. 8t. bemerkt bereits, dass in der Mischna Sabb. verschiedene Lesarten waren: mit einem מ׳ und mit zweien. 8) Die ג׳ זינין, mit welchen nach Menach. 29b die bek. 7 Buchstaben in der Thora geziert sein mussten, waren wohl auch ״Spiesse“ [(כלי זין)._

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