Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 23 (8.6.1900)
- Date
- 1900-06-08
- Page
- Seite 360 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/5369809-9607691-9607256-9607407--7774-9607419- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 360. Israelitische Wochenschrift. Nr. 23. täglich für die Verpflegung, wenn sie in der Anstalt essen wollen. Herr Rücker, der Besitzer des Römerbades, hat sich erboten, den Lehrerinnen freie Bäder und Inhalationen so lange zu gewähren, bis die Königliche Regierung ihrerseits diese Vergünstigung, die sie bereits in Aussicht gestellt hat, bewilligt. Die ärztliche Behandlung wird Herr Dr. Aronsohn leiten. Als Oberin des Hauses ist angeftellt Frau Witwe Hesse, frühere Rote-Kreuzschwester Anna Margarethe Loye, die als solche den Aufstand in Kamerun mitgemacht und sich dort in der Pflege der Kranken und Verwundeten so ausgezeichnet hat, daß sie neben anderen Orden auch den Luisenorden 2. Klasse erhielt. Damit die Lehrerinnen aller genannten Vergünstigungen teilhaftig werden können, hat die bisherige Besitzerin des Hauses Burg Stein, Frau Beck, 5 möblierte Zimmer gratis zur Verfügung gestellt und giebt vollkommene und dabei gediegene Verpflegung für drei Mark täglich. Die Mittel zum Kauf des Hauses und zur Unterhaltung der Anstalt sind zum Teil gezeichnet, zum Teil sollen sie durch weitere Sammlungen beschafft werden. Der Verein zählt dabei auf das wärmste Interesse weitester Kreise. Geldgeschenke sind zu richten an Herrn Banquier I. Kirchberger in Ems, Anfragen und Aufnahmegesuche, denen nur ein ärztliches Zeugnis über den notwendigen Gebrauch der Emser Quellen beizufügen ist, an Herrn Dr. Aronsohn in Ems. Chemnitz, 3. Juni. (G e m e i n d e b e r i ch t.) Die hiesige Gemeinde hat die löbliche Gewohnheit, alljährlich ihren Mitgliedern einen ausführlichen Rechenschaftsbericht öffentlich zu erstatten. Der soeben erschienene Bericht bezeichnet das Jahr 1899 gleichsam als ein Festjahr für die Gemeinde, die 24 Jahre nach ihrer Begründung eine neue Synagoge einweihen konnte. Die Gemeinde umfaßt in 230 Haushaltungen etwa 1000 Seelen mit 340 steuerzahlenden Mitgliedern, die im vorigen Jahr M. 22 246,30 Steuern aufbrachten, für Synagogenplätze M. 7989 entrichteten. Man steht, daß die Gemeinde steuerkrästlg und opferwillig ist. Der Lehrer und Sekretär der Gemeinde, Herr S. Sommerfeld, hat mit der lebenslänglichen Anstellung Pensionsberechtigung erhalten. London^ 1. Juni. (Einweihung des Sara Pyke- Hauses.) Am letzten Sonntag hat die Einweihung des Sara Pykc-Hauses stattgesunden, das Herr Joseph Pyke zum Andenken an seine verstorbene Gattin gestiftet und dem „Verein zum Schutz jüdischer Frauen und Mädchen" übergeben hat. Das Haus ist in der Great Prescot Street gelegen, und hat den Zweck, in London alleinstehenden jüdischen Frauen und Mädchen ein dauerndes Heim zu bieten. Einwandernden Frauen soll das Haus \o lange ein Unterkommen gewähren, bis sie in London lebende Verwandte ermittelt, Arbeit gefunden haben und etwas mit der Landessprache bekannt geworden sind, deren Unkenntnis vielen Frauen und Mädchen in der großen fremden Stadt zum . Unheil wird. Besonders die russischen Einwanderer haben große Scheu, sich in Notfällen an die Polizei zu wenden, weil sie in ihrer Heimat gewohnt waren, die Polizei als ihren geborenen Feind zu betrachten. Das neue Heim wird auch einen großen erziehlichen Einfluß auf seine Insassen ansüben, indem es sie an Sauberkeit, Ordnung, Thätigkeit und Disziplin gewöhnt. Auch nichtjüdische Frauen sollen im Heim Aufnahme finden. Jerusalem, 20. Mai. (Jüdische Bibliothek. — Siechen- und Irrenhaus.) Der Grundstein zum Gebäude der neu zu errichtenden jüdischen Bibliothek ist kürzlich in feierlicher Weise gelegt worden. In den verschiedenen bei dieser Gelegenheit in hebräischer Sprache gehaltenen Reden wurde die Bedeutung des neuen Instituts betont, das den Zweck hat, in Jerusalem Licht und Wissenschaft zu verbreiten. Die jüdische Literatur bedeute den wahren jüdischen Nationalreichtum, und durch geschickte Leitung und angemessene allseitige Unterstützung könne die neue Bibliothek Jerusalem zum Mittelpunkt der jüdischen Gelehrsamkeit machen. — Das vor einigen Jahren von dem Frauenverein „Esrath Naschim" gegründete Heim für sieche und geisteskranke Jüdinnen hat ein neues, leider nur gemietetes Heim bezogen, in dem die Patienten weit besser untergebracht sind, als im bisherigen. Sie haben luftige, gesunde Schlafräume, einen schattigen Garten, und werden unter der umsichtigen Pflege der allbeliebten Vorsteherin Frau Pincs sauber und ordentlich gehalten. Zum Bau eines eigenen Hauses wären 20—25 000 Francs erforderlich, die der Verein Esrath Naschim durch Sammlungen zusammenzubringen versuchen will. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Herr Süßmann, der an der Spitze des Bureaus der Armenkommission der Berliner jüdischen Gemeinde steht, feiert am 20. Juni sein 26 jähriges Amtsjubiläum. Seine freundliche Teilnahme für jeden Hilfesuchenden, seine große Arbeitskraft und Pflichttreue haben ihm die Zuneigung und Anerkennung der weitesten Kreise erworben. Herr Süßmann steht im 65. Lebensjahr. — Am Sonntag, 3. Juni er., beging Herr Maurermeister Marcus Adler in Berlin, Georgenstr. 46 a, Bezicksvorsteher des 12. Stadtbezirks, seinen 70. Geburtstag. Herr Adler steht seit 40 Jahren in städtischen Ehrenämtern und an der Spitze zahlreicher Wohlthätigkeitsvereine in unermüdlichem Dienst des öffentlichen Interesses und der Humanität; besonders die Bestrebungen für Förderung der Handwerke unter der israelitischen Jugend haben in ihm einen allzeit bereiten Förderer gefunden. — Wie aus New-Aork gemeldet wird, ist dort der siebzigste Geburtstag des Professors der Medizin, Abraham Jacobi, festlich begangen worden. Jacobi zählt zu den angesehensten deutsch-amerikanischen Aerzten. Seine Bedeutung geht aber weit über die Fachkreise hinaus. Jacobi's Name hat in den Vereinigten Staaten überall guten Klang, wo Deutsche wohnen. Er hat alle Zeit deren Interesse wahrgenommen und sich lebhaft an allen Bestrebungen zum Besten des Deutschtums in den Vereinigten Staaten beteiligt. Jacobi lebt seit dem Ende der fünfziger Jahre in New-I)ork, zuvor hatte er in Manchester seinen Wohnsitz. Die politischen Verhältnisse in Preußen waren die Veranlassung, daß Jacobi ins Ausland ging. Zu Hartum bei Minden in Westfalen geboren, studierte Jacobi in Greifswald, Güttingen und.Bonn die Heilkunde. Kurz nachdem er 1851 zum Doktor promoviert hatte,^ wurde er unter der Anklage^eines^politischen Vergehens verhaftet. Er hatte eine zweijährige Haft über sich ergehen zu lassen. In New-Aork, seiner zweiten Heimat, gelangte Jacobi, Dank seinem tüchtigen Können und Wollen, zu Ansehen. Er wurde 1861 Professor der Kinderheilkunde an der New-Aorler medizinischen Schule, 1865 an der University Medical School, 1870 am Kollegium der Aerzte, und wirkt jetzt an der Columbia -Universität? Man verdankt Jacobi eine beträchtliche Reihe von Einzelstudien zur Kinderheil-