Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 23 (8.6.1900)
- Date
- 1900-06-08
- Page
- Seite 359 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 23. Israelitische Wochenschrift. Seite 359. sionen der „Viktoria" Mk. 82 509, Erlös aus dem „Statistischen Jahrbuch" Mk. 200, außerordentliche Zuwendungen M. 300. Die Ausgaben sind: Für Religionsunterricht in armen Gemeinden Mk. 12 500, Inspektion dieses Unterrichts (die Entsendung eines außerordentlichen Inspektors ist vorgesehen) Mk. 1000, Vorlesungskursus für akademisch gebildete Lehrer der jüdischen Religion Mk. 2000, Fortbildungskurse für Kantoren Mk. 1150, Literarische Subventionen Mk. 1000, Unterstützung armer Gemeinden aus dem Baufond Mk. 2500, von dem Verband der Lehrerveretne Mk. 1600, Beiträge zu den Lehrerhilfskassen Mk. 600, Rentenversicherungen von Lehrerinnen Mk. 500, Prämienzuschüsse aus der Friedrich-Wilhelm- Viktoria-Stiftung Mk. 20 400, Stipendien für Handwerkslehrlinge Mk. 1750, Stipendien für Studierende der Technik Mk. 1800, Bibliothek Mk. 750, Ehrenbezeigungen Mk. 450, Statistik Mk. 850, Kranken-, Waisen- und Armenpflege Mk. 1100, Vorschuß für die zu gründende Arbeiterkolonie Mk. 500, Unterstützungen aus dem Dispositionsfonds Mk. 800, Mitteilungen und Propaganda Mk. 8000, Bureaumiete Mk. 1800, Gehälter Mk. 4800, Porto Mk. 1600, diverse Unkosten Mk. 1350, Zinsüberweisung an die verschiedenen Fonds WH 7862. Berlin, 5. Juni. (Baron Coh n-S tiftung.) Um das Andenken ihres verstorbenen Vaters, des Barons Moritz von Cohn zu ehren, hat Frau Julie Oppenheim der Stadt Berlin, in der ihr Vater so lange gelebt hat, 100 000 Mark zugewendet. Ueber die Verwendung der Zinsen soll der jedesmalige Oberbürgermeister von Berlin, in dessen Verhinderung der jedesmalige Bürgermeister von Berlin und zwei Berliner Einwohner, von denen der eine möglichst Mitglied der Berliner Stadtverordneten-Versammlung sein soll, zu verfügen haben. Als die Ersten sollen die Verwaltung übernehmen Herr Oberbürgermeister Kirschner, Herr Stadtverordneter Dr. Nathan (Vetter der Wohlthäterin), Herr Reichstagsabgeordneter Karl Schräder. Die Zinsen sollen möglichst jährlich und spätestens immer nach fünf Jahren für humanitäre, wissenschaftliche oder künstlerische Zwecke verwendet werden. Berlin, 6. Juni. (Tod des Sanitätsrats Dr. Lewandowski.) Sanitätsrat Dr. Hermann Lewandowski, der vor wenigen Monaten zum stellvertretenden Mitglied des Vorstands der jüdischen Gemeinde ernannt worden, sein Amt aber noch nicht angetreten hatte, ist am Dienstag nach kurzer Krankheit gestorben. Er hat ein Alter von 55 Jahren erreicht. Der Tod hat ihn verhindert, unserer Glaubensgemeinschaft die schätzbaren Kräfte zu widmen, die er bisher in seinem Beruf und im Dienst seiner Berussgenossen ehrenvoll verwendet hat. Rummelsburg in Pommern, 1. Juni. (Die antisemitischen Unruhen.) Schon vor Peßach war die' Bevölkerung, aufgeregt durch die antisemitischen Hetzereien aus Anlaß des Konitzer Mordes, gegen die Juden vorgegangen. Man schrie: Hep hep! Juden raus! und zerschlug einigen jüdischen Kaufleuten mehrere Fensterscheiben. Am Schluß des Peßachfestes wurden in einer Nacht fast sämtliche Scheiben an der Vorderseite der Synagoge eingeworfen. Man fand am folgenden Tag ganze Ziegelsteine und. fünf bis sechs Pfund schwere Feldsteine im Innern des Tempels. Selbst die Holzsprossen waren zerschlagen. An den Mittelfeiertagen waren in mehreren Nächten immer je fünf bis acht Scheiben zerschlagen worden. Dem Kaufmann Oppel hat man mindestens schon fünf Mal sämtliche Fenster zertrümmert. Mittwoch, den 23. Mai, abends nach 11 Uhr, und Donnerstag, den 24. Mai abends erreichten die schrecklichen Szenen ihren Höhepunkt. Etwa tausend johlende und gröhlende Menschen füllten den Marktplatz und pfundschwere Steine wurden gegen die Häuser der Juden geschleudert; sie durchschlugen die Fensterläden, zertrümmerten die Möbel in den Stuben. Zwei Polizisten, drei Gendarmen und drei Nachtwächter, d. i. die ganze bewaffnete Macht, hieben auf die Menge ein, konnten aber nicht verhindern, daß fast bei allen Glaubensgenossen die Fenster nebst den davor befindlichen starken Fensterläden zertrümmert wurden. Der Bürgermeister, ein ganz alter, jetzt überdies kranker Mann, konnte nichts thun. In diesen beiden Nächten wurden auch die Polizisten mit Steinen beworfen. Wie die Schreiber des Bürgermeisters erzählen, ist auch mit Revolvern in die nun offen stehenden Fenster am Markt zweimal geschossen worden. Am Freitag, den 25. Mai telegraphierte der hiesige Landrat, der früher verreist gewesen sein soll, um Hilfe. Es kamen etwa acht Gendarmen aus dem Kreis. Der Bürgelmeister ordnete die Schließung der Kneipen um 8 Uhr abends an, und seitdem herrscht äußerlich Ruhe. Im Innern aber gährt es weiter. Die Leute erklären offen, und selbst solche, die „friedlich" sein wollen, es werde noch wegen der Gen- ' darmerie wieder losgehen, und das noch schlimmer als zuvor. Auch mir macht es den Eindruck, als wenn man seines Lebens nicht sicher wäre. Es ist hier schlimmer als in Könitz. Dort ist am Beerdigungstag des Winter eine Fensterscheibe zerschlagen worden, und sofort war der Thäter verhaftet, während hier kein einziger der Missethäter gefaßt wird. Ob wir am Wochenfest unsere Andacht im Tempel werden abhalten können, weiß ich heute noch nicht. Schrimm, 3. Juni. (Vom Landarmenhaus.) Der Rabbiner der hiesigen Synagogengemeinde Herr Dr. S. Bamberger hat den Bericht über die rituelle Verpflegung der jüdischen Insassen des Landarmenhauses hier, in der Zeit vom 1. Mai 1899 bis zum 30. April 1900, erstattet. Es wurden 5Vs Monate je 4 Personen und 6V2 Monate je 3 Personen verpflegt. Die entstandenen Kosten betragen — einschließlich M. 9,03 für Porto und Drucksachen — M. 853,90, die Einnahmen aus Beiträgen der Provinz, einzelner Gemeinden und privater Spender M. 877,28, so daß ein Kassenbestand von M. 23,38 für das neue Jahr verbleibt. Bad Ems, 5. Juni. (Das L e h r e r i n n e n h e i m.) Für das Lehrerinnenheim hier ist das Haus „Burg Stein" angekauft worden. Dieses neben der königlichen Badeanstalt gelegene Haus hat 18 große, hohe Zimmer, einen schönen j Speisesaal, mehrere Balkons, 5 geräumige Mansardenzimmer und ist sofort zu beziehen. Die Anstalt ist für kurbedürftige Lehrerinnen, Erzieherinnen, Gesangsschülerinnen re. jeder Konfession und jeder Nation bestimmt. Die Lehrerinnen re. erhalten vollkommen freie ärztliche Behandlung und freie Wohnung, Bäder und Inhalationen. und zahlen nur, soweit sie auf Stipendien oder Freibetten keinen Anspruch haben — drei Mark