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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-05-04 · 18 (4.5.1900) · p. Seite 279

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
18 (4.5.1900)
Date
1900-05-04
Page
Seite 279 (sequence 11)
Language
German
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vir. 18 Israelitische Wochenschrift. Seite 279. voriger Nummer erläuternd mitgeteilt. Es liegt ein Antrag Blaschke-Löwe (radikal) vor, den Vorstand zu ersuchen, beim Provinzial-Schulkollegium vorstellig zu werden, daß an der Elisabethschule und eventuell an der Augustaschule jüdischer Religionsunterricht erteilt werde. Der Referent Professor Blaschke meint, es müsse dafür Sorge getragen werden, daß die Schüler und Schülerinnen verpflichtet werden, an dem in der Schule erteilten Religionsunterricht während der ganzen Schulzeit und nicht blos bis zur Grenze des schulpflichtigen Alters teilzunehmen. Die Gesamtzahl der schulpflichtigen Kinder an den höheren Lehranstalten sei gegen das Vorjahr etwas zurückgegangen. Der Prozentsatz der Schüler ohne Religionsunterricht dürfte wahrscheinlich noch mehr zurückgehen, sobald die Forderung zur Annahme gelangt sein werde, daß der Religionsunterricht bis in die obersten Klassen durchgeführt und nicht, wie es bisweilen geschehe, schon in Obertertia oder Untersekunda beendigt werde. In den genannten beiden königlichen Töchterschulen werde gar kein jüdischer Religionsunterricht erteilt, obwohl die Elisabethschule 07 jüdische Schülerinnen zähle. Bezüglich der Augustaschule lassen sich keine sicheren Angaben machen. Vom Gemeindevorstand müsse hier erst die Anzahl der jüdischen Schülerinnen ermittelt werden. Die Zahl der jüdischen Schüler an den städtischen Gemeindeschulen habe sich ein wenig gehoben. Der Grund, weshalb an den Privatknabenschulen die Zahl derer, die keinen Unterricht haben, gewachsen sei, liege in der Organisation dieser Schulen, in den großen pekuniären Schwierigkeiten, mit denen die Leiter zu kämpfen hätten. Ein fernerer Grund liege darin, daß eine große Zahl dieser Schulen nur die Vorschule für die höheren Lehranstalten darstellen und hier leider die Meinung nur allzusehr verbreitet sei, daß die Teilnahme am christlichen Religionsunterricht in den untersten Klassen nicht bedenklich sei, weil in diesen Klassen nur biblische Geschichten aus dem Alten Testament erzählt würden. Ein Zufall sei es, daß in der Heßlingschen Schule, in der kein Unterschied aus konfessionellen Rücksichten gemacht werde, die Zahl der jüdischen Mädchen, die am christlichen Religionsunterricht teilnehmen, so groß sei. Von Ostern d. I. sei auch an dieser Schule jüdischer Religionsunterricht eingeführt. — Herr Benas Levy (0) regt an, an die Eltern eine kurze Broschüre zu senden, in der auf die Wichtigkeit der Teilnahme der jüdischen Kinder am jüdischen Religionsunterricht hingewiesen werden möge. — Syndikus Dr. Minden (Reformer) ist der Ansicht, daß man mit dem Gesamtresultat recht zufrieden sein könne, daß aber das, was noch zu thun sei, Raum genug für die Thätigkeit der Gemeinde lasse. Die Sachlage lasse erkennen, daß der schwächste Punkt der Entwicklung in den Privattöchterschulen, namentlich denen des Westens liege. Als erfreuliche Nachricht teile er mit, daß die Schulvorsteherin im Nordwesten, Fräulein Dietrich, sich an den Gemeindevorstand um Zuweisung einer Lehrerin zur Erteilung des jüdischen Religionsunterrichts gewendet habe. — Herr Löwenthal (liberal) schließt aus dem Rückgang der Gesamtzahl der jüdischen Kinder, daß viele Eltern in feiger Fahnenflucht ihre Kinder einem anderen Glauben zugeführt haben; er fragt, ob es möglich sei, zu erfahren, wie viele christliche Kinder, die getauft seien, jüdische Eltern haben. — Der Referent hält die Beantwortung dieser Frage für unmöglich, da die Schule kein Recht habe, nach der Konfession der Eltern zu forschen. Er rügt ferner die unzweckmäßige Erteilung des jüdischen Religionsunterrichts am kgl. Friedrich- Wilhelms-Gymnasium und bittet den Gemeindevorstand, der zu einem erheblichen Teil die Kosten des Unterrichts an den staatlichen höheren Lehranstalten trage, um Abstellung. — Stadtrat Dr. Weigert (Reformer) klagt darüber, daß der Besuch der städtischen höheren Lehranstalten nicht in dem Maß zugenommen habe, wie es der Bevölkerungszahl entsprechen sollte. Es spreche jedoch hier wohl mit, daß das Schulgeld vor einigen Jahren erhöht worden sei. Die Bemerkung des Herrn Löwenthal sei sehr richtig. Er habe zu seinem Erstaunen die Verminderung der Zahl der jüdischen Abiturienten bemerkt; ein sehr großer Teil der Zöglinge, die getauft seien, trage jüdische Namen. — Hiermit schließt die Debatte, der Antrag Löwe-Blaschke wird angenommen. — Der Bericht über die Revision der Kasse des Krankenhauses wird in die geheime Sitzung verlegt; die Kasse der Altersversorgungsanstalt wird dechargiert. — Für Reparaturen an dem Vorderhause des Grundstücks Lindenstraße 48-50 werden 1300 Mk. debattelos bewilligt. Damit schließt die öffentliche Sitzung, der eine belanglose geheime folgte. Berlin, 29. April. (Lehrlingsheim Pankow.) Der Verein Lehrlingsheim Pankow hat heute seine allgemeine Mitgliederversammlung gehabt. Herr Kommerzienrat I. Löwe als Vorsitzender des Vorstands verwies auf den gedruckt vorliegenden Bericht, der die Zahl der im Heim versorgten Lehrlinge auf 34 angiebt, während für 60 ausreichender Raum vorhanden ist. Die Versammlung billigte schweigend den Bericht, erteilte dem Schatzmeister Herrn Julius Bodenstein Decharge, wählte die früheren Revisoren wieder und genehmigte den Voranschlag für das laufende Jahr, der bei einem Bestand von 35—40 Zöglingen Ausgaben in Höhe von Mk. 22 000 Vorsicht. Berlin, 30. April. (Vorbereitung für Religio n s l e h r e r.) Die Interessenten werden darauf hingewiesen, daß die Vorlesungen für die akademisch gebildeten jüdischen Lehrer, die sich für Erteilung des israelitischen Religionsunterrichtes vorbereiten wollen, für das Sommer- Semester 1900 in der „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums", hier SW., Lindenstraße 48 50, begonnen haben und unentgeltlich besucht werden können. Meldungen sind an den derzeitigen Vorsitzenden des Dozentenkollegiums, Herrn Dr. BanLth, Berlin 0., Wallner-Theaterstr. 21, pt. (Sprechstunde 2—3) zu richten. Berlin, 1. Mai. (Die Kaiserin in der Mosseschen Erziehungsanstalt.) Die Kaiserin Auguste Viktoria besuchte gestern Vormittag in Begleitung ihrer Hofdame, Gräfin zu Stolberg, des Oberhofmeisters Freiherrn von Mirbach und des Kammerherrn Grafen Keller die Rudolf Mossesche Erziehungsanstalt in Wilmersdorf und wurde dort von dem Stifter und dessen Gattin empfangen. Die Besichtigung währte dreiviertel Stundenlund erstreckte sich auf alle Teile der Anstalt. Vom Festsaal aus, in dem sich sämtliche 100 Zöglinge mit ihren Lehrern und Lehrerinnen versammelt hatten, begann der Rundgang, bei dem sich die Kaiserin alle

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