Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-04-20 · 16 (20.4.1900) · p. Seite 246

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
16 (20.4.1900)
Date
1900-04-20
Page
Seite 246 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/5369809-9607691-9607256-9607373--7738-9607383
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 246. Israelitische Wochenschrift. Nr. 16. ob wir überhaupt das Recht haben, uns als Juden zusammenzuschließen, ob wir nicht durch eine solche Absonderung die politische und gesellschaftliche Stellung gefährden, die unsere Väter mit so schweren Opfern erkämpft haben. Die Antwort ist leicht gegeben. Die Ideale werden von uns nicht gestürzt,sondern gestützt; denn wer nicht jetner Gemeinschaft liebend zu helfen weiß, wie sollte der die ganze Menschheit umfassen können? Wenn wir unseres Stammes gedenken, werden wir auch der Menschheit nicht vergessen. — Abgesondert aber haben wir uns nicht, sondern wir sind abgesondert worden. Wir haben unter solchen Umständen nur zu wählen, ob wir als demütige Bettler um Gnade flehen oder als charaktervolle Männer, bewußt, nicht einem glücklichen Einsall gehorchend, für uns bleiben wollen. Wenn man in einer Gesellschaft mit Verachtung behandelt wird, so macht man seine Stellung wahrlich nicht dadurch besser, daß man der Gesellschaft nicht vom Halse geht, sondern viel eher dadurch, daß man ihr ganz fern bleibt. Auf jeden Fall arbeiten wir uns aus der Stellung des Paria, der sein Geschick als ein ihm gebührendes ruhig hinnimmt, heraus und rücken in die Kategorie des beachtenswerten Gegners, den man grüßt, .bevor man ihn bekämpft, mit dem man aber am liebsten in Frieden lebt. Wie sollen andere uns achten, wenn wir als Juden uns selbst nicht achten! Wenn z. B. die sogenannten wissenschaftlichen Vereine und die paritätischen Verbindungen, obwohl sie nur oder fast nur aus Juden bestehen, es heute noch immer nicht an der Zeit halten, sich als Juden zu bekennen, sondern demütig lauern, bis sie den bekannten „Renommierchristen" auftreiben, um durch diesen sich selbst zu heben, jo finden wir solches Gebühren eines sich selbst achtenden Menschen nicht würdig. Unser Ehrgefühl bäumt sich dagegen auf, wir bekämpfen diesen sittlichen Verfall. Weil wir uns selbst achten, verlangen wir auch, daß andere uns achten. Nicht blos eine Reaktion auf schnöde Abweisung, die uns widerfahren ist, sondern mehr als dies: in erster Linie auch eine Aktion, eine mutige That gegen den immer mehr um sich greifenden Jndifferentismus bedeutet die Begründung unserer Vereine. Heute setzen die meisten jüdischen Akademiker eine Ehre darein, sich um jüdische Angelegenheiten überhaupt nicht zu kümmern, sie halten es für „vornehm", von jüdischen Angelegenheiten sich fern zu halten. Wir wollen sie daran gemahnen, daß in unserem Jahrhundert so manches Volk durch seine Jugend, namentlich durch die studentische Jugend, befreit worden ist. Daran sollen die jüdischen Studenten denken, ihre Pflicht gegen ihre Gemeinschaft nicht vergessen. Dazu wollen wir sie erziehen. Unsere große Geschichte, die uns Juden leider unbekannt ist, wollen wir in uns wieder lebendig werden lassen. Aus ihr wollen wir unsere besten Waffen holen: Entschlossenheit und Zuversicht und den freien Zukunftsbltck. Durch Turnen und körperliche Uebungen wollen wir auch den Leib stärken und stählen. Interesse wollen wir frühzeitig wecken für alle Fragen des jüdischen Lebens. Daran denkt, jüdische Väter, die Ihr ein Interesse daran habt, daß Eure Söhne Juden bleiben, daran denkt, jüdische Kommilitonen, die Ihr die Ehre und die Freiheit Eures Volkes liebt. Nicht für einseitige oder Partetinteressen kämpfen wir. Für jüdische Ehre und Freiheit gilt's. Kämpfet mit uns für unsere Ehre, für Eure Ehre!" Die Vereinigung Jüdischer Studierender zu Berlin I. A.: Zwirn, cand. med. Berlin, N. Elsasserstraße 66, n. Die Vereinigung Jüdischer Studierender zu Leipzig I. A.: Rosenblum, stud. art. Leipzig, Mittelstr. 30, I. Der Verein jüdischer Studenten zu Breslau I. A.: Dobrzynski, cand. iur. Breslau, Trinitasstr. 7, pt. Literarisches. Das Blut im Glaube« «ud Aberglauben der Menschheit. Von Hermann L. Strack. 12—17. Tausend. München, C. H. Becksche Verlagsbuchhandlung. Ein redlicher und kundiger Mann legt hier Zeugnis ab und hat für dieses Zeugnis der Wahrheit von den Feinden der Wahrheit, den Antisemiten, manche Anfechtung erlitten. Es ist das Buch eines Gelehrten, der mit wissenschaftlicher Gründlichkeit sein Thema erschöpft. Daß Professor Strack noch immer hofft, durch Ueberführung die Gegner entwaffnen zu können, spricht für sein gutes Herz. Sein Werk aber sei namentlich den Juden empfohlen, damit sie erkennen, was und wie wider sie freventlich gelogen wird, und damit sie die Waffen der Widerlegung führen lernen. Das Stracksche Buch ist gut; daß es erscheinen mußte, ist traurig. Der Tractat Kathuboth. Unter steter Berücksichtigung der französischen Uebersetzung von Rabbinowicz ins Deutsche übertragen und kommentiert von Dr. M. Rawicz, Bezirksrabbiner in Offenburg (Baden). I. und II. Teil. Preis beider Bände: Mk. 8.— Verlag von I. Kauffmann in Frankfurt a. M. Dem vor zwei Jahren erschienenen ersten Teil ist jetzt der zweite, abschließende gefolgt. Es ist keine dankbare, aber eine überaus dankenswerte Arbeit. Es wäre besser, sie wäre nicht nötig; doch da ste nötig geworden, ist sie ungemein verdienstlich. Wir können leider solcher Arbeiten viele brauchen. Maphseach likboa Ittim. Von S. Cohen, Lehrer. Verlag von I. Kauffmann in Frankfurt a. M. Preis: Mk. 1,50. Das Büchelchen enthält auf vier Bogen einen Schlüffe! zur sofortigen Umwandlung jedes bürgerlichen Datums in das entsprechende jüdische und umgekehrt, ohne daß der Nachschlagende eine Berechnung zu machen nötig hätte, sowie zur Bestimmung des Wochentages eines jeden Datums für die Jahre 1950—2000. Es ist bei Datenberechnungen für Rabbiner, Lehrer, Kultus- und Gemrindebeamten, Juristen und Geschäftsleute nützlich und bildet einen zuverlässigen Führer. Mitteilungen der Gesellschaft für jüdische Volkskunde. Herausgegeben von M. G r u n w a l d. Selbstverlag der Gesellschaft in Hamburg. Bisher hat der Herausgeber es ausgezeichnet verstanden, in jedem folgenden Heft das vorige zu überbieten, sei es durch Erhöhung des stofflichen Interesses, sei es durch geschickte Ab-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.