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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-04-13 · 15 (13.4.1900) · p. Seite 233

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
15 (13.4.1900)
Date
1900-04-13
Page
Seite 233 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 15. Israelitische Wochenschrift. Seite 233. dem Darlehns-Fonds der jüdischen Armenkommission in London vermacht hat. Manchester, 8. April. (Tod des Rabbiners L. M. S i m m o n s.) Am Donnerstag ist nach dreitägigem Krankenlager der Rabbiner unserer Reform-Synagoge, Lawrence Ai. Simmons, an Lungenentzündung gestorben. Der Verstorbene war einer der eifrigsten, gelehrtesten und selbstlosesten Rabbiner Englands. Er hat in London das Gymnasium besucht; als er sich für die rabbinische Laufbahn entschied, ging er nach dem Kontinent, um das Breslauer Rabbinerseminar zu absolvieren. Rabbiner Simmons war hier von den Juden aller Richtungen gleich geehrt und geliebt; die orthodoxesten Mitglieder der anderen Gemeinden besuchten von Zeit zu Zeit die Reformsynagoge, um dem Rabbiner einen Beweis von Verehrung und Anerkennung zu geben. Der seinen Freunden und seinem Wirkungskreis zu früh Entrissene hat an allen jüdischen Wohlfahrtsanstalten mitgearbeitet uud ist jederzeit auch im Einzelnen zum Beistand seiner bedrängten Glaubensgenossen bereit gewesen. Petersburg, 8. April. (Hungersnot in Bessarabien. — Auswanderung. — Ueberschwemm u n g s n v t st a n d.) Die Regierungsberichte über die Hungersnot in Bessarabien erwähnen kein Wort von den notleidenden Juden. Von den 400 000 Rubel, die die Regierung zu sofortiger Hilfsleistung an die Lokalbehörden geschickt hat, ist nicht ein Heller an die jüdische Bevölkerung gekommen. Vorläufig haben die armen Juden nur die unter ihren russischen Glaubensgenossen gesammelten Spenden zur Unterstützung erhalten, und das reicht nicht weit. — Die Auswanderung nimmt immer mehr zu. Aus der Stadt Zaslavl allein sind seit dem Jahr 1892 5000 jüdische Familien nach Amerika ausgewandert. — In Elisabethgrad haben die Juden unter den Folgen der Ueberschwemmungen schwer zu leiden. Von dem auf 240 000 Rubel taxierten Schaden haben die Juden 145 000 Rubel zu tragen. Dreihundert Familien sind an den Bettelstab gebracht. Ein schnell gebildetes Hilfskomitee hat bisher nur 1086 Rubel zusammenbekommen; eine Eingabe an die Regierung um 10 000 Rubel Beihilfe, die aus dem Ergebnis der jüdischen Fleischtaxe gegeben werden sollen, ist noch ohne Bescheid geblieben. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. In Wien starb vor einigen Tagen der berühmte jüdische Universitätsprofessor Dr. Joseph Grüber im Alter von 72 Jahren. Professor Grüber war am Kaiserlichen Krankenhaus Spezialist für Ohrenheilkunde und zur Anerkennung für seine Verdienste um die leidende Menschheit wiederholt mit österreichischen und ausländischen hohen Orden ausgezeichnet worden. — In Zenta in Ungarn ist Rabbiner Salomon Klein gestorben. Er hat ein Alter von 78 Jahren erreicht und ist beinahe 60 Jahre Rabbiner in Zenta gewesen. — Die Familie des verstorbenen italienischen Senators Artom hat zum Andenken an den Verstorbenen dem Bürgermeister seiner Vaterstadt Asti 60 000^Lire zur Begründung einer Provinzial- Heilstätte für Lungenkranke übermittelt. — Ende März ist Professor Henry Kohn von der Northwestern Universität in Evanston (Illinois) gestorben. Geboren 1847 in Breslau, kam er bereits als Kind in die neue Welt, graduirte 1870 an der Columbia in New-York und vollendete seine Studien an der Berliner Universität, deren eifriger Zuhörer er bis 1874 war. Nach Amerika zurückgekehrt, wirkte er mehrere Jahre als Lehrer und übernahm anfangs der achtziger Jahre die Leitung der deutschen Studien an der Sommeruniversität Chautauqua, einer eigenartigen Karawanserei des Wissens, die während der Sommerferien in einem kleinen Städtchen New-Uorks nahe der pennsylvanischen Grenze aus Lernbegierigen jeden Alters und Geschlechts gebildet wird. Im Jahr 1893 wurde er an seinen jetzigen Posten berufen, wo er sich besonders durch die Organisation des größten deutschen Vereins, der bisher unter amerikanischen Studenten und Studentinnen zu Stande kam, ein unvergängliches Rumesdenkmal gesetzt hat, ohne dabei die Thätigkeit in Chautauqua aufzugeben. Offenbar ist er denn auch ein Opfer seines rastlosen Uebereifers für die Ausbreitung deutscher Sprache und Literatur geworden. Dabei lag ihm jeder Erwerbssinn fern, weshalb ihn auch der Nachruf der „Jllinois-Staats-Zeitung" mit Baruch Spinoza vergleicht, der mit freudigem Verzicht auf die Schätze der Welt ganz in seiner höheren Gedankenwelt aufging. Vakanzen. Sohrau, O.-Schl. Rel.-L., Vorb., Sch., 1800 M Eink. Meld. an Vorst. — Laurahütte, O.-Schl. Vorb. und Sch. 12—1600 M. Geh. Meld. an Vorst. - Liegnitz. Rel.-L., 2. K/ und Sch., 3000 M. Eink. Meld. an Heinrich Cohn. - Beesk ow. Rel.-L., Vorb., Sch., 900 M. Geh, 200 M. Nebeneink. Meld. an F. Beermann. — Osterode, Ostpr. Hilfsb., Vorb., Sch., Balk. Balt., 1000 M. Geh., 100 M. gar. Nebeneink. Meld. an Jacobs — Bornheim-Rhein bei Bonn. Sem. gebild. Rel.-L. und K., 1000 M. Geh. Meld. an C. Koppel. — Mur-Goslin. K. und Sch., 700 M. Geh., fr. W., 400 M. Nebeneink. Meld. an Vorst. — Meudt, Nassau. Sem. geb. Rel.-L., Vorb., Sch. 700 M. Geh., 2—300 M. Nebeneink. Meld. an Hermann Stern. — Steinau a. O. Rel.-L., K., Sch., 700 M, Geh., fr. W., 400 M. Nebeneink. Meld. an Vorst. —Landeck, Westpr. Sem. geb. Rel.-L., K, Sch., 1150 bis 1350 M. Geh. Meld. an Zander Rieß. — Neuenburg, Westpr Kultusb., Vorb., Sch., 1800 M. Geh. Meld. an Vorst. Feuilleton. Der Mlii mm jiegmh. Historische Erzählung aus der Hussitenzeit Bon Dr. A. Sammler. (Absetzung.) Rasch erhob sich der Rabbi. Er legte sein Feiertagskleid an und eilte in die Synagoge, die er als erster betrat. In heißem Gebete flehte er zu seinem Gotte, um Stärkung und Kraft zu finden zu dem schweren Gang, den er noch heute antreten wollte. Er betete um die Errettung der Gefährdeten, um das Gelingen seines Vorhabens, und die Thränen rannen unaufhaltsam über seine Wangen. Bald betraten noch andere Mitglieder der Gemeinde die Synagoge, und der Morgengottesdienst begann. Wohl noch nie hatte der Rabbi so andachtsvoll, so inbrünstig gebetet, wie in dieser Stunde. Als das Gebet beendet war, eilte er nach seinem Hause, wo er die Gattin von dem Geschehenen in Kenntnis setzte, ihr seinen Entschluß mitteilte, zum Herzog zu gehen, und ihr den neuen Gast vorstellte. Dann hatte er sich in sein Studierzimmer begeben, das er mit langen Schritten durchmaß. Noch einmal wollte er seinen gewichtigen Entschluß

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