Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 15 (13.4.1900)
- Date
- 1900-04-13
- Page
- Seite 232 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 232 Israelitische Wochenschrift. Nr. 15. Breslau, 8. April. (R e l i g i o n s s ch u l b e r i ch t.) Herr Rabbiner Dr. I. Guttmann hat den 57. Jahresbericht der II. Gemeinde-Religions-Unterrichts-Anstalt erstattet. Die Anstalt, der große Sorgfalt zugewendet wird, hat im vorigen Jahr 506 Zöglinge gehabt, 318 Knaben und 188 Mädchen. Die Michaelis 1898 neubegründete, gleichfalls der .Leitung des Herrn Dr. Guttmann unterstehende Religionsschule III zählt 30 Schüler und 20 Schülerinnen und ist mit einer dritten Klasse versehen worden. Die Hauptanstalt zählt 8 Knaben-, 6 Mädchenklassen und 1 Klasse für Knaben und Mädchen. — Zu gleicher Zeit hat Herr Rabbiner Dr. Rosenthal den 50. Jahresbericht der Religions-Unterrichts-Anstalt I der Synagogengemeinde über das Schuljahr 1899/1900 erstattet. Auch in dieser Anstalt ist die Zahl der Zöglinge erfreulich (um 50) gewachsen. Am 15. März besuchten 231 Knaben und 145 Mädchen die Anstalt in 6 Knaben- und 5 Mädchenklassen. In der obersten Knabenklasse unterrichtet der Ordinarius Dr. Doctor in Raschi, der Rabbiner Dr. Rosenthal in Mischna. Stettin, 8. April. (Jubiläum.) Am vorigen Sonntag feierte Kollege Oscherowitz in Swinemünde sein 25 jähriges Amtsjubiläum. Die Gemeinde nahm gern Veranlassung, diesen Tag zu einem festlichen zu gestalten. Herr Oscherowitz, der früh und spät unverdrossen seines Amtes gewaltet, der sich stets als zuvorkommender, pflichttreuer Beamter bewährt hat, erfreut sich nicht nur bei seinen Gemeindemitgliedern, sondern auch bei den anderen Bürgern der Stadt großer Liebe. Was Wunder, daß Alle wetteiferten, ihm den Tribut der Anerkennung zu zollen. Um 11 Vs Uhr erschienen die früheren wie die gegenwärtigen Schüler und Schülerinnen, geleitet von Herrn Gustav Kantorowitz, der eine von Herzen kommende und zu Herzen gehende Ansprache hielt und einen mit prachtvoller Tresse überreichte. Um 12 Uhr erschien der Vorstand, hielt ebenfalls eine herzliche, eindrucksvolle Ansprache, überreichte ein Geldgeschenk und machte Herrn Oscherowitz die Mitteilung, daß eine wesentliche Gehaltsaufbesserung für ihn beschlossen sei. Nach diesen offiziellen Beglückwünschungen begann eine wahre Völkerwanderung, und von nah und fern trafen eine Menge von Gratulationen und Blumenspenden ein. Leider fielen auch bittere Wermutstropfen in den Freudenbecher dieses Tages. Kurz vorher haben die Eltern zwei hoffnungsvolle Söhne durch den Tod verloren, deren Aelterer Prokurist im Bankgeschäft Gebr. Jacoby in Swinemünde und eine Stütze der Eltern gewesen. Dieser Tag des Jubiläums war nach so harten Schicksalsschlägen wieder ein Lichtblick am Himmel ihres Lebens, der sich nie wieder trüben möge. I. Sarasohn. Frankfurt a. M., 10. April. (Plötzlicher Tod.) Rabbiner Moses Berkermann ist im Alter von 56 Jahren plötzlich gestorben. Er hatte hier eine eigene, ziemlich gut besuchte Synagoge^ und war ein bedeutender Talmudgelehrter. Viele deutsche Rabbiner sind seine Schüler gewesen. Essen, 9. April. (Lehrerverein für Rheinland und Westfalen.) Der Jahresbericht 1899 der Unterstützungskaffe des Vereins israelitischer Elementarlehrer für Rheinland und Westfalen ist von besonderem Interesse, weil er eine ganze Geschichte des Vereins in Zahlen giebt. Der Verein, der 107 Mitglieder umfaßt, besteht seit Oktober 1862, gewährt seit 1872 Unterstützungen; im Jahr 1899 betrugen diese 7661 Mark gegen 8612,80 Mark im Vorjahr. Durch die Verbindung mit dem früheren westdeutschen Verein ist die Zahl der Mitglieder auf 178 gestiegen. Das Vermögen des Vereins ist 107 655,75 Mark. Zu den verdientesten Förderern des Vereins gehört in erster Reihe Herr Rabbiner Dr. Frank in Köln. Geschäftsleiter des Vereins ist Herr Graf in Essen. Die nächste Jahresversammlung findet am 5. und 6. Juni statt. Jever in Oldenburg, 8. April. (Jubiläum.) Herr Lehrer Löwenstein feiert am 29. April das Fest seiner 25 jährigen Wirksamkeit in hiesiger Gemeinde. Mülhausen i. E., 7. April. (Israelitische Gewerbeschule.) Der soeben erschienene Jahresbericht für 1899 der hiesigen israelitischen Gewerbeschule des Ober-Elsaß nennt das vergangene Jahr ein besonders glückliches. Das Institut zählte 43 Schüler in 17 Berufen. Von ihnen konnten 14 zur Selbständigkeit entlassen werden. Ihre Plätze in der Anstalt sind bereits wieder besetzt. Die Zöglinge alle haben durch ihr Verhalten Lob verdient. Die Einnahmen des Instituts betrugen im Berichtsjahr M. 19 102.60, die Ausgaben M. 14 844.36. Auf jeden Zögling entfallen M. 1.01 Tagesaufwand für Kost, Kleidung, Unterricht u. s. w. Die Stadt Mülhausen steuert jährlich 4000 M. bei, auch die Gemeinden des Elsaß leisten Beiträge. Die blühende Anstalt steht unter der Leitung des Herrn Direktors M. Boch. Bielitz, 6. April. (Tod von S. I. H a l b e r st a m.) Der bekannte Hebraist S. I. Halberstam ist vor einigen Tagen hier im Alter von 68 Jahren gestorben. Schon in jungen Jahren hat er sich durch seine umfassende Gelehrsamkeit, besonders in den biblischen Schriften, große Anerkennung erworben, und die hervorragendsten jüdischen Gelehrten jener Zeit, wie Zunz, Sachs, Steinschneider, Grätz, Geiger, Frankl, Rappaport, standen in wissenschaftlichem Briefwechsel mit ihm. Halberstam hat sich ein großes Verdienst durch die Wiederbelebung der neu-hebräischen Literatur erworben und war ein tiefer Kenner der religiösen Literatur des Judentums. Er besaß eine große Bibliothek mit seltenen nnd nur einmal vorhandenen Werken und viele kostbare Manuskripte, die durch Vermittelung von Rabbiner Dr. Gaster der Montefiore- Bibliothek überwiesen werden. Der Verstorbene war ein vertrauter Freund des Professor David Kaufmann, dem er so bald in den Tod gefolgt ist. Paris, 8. April. (Vermächtnis.) Baronin Adolph von Rothschild hat dem Louvre die wertvollen Kunstgegenstände übermittelt, die ihr verstorbener Gemahl diesem Museum vermacht hat. Die zumeist aus alter Goldschmiedearbeit und Porzellan bestehenden Kunstsachen haben einen Wert von über 5 Millionen Francs. Zur Einrichtung des Raumes im Louvre, der diese Sammlung aufzunehmen bestimmt ist, und zu ihrer Konservierung sind außerdem von Baron Adolph von Rothschild 300 000 Francs ausgesetzt worden. London, 9. April. (Legat.) Vor einigen Tagen ist der Armenkommission der jüdischen Gemeinde von den Testamentsvollstreckern der Baronin Hirsch eine Anweisung über 2 302 500 Francs zugegangen, die die verstorbene Baronin