Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 15 (13.4.1900)
- Date
- 1900-04-13
- Page
- Seite 231 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr 15 Israelitische Wochenschrift. Seite 231. Berlin, 8. April. (Einführung des Rabbiners D r. E s ch e l b a ch e r.) Am Freitag Abend hat in der Alten Synagoge die feierliche Amtseinführung des Herrn Rabbiners Dr. Eschelbacher stattgefunden. Vorstand und Repräsentanz hatten die vorderen Bänke besetzt, das Gotteshaus war dicht gefüllt. Zur festgesetzten Zeit trat Herr Dr. Eschelbacher, von seinen vier Amtsgenossen umgeben, von dem Amtszimmer aus in den heiligen Raum. Der Vorsitzende des Vorstands, Herr Justizrat Mayer, ging ihm mit einigen Mitgliedern der Gemeindebehörden entgegen und richtete an ihn eine Ansprache, in der er versicherte, daß die Berliner Gemeinde nicht eine einzige jüdische Institution habe verkümmern lassen, daß insonderheit die Beaufsichtigung der Schechitah hier unbedingt einwandfrei und tadellos gewesen, daß die Berliner Gemeinde bei aller Neigung zur Kritik dankbar sei und gute Kanzelreden zu würdigen wisse, daß man dem neuen Rabbiner, der sich in seinerfrüheren Stellung als Mann des Friedens bewährt habe, mit zuversichtlichem Vertrauen entgegenkomme und darauf rechne, er werde im Verein mit seinen Amtsbrüdern im Geist des Friedens auch hier wirken. Herr Rabbiner Dr. Eschelbacher erwiderte, daß er in seinem seitherigen vergleichsweise engeren Wirkungskreis Gelegenheit gehabt habe, auf Einzelnes und Einzelne mit Sorgfalt zu achten, und daß er trachten wolle, auch hier, nicht blos von der Kanzel aus, seelsorgerisch sich zu betätigen. Den Frieden zu fördern, sei sein einziger Wunsch, auch da, wo Meinungsverschiedenheit notwendig zum Ausdruck käme. Zur Erreichung dieses Zieles erbitte er Gottes Segen. Berlin, 8. April. (Kr ankenpflegerinne n-Vere i n.) In der heutigen Generalversammlung des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen wurde der frühere Vorstand wiedergewählt bezw. durch die Wahl der Herren Rechtsanwalt Dr. Gerson und Deutsch ergänzt. Herr Louis Sachs erstattete Namens des Vorstands den Bericht, der nur Erfreuliches zu melden hatte. Der Verein hat in ungewöhnlichem Maß Anklang und Anerkennung gefunden, seine Einrichtungen sind in ganz Deutschland und darüber hinaus vorbildlich geworden. An der Spitze des Vereins stehen seine Organisatoren: Frau Julie Gerson-Liebermann und Herr Louis Sachs, Schriftführer sind Herr Prof. M. Mendelsohn und Frau Dr. Frankl, Schatzmeister die Herren Metzenberg und Witkowski, Beisitzer Herr Hugo Deutsch, Herr Rechtsanwalt Dr. Gerson, Frau Hermine Rathenau, Herr Geheimrat Senator, Frau Mathilde Weigert. Berlin, 10. April. (LehranstaltfürdieWifsenschaft des Judentums in Berlin.) Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin (Lindenstraße 48/50) sendet uns nachstehendes Verzeichnis der im Sommer-Semester 1900 zu haltenden Vorlesungen: Herr Dr. Baueth wird lesen: 1) Talm. stat.: (Jeruschalmi und Babli) P’sachim Kap. II (Fortsetzung), 4 Stunden, Montags und Donnerstags 8 bis 10 Uhr. 2) Talmud Babli stat. Hullin Kap. VII (Fortsetzung), 3 Stunden, Montags, Dienstags und Donnerstags, 12 bis 1 Uhr. 3) Talmud Babli cursorisch: Baba Meeha, Kap. V (Fortsetzung), 4 Stunden, Sonntags und Mittwochs 8—10 Uhr. 4) Jore De’a (Tur und Schulchan ’Aruch LI —LV) zwei Stunden, Montags und Donnerstags 10—11 Uhr. 5) Eben ha-’ezer Hil. Gittin (Fortsetzung), 1 Stunde, Donnerstag 11-12 Uhr. 6) Mischne Tora, III. Buch (Fortsetzung), 1 Stunde, Freitag 12—1 Uhr. 7) Einleitung in den Talmud, 1 Stunde, Montags 11—12 Uhr. Herr Dr. M a y b a u m wird lesen: 1) Homiletik, 1 Stunde, Dienstags 8—9 Uhr. 2) Homiletische Uebungen, 2 Stunden, Freitags 8—10 Uhr. Herr Dr. Schreiner wird lesen: 1) Alte Pentateuchkommentare, 2 Stunden, Sonntags 10 bis 12 Uhr. 2) Erklärung des Buches Hiob, 2 Stunden, Dienstags und Freitags 10—11 Uhr. 3) Erklärung des More Nebuchim des Maimonides II. Teil, 2 Stunden, Mittwochs 11—1 Uhr. 4) Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie, 1 Stunde, Dienstags 9—10 Uhr. 5) Geschichte der Juden, 2 Stunden, Sonntags 12—1 und Mittwochs 10—11 Uhr. 6) Hebräische Stilübungen, 1 Stunde, Freitags 11—12 Uhr. Die Eröffnung des Sommer-Semesters findet am 25. April um 11 Uhr Vormittags statt. Alle Vorlesungen an der Anstalt sind unentgeltlich. Als Zuhörer für die Vorlesungen sind in erster Linie die rite immatrikulierten Studierenden der hiesigen Universität — ohne Unterschied der Fakultät — in Aussicht genommen. Auch andere Personen können auf Grund besonderer Ermächtigung an den Vorlesungen teilnehmen. Die Anmeldung erfolgt bei dem zeitigen Vorsitzenden des Lehrer- Kollegiums, Herrn Dr. Baneth, in dessen Wohnung, Wallner- Theaterstr. 21, täglich (mit Ausnahme der Sabbate und jüdischen Festtage) von 1—2 Uhr. Gleichzeitig erhalten wir nachstehendes Verzeichnis der Vorlesungen für Lehramtskandidaten und Lehrerinnen im Sommer-Semester 1901: Herr Dr. Baneth wird lesen: 1) Die Festgebete, 1 Stunde, Montags 3—4 Uhr. 2) Ausgewählte Stücke aus den Propheten, 2 Stunden, Dienstag 2-4 Uhr. Herr Dr. M a y b a u m wird lesen: Geschichte des Gottesdienstes (Fortsetzung) u. hierauf Geschichte des jüdischen Erziehungswesens, 1 Stunde, Montags 4 bis 6 Uhr. Herr Dr. Schreiner wird lesen: Geschichte der Juden, 2 Stunden, Montags 5—6 und Dienstags 4-5 Uhr. Beginn der Vorlesungen Montag, den 30. April. Berlin, 8. April. (Gesellschaft jüdischer Handwerker und Künstler.) Wir haben jüngst von der Mitgliederversammlung der Gesellschaft jüdischer Handwerker und Künstler zur Unterstützung in Krankheitsfällen, sowie der Hilfsanstalt für Witwen und Waisen berichtet. Wir haben nachzutragen, daß es dem Vorsitzenden Herrn Herrmann Landsberger gelungen ist, durch seine geschickte und rührige Agitation 63 neue außerordentliche, 7 ordentliche und 8 immerwährende Mitglieder für die Hauptaustalt, 57 außerordentliche, 7 ordentliche und 6 immerwährende Mitglieder für die Hilfsanstalt zu gewinnen.