Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 15 (13.4.1900)
- Date
- 1900-04-13
- Page
- Seite 230 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 230. Israelitische Wochenschrift. Nr. 15. ä. Berlin, 8. April. (Sitzung der Repräsentanten). Der Vorsitzende widmet dem verstorbenen Vorstandsmitglied Wilhelm Goldschmidt herzliche Worte ehrenden Gedenkens. Landgerichtsrat Löwe hat ein Bild des verstorbenen Justizrats Makower für den Sitzungssaal der Repräsentanten gestiftet. Die Versammlung nimmt zur Kenntnis-, daß der bisherige Vorsteher-Stellvertreter Heinrich Etsner in den Vorstand tzingerückt ist mit der Amtsdauer bis zum 3i. März 1903. Vom Provinzialschulkollegium sind, wie im Vorjahr, die Tabellen bezüglich der Teilnahme der jüdischen Schüler am jüdischen und am evangelischen (?) Religionsunterricht eingetroffen. Es wird beschlossen, die Tabellen vor der Beratung vervielfältigen zu lassen. Zur Kenntnisnahme gelangt ferner, daß der Minister des Innern das Ersuchen des Gemeindevorstands, eine Abschrift der gegen die Schenkung der Bamberger'schen Erben eingereichten Protesteingabe zu veranlassen, abgelehnt hat. Vom Ministerium der geistlichen re. Angelegenheiten, an das ein gleiches Ersuchen gerichtet worden ist, steht der Bescheid noch aus. — Zur Errichtung eines Zimmers von vier Betten hat Dr. Ludwig Landshoff dem Hospital 25000 Mark zugewendet. Die Spende wird angenommen. — Der Verlängerung des Mietsvertrages bezüglich des Saales des Berliner Handwerker-Vereins, des Beethoven-Saals der Philharmonie und der Hohenzotternsäle in der Bandelstraße zum Zweck gottesdienstlicher Veranstaltungen wird die Genehmigung erteilt. — An Subventionen an die verschiedenen Religionsvereine und drei andere Vereine wurden bewilligt: an Ahawas Torah 800 Mark, an den Religionsverein der Oranienburger Vorstadt 2200 Mark, an Ahawas Reim 3000 Mark, an Beth Zion 1000 Mark, an Ahawas Scholaum 1300 Mark, an den Religionsverein in' Steglitz 1000 Mark, an die Lipmann-Tauß Synagoge 1500 Mk., an den Fortbildungsverein Montefiore 300 Mark, an das jüdische Kinderheim 300 Mark, an den Volkskindergarten und Hort 300 Mark. Zu dieser Position ist eine Resolution Geiger-Blaschke eingegangen, an den Gemeindevorstand das Ersuchen zu richten, eine strengere Beaufsichtigung der subventionierten Synagogen und Religionsschulen stattfinden zu lassen. Prof. Geiger (radikal) begründet die Resolution und bringt wiederum die Anstellung eines Schulinspektors als dringend notwendig in Anregung. Der einmalige Besuch der Schulen, zumal wenn Schüler und Lehrer davon benachrichtigt würden, könne nicht als ausreichend erachtet werden. Der Dezernent im Gemeindevorstand, Rechtsanwalt Lilienthal, weist darauf hin, daß bereits im Vorjahr die Anstellung eines Schulinspektors prinzipiell beschlossen worden sei, und daß der Vorstand die Angelegenheit, die augenblicklich beim Schulvorstand ruhe,, mit größter Beschleunigung erledigen werde, um diesem langgehegten Wunsch zu entsprechen. — Hierauf wird der neugewählte Vorsteher-Stellvertreter Max Mecklenburg eingeführt. — Prof. Geiger (radikal) schlägt vor, bis zur endgiltigen Anstellung dcs Schulinspektors die neuen Mitglieder des Schulvorstands, die Herren Prof. Elias, Prof. Kalischer und Oberlehrer Dr. Schäfer, zu bitten, je eine Schule zur häufigeren Inspektion zu übernehmen. Der Dezernent erklärt namens des Vorstands die Bereitwilligkeit, der Anregung Folge zu geben. Prof. Blaschke (liberal) erklärt, daß die Angelegenheit jetzt der gemischten Deputation für den jüdischen Religionsunterricht Vorgelegen und dort zum Beschluß der Anstellung eines Schulinspektors geführt habe. Sache des Gemeindevorstehers werde es sein, den Wunsch nunmehr in die Dhat umzusetzen. — Herr Manheimer (liberal) regt an, vor der Wahl eines Schulinspektors eine einheitliche Organisation der verschiedenen Religionsvereine veranlassen zu wollen. — Die verschiedenen Positionen werden darauf ebenso wie die Resolution angenommen. — Herr Leonhard Sachs (kons.) giebt die Abrechnung der festgottesdienstlichen Veranstaltungen im Jahr 1899. Gegen den Voranschlag ist eine Minderausgabe von 8247,20 Mk. zu konstatieren. Die geforderte Decharge wird erteilt. — Im Ausschuß sind mehrere Anträge zur Ergänzung der Geschäftsordnung, die eine Bestimmung über das Petitionsrecht bisher vermissen ließ, beschlossen worden. Die Anträge lauten etwa folgendermaßen: 1. Zuschriften von Gemeindemitgliedern oder anderen Personen werden in der Sitzung vom Vorsitzenden der Repräsentanten nur kurz zur Kenntnisnahme mitgeteilt. 2. a Die eingehenden Petitionen sollen vom Vorsitzenden dem zuständigen Ausschuß überwiesen werden; b Petitionen, die einen Gegenstand der Tagesordnung betreffen, sind bei Beginn der Sitzung dem Vorsitzenden oder dem Berichterstatter mitzuteilen und gelten durch die Behandlung der Angelegenheit als erledigt. 3. Die Petitionen sollen dem Gemeindevorstand zur Berücksichtigung, zur Abhilfe oder zur Erwägung überwiesen werden. Ein vierter Punkt ist vom Ausschuß gestrichen worden, wird aber durch einen Antrag Minden-Löwe im Plenum wieder ausgenommen. Er lautet folgendermaßen: „4. Hat der Bittsteller die zuständige Verwaltungsstelle der Gemeinde noch nicht angerufen, so giebt ihm der Vorsitzende die Petition zurück, verweist ihn auf den Jnstanzenzug und setzt die Versammlung hiervon in Kenntnis." Die Kenntnisnahme der Versammlung wird von den Antragstellern als wünschenswert bezeichnet, weil die Versammlung dann selbständig den Gegenstand auf die nächste Tagesordnung setzen könne. Die vier Anträge werden einstimmig von dex Versammlung angenommen. Berlin, 8. April. (Der Bescheid des Ministers.) In einer früheren geheimen Sitzung der Repräsentantenversammlung war auf Antrag des Herrn Minden beschlossen worden, das königl. Polizeipräsidium bezw. den Minister des Innern um Mitteilung einer Abschrift der Eingabe anzugehen, die von Mitgliedern der Versammlung gegen die sogenannte Bambergerstiftung eingereicht worden. Von dem kgl. Polizeipräsidium kam die Mitteilung, daß die Eingabe sich nicht bei ihm befinde, von dem Ministerium des Innern kurz ablehnender Bescheid. In der heutigen Sitzung der Repräsentantenversammlung wurde hiervon Kenntnis gegeben. — Es ist erstaunlich, daß man sich diese Abweisung erst geholt hat, da man doch wissen konnte, daß die Erteilung der erbetenen Abschrift allem Herkommen zuwider ist. Berlin, 8. April. (Sanitätsrat Dr. Lewand owsky.) Der heute von den liberalen Repräsentanten zum stellvertretenden Vorsteher gewählte Sanitätsrat Dr. Hermann Lewandowsky ist ein Sohn des weiland Kantors in Halle a. Saale und ein Neffe des weiland Musikdirektors Lewandowsky 1 in Berlin.