Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 7 (16.2.1900)
- Date
- 1900-02-16
- Page
- Seite 107 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr 7. Israelitische Wochenschrift. Seite 107. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Der verstorbene Rentier Naumann Abraham in Berlin hat dem Magistrat zur Ueberweisung an die städtische Armenverwaltung ein Legat von 50O00 Mk. ausgesetzt, dessen Zinsen dazu verwendet werden, solche Zöglinge der Waisenverwaltung zu unterstützen, die einer höhereu Ausbildung in irgend einer Richtung würdig erscheinen, als sie die Waisenverwaltung aus ihren Mitteln zu gewähren vermag. — Eine durch ihre philanthropische Thätigkeit in weiten Kreisen bekannte Dame, Fräulein Franziska Lüpschütz in Berlin, ist in diesen Tagen einer Lungenentzündung erlegen. Sie war die Tochter des vor einer Reihe von Jahren verstorbenen, durch sein umfassendes menschenfreundliches Wirken bekannten Dr. Lüpschütz und hatte gleich ihrem Vater ihr Leben in den Dienst der Humanität gestellt. Besonders dem jüdischen Mädchenstift und anderen wohlthätigen Anstalten der jüdischen Gemeinde war ihre Thätigkeit gewidmet. Aber auch jeder Einzelne, der in Not und Bedrängnis sich an sie wandte, war ihres rastlosen Eifers zum Wohlthun sicher. Als Leiterin eines Kindergartens, dem sie seit langen Jahren Vorstand, hatte sich Fräulein Lüpschütz auch den Ruf einer guten Pädagogin erworben. — Die vortreffliche Gedächtnisrede, die Herr Rabbiner Dr. Seckel Bamberg er aus Schrimm bei der am 25. Marcheschwan veranstalteten Trauerseier um den verewigten Distriktsrabbiner Moses Löb Bamberger gehalten hat, ist bei M. Rosenbaum in Paks erschienen und von dort für 50 Pfg. zu bezieheu. Der Reinertrag ist für das neue Spital in Jerusalem bestimmt. — In Grenzhausen bei Koblenz fand in voriger Woche die feierliche Einweihung der neuen Synagoge statt. Ein stattlicher Festzug, an dem sich der Bürgermeister, der Landrat Dr. Schmidt aus Montabaur, das Lehrerkollegium, der Gemeindevorstand sowie zahlreiche Bürger beteiligten, begab sich von der alten Synagoge durch die reich beflaggten Feststraßen nach dem neuen Gotteshaus. Die Festrede hielt der Rabbiner Dr. Weingarten aus Ems. Abends fand unter großer Beteiligung der ganzen Einwohnerschaft ein Konzert statt, wobei von Rabbiner Dr. Weingarten das Kaiserhoch ausgebracht wurde. Die Geldmittel zu dem Neubau waren von Frau Jos. Ullmann aus Leipzig, die hier beerdigt ist, in ihrem Testament ausgesetzt worden. — Einer der Inhaber der bekannten Verlagsfirma Calman Levy in Paris, Paul Calman Levy, ist im Alter von 74 Jahren gestorben. — Stadtrat Jakob Fürst aus Budapest, ein wegen seiner Wohlthätigkeit und seines Gemeinsinnes hochgeachteter Kaufmann, ist, 64 Jahre alt, in Nizza gestorben. — Die Inhaber der Bankfirmen Rothschild in Paris und London haben zur Unterstützung der durch den Krieg brodlos gewordenen holländischen Diamantenarbeiter 10 000 Frcs. gespendet. — In Livorno ist, 77 Jahre alt, der bekannte Religionsphilosoph Rabbiner Elias Benamozegh verstorben. Ein früh entwickeltes Talent, schrieb er schon fünfzehnjährig wissenschaftliche Aufsätze. Die Zahl seiner Schriften ist bedeutend; wir erwähnen nur „Diou, „Israele et Humanite“, „Geschichte der Essäer", „Morale juive et morale chretienne“, „Le crime de la guerre denonce ä rhumanite“ u. a. Benamozegh schrieb mit derselben Gewandtheit französisch wie italienisch. Ein Freund Mazzinis, nahm er seinerzeit an der Freiheitsbewegung Jtatiens teil; er war überall hochangesehen und erhielt den Ehrennamen des „israelitischen Plato". — In München kam vor dem Schöffengericht die Beleidigungsklage des Rabbiners Dr. Goldberg von Polna gegen Redakteur Wenug vom antisemitischen „Deutschen Volksblatt" zur Verhandlung. Gegenstand der Klage war ein Artikel, in welchem dem Rabbiner nachgesagt wurde, er habe um den Mädchenmord gewußt und dazu Beihilfe geleistet und in Polna zeige alles mit Fingern auf ihn als einen der Mordgenossen. Wenug wandte seine gewohnte Verschleppungstaktik an; obgleich ihm schon einmal die Einwendungsfrist verlängert worden war, förderte er unter Anbietung ganz unbestimmter und vager Beweise Aussetzung der Verhandlung. Nach Ablehnung dieser Anträge unterließ Wenug jede Verteidigung und erklärte, sich dieselbe für die Berufungsinstanz vorzubehalten. Das Urteil lautete auf 14 Tage Gefängnis und Veröffentlichung des Tenors in den „Münchener Neuesten Nachr.", der Wiener „N. Fr. Presse" und dem „D. Volksblatt". Die Begründung verweist auf die zahlreichen Vorstrafen des Angeklagten, auf die außerordentliche Schwere des Vorwurfs, der das Vertrauen zu dem Rabbiner, der berufen sei, Sünde und Verbrechen in Leben und Lehre zu bekämpfen, völlig erschüttern konnte; zu Gunsten des Angeklagten spreche nur, daß er nicht selbst die Verdächtigung erfunden, sondern nur in Oesterreich verbreitete Vorwürfe vielleicht gutgläubig weiter verbreitet habe. Das schwere dem Rabbiner zugefügte Unrecht könne jedoch nur durch eine Freiheitsstrafe gesühnt werden. Vakanzen. Woischnik, O.-S. K. u. Sch., 750 M. Geh. fr. W., 250 Mk. Nebeneink. Meld. an Vorst. — Otterstadt bei Speyer (Rheinpfalz). Rel.-L, Vorb, Sch. (ledig), 450 M Eink, fr. W , Meld. an Abraham Weil. — Neustadt bei Pinne. K., Sch., Balk., Balt., Mohel, 1200 M. Geh., fr. W., 600 M. Nebeneink. Meld. an Vorst. — Kirdorf, Oberhessen. Rel.-L., K., Sch. (ledig) 7—800 M. Geh. Meld. an Vorst. — Altenschönbach, Bez.-Amt Gerolzhofen. Sem. geb. Rel.-L., Vorb., Sch., 1100 M. Eink., fr. W. Meld. an H. Frank. - Frey stad t, W.-Pr. Synag.-D., 450 M. Geh. Meld. an Sally Alexander. — Schöneck, Westpreußen. Rel.-L., Vorb., Sch. (auch dtsche. Vortr. zu halten befähigt), 16-1600 M. Geh., 150 M. Nebeneink. Meld. an Vorst. — Schwäbisch-Gemünd. Rel.-L, Vorb.. Sch., 1200 M. Eink. Meld. an H. Gutmann. — Beuel (gegenüber Bonn). L. u. K, 1000 M. Geh. Meld. an S. Behr in Schwarz-Rheindorf b. Beuel. — Schwiebus. Gepr. Rel -L., K., Sch., 1500 M. Geh. Meld. an S. Silberstein. — Zürich. Erster K. Meld. an Rechtsanw. Dr. jur. H. Guggenheim. — Krotoschin. Hilfssch. n. Synag-D., 1500 M. Eink. Meld. an Vorst. Feuilleton. Der linbtii von firgnib. Historische Erzählung aus der Hussitenzeit. Von Dr. A. Sammler. (Fortsetzung.) Ein Beifallsmurmeln ging durch die Versammlung; nur Einer erhob sich und wagte es, zu Gunsten der Angeklagten sein Wort einzulegen. Es war der greise Prior des Jnquisitionsgebäudes, der zwar kein Freund der Juden, aber ein gerechter Mann ist. Mit milden Worten gemahnte er den Herzog, daß die Schuld der Angeklagten noch nicht erwiesen sei, daß dieselben behaupten, die Anklage sei ein Werk persönlicher Rachsucht des Paters Ignatius, der einer Nichte des angeschuldigten Israels in sträflicher Leidenschaft nachgestellt habe. . Und schon hatte es den Anschein, als solle es dem Redenden gelingen, den Herzog znm Aufschub der Folterung zu bestimmen, als plötzlich ein Diener der Inquisition eintrat und mitteilte, es sei eben ein Reiter angekommen, der sofort vor den Herzog geführt werden wolle; er sei ein gewisser