Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 7 (16.2.1900)
- Date
- 1900-02-16
- Page
- Seite 106 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 106. Israelitische Wochenschrift. vir. 7. Stiftungen sind in Höhe von 4600 Mk. im vergangenen Jahr der Gemeinde zugewiesen worden. Lemberg, 11. Februar. (Hebräische Schule). Der Rechenschaftsbericht für das Jahr 1899 der hebräischen Schule "p:n ist soeben erschienen. Herr Dr. M. Munk legt in einem Vorwort die Notwendigkeit der Schule und ihr ersprießliches Wirken dar. Der finanzielle Bericht weist Ausgaben in Höhe von 3440,56 Kronen nach, die bis auf 8,06 Kronen gedeckt worden sind. Der Voranschlag für das lausende Jahr sieht eine Ausgabe von 4360 Kronen voraus. Amsterdam, 10. Februar. (Plötzlicher Tod). Der Rabbiner der hiesigen alten portugiesischen Gemeinde, Jakob Aron Mendes Chumaceiro, ist am Dienstag Abend im Beth Hamidrasch plötzlich gestorben. Ein Herzschlag traf den frommen Mann, als er eben eine Wohlthätigkeitsangelegenheit erledigte. Rabbi I. A. M. Chumaceiro war im März 1833 im Amsterdam als Sohn eines Rabbiners geboren und hat seine Ausbildung ausschließlich in Holland genossen. Seine hebräischen Studien hat er in dem portugiesich-jüdischen Seminar in Amsterdam absolviert, auf dem er im Jahr 1862 das Rabbinerdiplom erwarb. Rabbi Chumaceiro war mehrere Jahre Lehrer und Schulvorsteher, später Rabbiner der portugiesischen Gemeinde im Haag. Er war Vorsteher oder Vorstandsmitglied fast aller Wohlfahrtsvereine und fleißiger Mitarbeiter des „Nieuw Israelitisch Weekblad". Bei Gelegenheit der Thronbesteigung der Königin Wilhelmine wurde Rabbi Chumaceiro zum Ritter des Oranien-Nassau-Ordens ernannt. Die Beerdigung fand nach dem letzten Willen des Verstorbenen ohne jeden Prunk statt; die gesamte jüdische Bevölkerung Amsterdams, besonders die Gemeinde, in der Chumaceiro als Rabbiner gewirkt, hat durch seinen Tod einen großen Verlust erlitten. St. Petersburg, 10. Februar. (Erweiterung des Niederlassungsgebiets). Nach der Meldung hiesiger Blätter soll die Regierung beabsichtigen, die Zahl der Provinzen, in denen Juden sich niederlassen dürfen, um zwei zu vermehren. Bisher durften die Juden in zehn Provinzen wohnen. Paris, 11. Februar. (Tod Adolphs von Rothschild.) Eines der populärsten Mitglieder der Familie Rothschild, Baron Adolph von Rothschild, ist dieser Tage im Alter von siebenundsiebzig Jahren in Paris an Lungenentzündung im Gefolge der Influenza verstorben. Er war der Chef des Neapeler Zweiges der Rothschilds gewesen und als solcher der Bankier und Freund der Könige Ferdinand II. und Franz II. Nach der Entthronung dieser Monarchen und der Annexion des Königreichs beider Sizilien durch Italien ließ sich Baron Adolph in Paris nieder. Dort baute er sich im Jahre 1868 in der Rue de Monceau ein Palais und brachte in ihm seine Kunstschätze unter. Der Verstorbene war wegen seiner Wohlthätigkeit, die er ohne Rücksichtnahme auf den Glauben ausübte, bekannt. Es galt bei ihm als Grundsatz, den er oft betonte, daß die Reichen nur der Armen wegen auf der Welt seien. Ihm gewährte es das größte Vergnügen, die Freude derer, denen er aus der Not geholfen, mitanzusehen. Er gab niemals weniger als einen Louisd'or. Natürlich wurde er in Folge seiner Hilfsbereitschaft viel von Unwürdigen ausgebeutet, so daß die Polizei schließlich für ihn eine Art von Leibgarde im Bois de Boulogne aulstellen mußte, um ihn vor den professionellen Bettlern, die ihn bei seinen Spaziergängen umdrängten, zu schützen. In seinem Palais verteilte er täglich 1500 Francs an Almosenempfänger und Notleidende. Aber seine Mildthätigkeit war nicht auf Paris beschränkt. Auch in Neapel und in der Schweiz, wo er Besitzungen hatte, teilte er mit offenen Händen aus. Er war leidenschaftlicher „Jachtsman" und pflegte diesen Sport besonders auf dem Genfer See; dort unternahm er von seiner Villa, dem entzückenden „Pavillon de Pregny" aus lange Kreuzfahrten aus seiner Jacht „La Gitana". Er ist kinderlos. Das Vermögen von etwa 200 Millionen Francs geht an seine Witwe. London, 11. Februar. (Die jüdischen Soldaten). In den englischen Regimentern, die jetzt in Südafrika kämpfen, befindet sich auch eine größere Anzahl von Soldaten jüdischen Glaubens. Es sind etwa dreihundert Juden, zum bedeutendsten Teil orthodoxe Juden, die im Feld auch nicht versäumen, den Vorschriften der Religion nach Möglichkeit nachzukommen. Sir Samuel Montagu, der bekannte englische Philanthrop, hat es übernommen, seine Glaubensgenossen vor dem Feind mit ungesäuertem Brot zum Passahsest zu versorgen. Der bei Spionkop gefallene Leutnant Raphael vom Süd-Lancashire- Regiment war Jude. Rom, 10. Februar. (Tod des Senators Jsacco Artom). Einer der hervorragendsten Juden Italiens, der Senator Jsacco Artom, ist nach längerer Krankheit gestorben. Er war in Asti geboren, hatte in Pisa und Turin Jurisprudenz studiert und trat zwei Jahre nach Erlangung der Doktorwürde, im Jahr 1855, als Beamter in das Auswärtige Amt. Der berühmte Staatsmann Gras Cavour erkannte bald die hervorragende Begabung des jungen Juristen und nahm ihn 1858 als Sekretär in sein Privatkabinet. Später war Artom Legationssekretär in Paris, Gesandter in Kopenhagen und Chef des Privatkabinets des Ministers des Auswärtigen, Grafen Pasolini. Im Jahr 1865 wurde Artom als italienischer Bevollmächtigter zur Münzkonferenz nach Paris und im Jahr 1866 mit dem General Menabrea zur Leitung der Friedensverhandlungen nach Wien delegiert. Der Minister des Auswärtigen Visconti Venosta wählte Artom im Jahr 1870 zum Generalsekretär des Auswärtigen Amtes, welchen Posten er bis zu seiner 1876 erfolgten Ernennung zum Senator bekleidete. Sein Nachfolger in diesem Amt war ebenfalls ein Jude, Giovanni Malvano. Artom war ein ebenso gewandter Diplomat wie ausgezeichneter Finanzpolitiker; in wichtigen Finanzfragen ist sein Urteil stets maßgebend gewesen. Die Beerdigung des Staatsmannes fand in seiner Vaterstadt Asti unter lebhafter Beteiligung aller Bevölkerungsklaffen statt. Die Minister Visconti Venosta und Saracco befanden sich unter dem Trauergefolge. König Humbert hat dem Sohn dcs Verstorbenen ein sehr huldvolles Beileidstelegramm geschickt. Unter den verschiedenen Trauerreden erwähnen wir nur die des Rabbiners von Asti, Dr. Foa. Jsacco Artom hat stets seinem Vaterland und dem Glauben seiner Väter die gleiche Treue bewahrt.