Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 7 (16.2.1900)
- Date
- 1900-02-16
- Page
- Seite 108 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 108. Israelitische Wochenschrift. Nr. 7. Ktlian, Bediensteter im St. Benediktiner-Kloster zu Prag, und habe wichtige Kunde zu berichten. Auf Befehl des Herzogs wurde derselbe in den Saal geführt, und Ihr ahnt schon, was er mitteilte: er sei in angestrengtestem Ritte zweiunddreißig Stunden zu Roß gewesen und hierher geeilt, um die Unthat, die an Ignatius und Sixtus verübt wurde, mitzuteilen; selbstverständlich verschwieg er die versuchte Entführung derMädchen, er gab vor, daß Ihr, Jeiteles und Michel, den Mönchen aufgelauert, sie gefangen genommen und den Hussiten ausgeliefert hättet. Es ist wahrlich unmöglich, den Eindruck zu schildern, den die Erzählung hervorrief: ein wildes Schreien und Rufen nach Rache ging durch den Saal, der Herzog war emporgesprungen, die Zornader schwoll auf seiner Stirn, mit mächtiger Stimme gebot er Ruhe und rief dann: „Das Schicksal der Gefangenen ist besiegelt; die Otternbrut muß zertreten werden. Man hole die Folterwerkzeuge!" Mit Blitzesschnelle wurde der Befehl ausgeführt, und wenige Minuten später erschienen die Folterknechte mit all' den Werkzeugen, die der Menschenwitz teuflisch ersonnen zur Marter und Qual der unglücklichen Opfer roher Gewalt. Ihr Anblick schon läßt das Blut eines Jeden, der ein menschlich Fühlen im Herzen trägt, erstarren; aber die Unmenschen, die hier zu Gericht saßen, kannten kein Erbarmen. Nochmals fragte der Herzog die Angeschuldigten, ob sie ihre Schuld gestehen wollten, und als sie dies mit unbeugsamer Entschiedenheit leugneten, packten sie die Folterknechte — und das Schreckensgericht begann". Der Erzählende hielt inne; Thränen rannen über seine verhärmten Wangen, und die Erinnerung an das gräßliche Schauspiel, das er gesehen, lähmte ihm das Wort auf der Zunge. Endlich begann er wieder: „Ersparet mir das Weitere: ich kann es nicht erzählen, wie man mit glühenden Zangen den Bejammernswerten das Fleisch vom lebendigen Leibe riß, wie ihr ersterbender Körper sich wand unter den gräßlichen Qualen, bis ein letztes Aufzucken bewies, daß sie ausgelitten. Wie sie gelebt, so sind sie gestorben: treu ihrem Gotte und ihrem Glauben. Auf alles Fragen, ob sie die Schuld begangen, hatten sie unerschütterlich Nein gerufen, und als die letzte aller Torturen angewandt wurde, als die Schergen die Unglücklichen aus das Rad spannten, da riefen sie mit einer Stimme, die wie Engelstöne durch den Raum schwebte: „Schema Jisrael Haschem Elohenu Haschem Echod". Mit dem Worte „Echod" entfloh das Leben aus ihren zerfleischten Körpern".- Wiederum hatte der Erzählende, von seinem maßlosen Schmerze übermannt. Halt gemacht. Das Weinen und Schluchzen der Zuhörer hatte seine letzten Worte übertönt, und nun, da er schwieg, löste sich der Jammer, der in den Herzen der Unglücklichen wühlte, in lautem Wehklagen. Wohl hatten sie Alle gezittert und gezagt für das Schicksal der Eingekerkerten, denn sie wußten, daß Derjenige mit dem Leben abgeschlossen hat, den die Inquisition sich zum Opfer auserkoren; aber das milderte den herzbrechenden Schmerz nicht, als sie nun die Schreckenskunde vernahmen, daß das lange Gefürchtete gräßliche Wahrheit geworden. Der Herr des Hauses fand zuerst seine Ruhe wieder und forderte Rob Zodok auf, in seiner Erzählung fortzufahren. „Soll ich es versuchen", begann dieser von Neuem, „Euch zu schildern, was ich in jener entsetzlichen Stunde empfand?. Wollte ich auch, ich könnte es nicht sagen, denn der dumpfe Schmerz, der mich erfaßte, betäubte meine Sinne und lastete bleischwer auf meinen Gliedern; kaum sah und hörte ich, was um mich vorging. Plötzlich schreckte mich der schrille Ton einer Stimme, die meinen Namen rief, aus der Betäubung; es war der Herzog, der mich rauh anfuhr: „Hast Du genau aufgepaßt, Zodok? So wird es auch Dir ergehen,* und Allen, die an dem Verbrechen Anteil haben. Aber damit ist die Unthat, die an den Priestern der Kirche verübt wurde, noch lange nicht gesühnt; alle Juden dieser Stadt und meines Reiches sollen es büßen. Für heute bist Du entlassen; daß Du nicht schon jetzt als Gefangener hier zurückgehalten'wirst, wie es zuerst mein Wille war, dankest Du nur dem Ordensprior, der mich bat, Dir noch bis morgen die Freiheit zu lassen und den Abschied von den Deinigen zu gönnen. Aber wehe Dir, Jude, wenn Du es versuchst, Dich durch die Flucht der Strafe zu entziehen; meine Häscher werden Dich zu treffen wissen, ehe Du die Grenze Oesterreichs überschritten hast, und Du stirbst eines noch martervolleren Todes als Dein Genosse Israel und sein Weib. Das merke Dir und nun geh'!" (Fortsetzung folgt.) Brief- und Fragekasten. Herrn P. S. in K. Besten Dank und Gruß. Ist besorgt. — Herrn Dr. A. in Eh. Besten Dank. Ich erwarte Ihre gefl. Auskunft. — Herrn K. R. in B. Außer den von Ihnen genannten Leuchtstoffen darf auch Wachslicht verwendet werden. Den fraglichen Plan habe ich nicht aufgegeben. Möchten Sie mir dabei behilflich sein? Sie würden mich sehr verbinden. Ihrer sonstigen Anregung soll Folge gegeben werden. — Herrn A. P. in K. Ist unter Mühen bewältigt worden. Schönsten Gruß. — Herrn Dr. L. in H. Ich werde die Angelegenheit so schnell wie möglich vermitteln. Gebrannte Köffccs ln Preislagen von Mk. 1,30, 1,40, 1,50, 1,60, 1,70, 1,80, 1,90, 2.00 per V2 Ko Allen Freunden eines guten Getränkes als vorzügliche Marke empfohlen. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. A. Klausner, für den Inseratenteil: Erik Pfeffer in Berlin. Verlag Siegfried Cronbach, Berlin W. 67. — Druck: Arthur Scholem, Berlin C., Roßstr. 3.