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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-02-02 · 5 (2.2.1900) · p. Seite 74

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
5 (2.2.1900)
Date
1900-02-02
Page
Seite 74 (sequence 23)
Language
German
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Seite 74. Israelitische Wochenschrift. sJtr. 5. uns wie ein Wunder Vorkommen!" Auf den Einwand seines Besuchers, daß die Zionisten nicht alle Juden zugleich nach Palästina zu bringen beabsichtigen, und daß mit der Einrichtung von Kolonien ein Anfang gemacht werden solle, sagte Emile Zola: „Was Sie nun aussprechen, ist ein ganz anderes Ding, und auf diesem Weg kann Ihr Vorhaben sich vielleicht verwirklichen. Aber glauben Sie, daß diese Uebersiedelung mit einem Schlag die Lösung der Judenfrage bringt? Die jüdischen Ansiedelungen in einen Mittelpunkt zu vereinigen und eine Zufluchtsstätte zu gründen, in der alle leidenden Juden eine Heim finden, ist in der That ein großes Werk. Sicher werden viele Jahre dahingehen, ehe Sie ihr Ziel erreichen, aber Sie müssen warten und arbeiten. Ich kann die Gefühle und Erinnerungen nachempfinden, die Sie an Palästina fesseln; aber seitdem Ihnen dort politische Hindernisse entgegenstehen, sollten Sie lieber in Afrika oder Amerika ein Land suchen, das Ihnen das Ziel Ihrer Wünsche in erreichbare Nähe bringt". Bukarest, 37. Januar. (Auswanderung.) Die Auswanderung von jüdischen Familien aus Rumänien nimmt stetig zu. Neuerdings sind die Auswanderer vielfach nach Anatolien gezogen, wo der Boden billig und fruchtbar ist und wo die Ansiedelung von Juden bisher unbeanstandet geblieben ist. Die Meldung hiesiger antisemitischer Blätter, daß der zu Gunsten der Besiedelung von Cypern thätige Amerikaner Davis Trietsch bei seinem kürzlichen Besuch in Bukarest von der Polizei ausgewiesen worden sei, beruht auf Erfindung. London, 28. Januar. (Tod von Alfred H. Beddington.) Die Londoner Juden und ihre Wohlthätigkeitsanstalten haben durch den Tod von Alfred H. Beddington einen großen Verlust erfahren. Er war einer der Gründer der Central- Synagogue, in deren Vorstand er seit 1874 lange Zeit gewirkt hat und deren Delegierter zu den Beratungen der United Synagogue er gewesen ist. Der Verstorbene war ein sehr thätiges Mitglied besonders der Wohlfahrtsanstalten, die sich vorwiegend mit Unterrichts- und Erziehungsanstalten beschäftigen. So war er im Vorstand der jüdischen Freischule, des jüdischen Gymnasiums, der jüdischen Mittelschule für Mädchen und der jüdischen Gesellschaft zur Verbreitung der Religionswissenschaften. Auch dem Vorstand des jüdischen Krankenhauses Norwood hat er einige Jahre angehört. Alfred H. Beddington, der am Dienstag nach kurzem Krankenlager an einer Lungenentzündung gestorben, hat ein Alter von 65 Jahren erreicht. London, 28. Januar. (Populäre Vorträge.) Rabbiner Dr. A. Feldman hat am Samstag Nachmittag in der New- Dalston-Synagogue einen Vortrag über das Buch Jesaia gehalten. Dr. Feldmann will an jedem zweiten Samstag Nachmittag öffentliche religiös-wissenschaftliche Vorträge halten, um das Interesse an jüdischer Wissenschaft zu heben und das Studium hebräischer Schriften anzuregen. Der große Beifall, den die erste Vorlesung bei der zahlreichen Zuhörerschaft gefunden, beweist, daß die von Dr. Feldmann versuchte Anregung auf günstigen Boden gefallen ist und sichert ihr dauernden Erfolg. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Frau Dr. Apolant in Berlin, Witwe des weiland Religionsschulleiters Dr. Apolant, Mutter des Justizrats Dr. Apolant, ist am Sonntag, 72 Jahre alt, verschieden und am Mittwoch auf dem Friedhof in Weißensee an der Seite ihres in der Ehrenreihe ruhenden Gatten beigesetzt worden. Sie war eine vortreffliche Frau von ungewöhnlicher geistiger Rührigkeit, die es verstanden hat, bei engen Verhältnissen ihr Haus zum Mittelpunkt anregenden Verkehrs zu machen. Die Grabrede hielt Herr Rabbiner Dr. Weiße. — Herr Moritz Levy, viele Jahre hindurch als Mitglied der Armenkommission in Berlin verdienstlich thätig, ist vorigen Freitag gestorben. — An der Universität Warschau, die im ganzen von 1092 Studenten besucht werden, studieren zur Zeit 161 Juden. Davon hören 51 Jurisprudenz, 85 Medizin und 25 Mathematik. — Rabbiner Kalman Taube von der Wilnaer Jeschiwa und der Rabbiner von Elisabethgrad haben „in Anerkennung ihrer Verdienste" den Titel von „Bürgern" erhalten. Vakanzen. Christburg. Rel.-L., C., Sch. 1500 M. Geh., 200 M. gar. Nebeneink. Meld. an N. Lewinski. — Schwerin i. M. Sch. (ledig), 1000 M. Geh. Meld. an Vorst. — Grimbsheim, Rheinheffen. Sem. geb. Rel.-L., Vorb., Sch., 1000 M. Geh., fr. W., 5—600 M. Nebeneink. Meld. an David Keller. — Hannover. Sch. Meld. an Julius Kauffmann. — Posen. C. 3000 M. Geh., 3000 M. Nebeneink. Meld. an David Peltesohn. — Dirschau. Gepr. Rel.-L. u. 2. C. 1350 M. Anfangsgeh. Meld. an Joseph Götz. — Stargard i. P. Rabb. u. 1. Rel.-L. 3000 M., fr. W. Meld. an Vorst. — Friedeberg N.-M. Sem. geb. Nel.-L., Vorb., Sch. 1200 M. Geh. Meld. an Sally Maaß. — Ratibor. K., Sch., 1800 M. Geh., 100 M. Legatzinsenanteil und sonstige Nebenein. Meld. an Vorstand. — Woischnik. K., Sch., 750 M. Geh., 200 M. Nebeneink. u. fr. W. Meld. an die Filialgemeinde Woischnik. Feuilleton. Der Rabbi von Liegmh. Historische Erzählung aus der Hussitenzeit. Von Dr. A. Sammler. (Fortsetzung.) Leichenbläffe überzog das Antlitz der Aebtissin, und mit bebender Stimme erwiderte sie: „Wer wagt es zu behaupten, daß eine so gräßliche That verübt wurde? Die geheiligten Räume dieses Klosters darf keines Ungeweiheten Fuß betreten; wie sollten Jüdinnen hier Aufnahme gefunden haben?" „Priesterin, keine Ausflüchte", wallte Ernst auf, „oder bei Gott, Ihr sollt es bitter bereuen". „Drei Männer", fuhr Ernst mit lauter Stimme fort, „haben in dieser Nacht die beiden hilflosen Mädchen aus den Betten gerissen und hierher gebracht, sie müssen im Kloster sein! Gieb sie heraus und es soll Euch Gnade widerfahren". Alle Zeichen der Angst und des Schreckens malten sich in den Zügen der Aebtissin, aber dennoch wollte das Geständnis nicht über ihre Lippen, das sie den Mädchenräubern hinter den Klostermauern Schutz gewährt und sich so zur

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