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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1900-01-01 · No. 2. (1900) · p. Seite 14

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 2. (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 14 (sequence 6)
Language
German
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14 wurden, die ursprünglich nicht zusainmengesagt, bezw. zusammengeschrieben waren, hat die Tradition kein Recht des Widerspruchs. Denn auch sie stellt den gleichen Satz in der Regel עירוב פרשיות כאן auf. Nach der Ansicht des R. Chija bar Josef, so berichtet der Talmud babli in Traktat Baba kamma fol. 107 a, ist die Stelle אשר יאמר כי הוא זה in Exodus 22,8 nicht an ihrem rechten Orte, sondern gehört zu Exodus 22,24, wo vom Einfordern eines Darlehens die Rede ist. (Yergl. Synhedrin 2 a.) — Wenn die Tradition schon der Thora gegenüber diese zwei kritischen Grundanschauungen nicht nur als homelitische, agadische Erklärung^- art zulässt, sondern sie so anwendet, dass daraus für das praktische religiöse Leben, für das Gerichtsverfahren in Geldsachen und Eheangelegenheiten Folgerungen gezogen werden, so sind diese beiden kritischen Grundregeln als traditionell bekannt und angewendet zuzugeben. Ihre Anerkennung als solche ist keinerlei Zeugniss für eine Missachtung des religiösen, heiligen, göttlichen Charakters der Heiligen Schrift. Ihre An- Wendung kann nur strittig im einzelnen Falle sein. Soweit wäre von vornherein der gemeinsame Boden gegeben, auf den sich die Bibelforschung nach streng wissenschaftlichen Grundsätzen sowie die treue Festhaltung an der göttlichen Erhabenheit und religiösen Verbindlichkeit der heiligen Schriften und ihrer Gebote stellen können, ein Boden, den die Gelehrten betreten hatten, welche durch Punkte**) andeuteten, dass eine Thorastelle nicht an ihrem rechten Orte sei (Sifre zur Stelle Piska 54), dass man ein Wort anders gedanklich verbinde (Midr. rabb. Beresch. p. 80), dass man anders lesen müsse, als geschrieben sei u. s. w. (Vergl. Hamburger, Realencyklopädie Abth. II, S. 1214 11. s. w.) Nach diesen allgemeinen Vorbemerkungen sei uns gestattet, die Textverbesserungen der Cheyne’sehen Jesaja-Ausgabe im Einzelnen zu betrachten und später seine Gruppirungen des ganzen Jesajabuches zu besprechen. Es wird sich dabei wohl mancherlei Gelegenheit finden, neue Lösungen für schwierige Probleme zu versuchen. (Fortsetzung folgt.) Litteraturbericht. Recensionen. Studien über Salomon ibn Grabirol, von Prof. Dr. David Kaufmann 123 S., Budapest, 1899. Besprochen von Rabbiner Dr. Seligkowitz-Cöthen. An die meisterhaften Forschungen auf dem Gebiete der jüdischen Religionsphilosophie, mit denen der verewigte Kaufmann seine wissenschaftliche Laufbahn eröffnete, erinnert die vorliegende Arbeit, die letzte des der Wissenschaft so frühzeitig entrissenen Verfassers. Da in dem Nachlasse des Verfassers weder ein Vorwort, noch irgend eine Andeutung über den Titel dieser verschiedene Studien über Gabirol umfassenden Arbeit vorgefunden wurde — bekanntlich ,wurden in der Todesstunde noch die Korrekturbogen dieser Arbeit auf seinem Schreibtische vorgefunden — so ergab sich, wie der Herausgeber Prof. Dr. Bacher im Vorwort sagt, der Titel von selbst. Wir begrüssen in dieser Arbeit eine mit Scharfsinn und mit **) Auch durch ״Klammern“, denn solche sind die ,נ׳ הפוב zu Numeri 10,35—30. Cfr. Sabb. bab. 115b. (Red.) reicher Gelehrsamkeit durchgeführte Untersuchung, die nicht nur ihrem Gegenstände in lichtvoller und erschöpfender Weise gerecht wird, sondern auch über die Grenzen des eigentlichen Thema’s hinaus verschiedene Fragen in anregender Weise bespricht. Jedoch dürfte es den engen Rahmen einer Besprechung überschreiten, wenn wir hier auf das gelehrte Detail und die grossem Exkurse eingehen wollten; wir begnügen uns, den Gang und die Resultate der Arbeit zur Anschauung zu bringen. Die Arbeit vereinigt verschiedene Studien über Ibn Gabirol und zerfällt in fünf Abschnitte: 1) Pseudo-Empedokles als Quelle Gabirols. 2) Gabirols philosophische Allegorese. 3) *Abraham ibn Daüds Kritik der ,,Lebensquelle“. 4) Die Kenntnis von Ibn Gabirols ,,Lebensquelle“ in der jüdischen Litteratur nach Ibn Daüd. 5) Ein philosophisches Gedicht Gabirols. — Wir wenden uns zunächst der Besprechung der ersten Studie zu, möchten jedoch zum bessern Verständnis einige einleitende Worte vorausschicken. Salomon ibn Gabirol war bekanntlich der einzige jüdische Philosoph im Mittelalter, bei dem von einer origineilen Philosophie die Rede sein kann. Zeigt doch sein eigentlich philosophisches Werk, in welchem Gabirol den ganzen Inhalt seines Denkens darzulegen bemüht war, nicht die entfernteste Spur auf, dass dasselbe in Berührung mit den Ueberzeugungen des Judentums getreten, keinen Versuch, seine Angaben mit Stellen der Bibel und der spätem Litteratur, die ihm nach der damaligen sublimirenden Deutungsweise in reichem Masse zu Gebote gestanden hätten, zu belegen. Aber eben so wenig hatte Gabirol die Sklavenketten der tonangebenden Philosophie seiner Zeit getragen. Das war ja eben der Fehler der Philosopie des Mittelalters, dass sie entweder Mose’s, oder Mohammeds oder Aristoteles’ Livree trug; ja noch mehr, zuweilen diente sie mehreren Herren zugleich und war beflissen, ihre sich oft widersprechende Befehle in Einklang zu bringen. Ibn Gabirol beugte sein Knie nicht vor Aristoteles und hatte den Muth, gegen die Motakallemin zu raisonniren, die da behaupten, dass die äusseren Sinne auf Trugbildern beruhen und dass nur das Kaläm, das im Koran geoffenbarte Wort Gottes, die Wahrheit enthalte. Wenn man den Anfang der Gabirol’sehen ״Lebensquelle“ genauer betrachtet, glaubt man unwillkürlich die ein halbes Jahrtausend nach ihm epochemachende Lehre des Cartesius herauszuhören: ״Cogito ergo sum“. Des Menschen erste Erkenntniss ist nach Gabirol sein eigenes Ich und infolgedessen die Seelenlehre die Krone der Erkenntniss, die Quelle alles Wissens. Wenn ich auch alles in Zweifel ziehe, das weiss ich, dass ich denke; folglich sind die- Formen meines Denkens in meiner Seele wirklich vorhanden und mithin auch die Dinge der Welt, deren Bildniss sie sind und von welchen meine Ideen ihren Ursprung nehmen. Bei einem solchen originellen Philosophen wie Gabirol ist es kein Wunder, dass man hinsichtlich der Quellen seiner Philosophie im Dunkeln tastete. Wenn man allerdings die Richtung und die Tendenz der Philosophie Gabirols verfolgt, in welcher — im Gegensatz zur maimonidischen Philosophie, welche bekanntlich eine nüchterne Reflexion auf ihre Fahne geschrieben — die Lücken der metaphysischen Postulate mit Hilfe der unklaren Einbildungskraft ausgefüllt werden, so könnte man unwillkürlich auf den Neuplatonismus als Quelle der Gabirolsehen Philosophie geleitet werden. Und in der That behauptet Geiger in seiner Schrift ,,Salomo Gabirol und seine Dichtungen“ p. 88 mit aller Entschiedenheit, dass Gabirol den Spuren des Neuplatonismus gefolgt sei. Allein eine sichere Fährte zu einer bestimmten Quelle war bis

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