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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1900-01-01 · No. 2. (1900) · p. Seite 13

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 2. (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 13 (sequence 5)
Language
German
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13 sicht, der sie ihm mit einem belobenden Antwortschreiben zurücksandte. 14) — Bei Erwähnung der Tbätigkeit des Maimonides gedenkt der Uebersetzer in seinem Vorwort dessen Erklärungen zu den obengenannten drei Ordnungen, von denen er selbst Mehreres gesehen und sehliesst seine Bemerkungen über Maimonides schriftstellerische Thätigkeit mit den bezeichnenden Worten : ״Wir kennen keinen Schriftsteller und Commentator, der so Vieles zum Verständniss und zur Erklärung der beiden Talmude geschrieben und eine solche Gedächtnisskraft und Weisheitsfülle und systematische Lehrweise bekundet hat,wieMaimonides“15) (Fortsetzung folgt.) Kritik und Tradition. Von Kirchenrath I) r. Th. Krön er in Stuttgart. II. Meine Bemerkungen zu der kritischen Textausgabe des Prophetenbuchs Jesaja schliessen sich an diesen Text selbst an. Cheyne hat die in dem massoretischen Jesajabuche gegebene Ordnung der Kapitel und Verse nicht innegehalten, sondern nach seinen kritischen Ergebnissen fünf Gruppen angenommen. Die erste enthält ursprünglich Jesajanische Prophezeiungen; die zweite: Erzählungen, welche sich auf Thaten des Jesaja stützen und mit Reden und Liedern vermischt sind, deren Ursprung zweifelhaft ist; die dritte: Nachträge zur ersten; die vierte: Prophezeiungen über den Fall Babylons, die zum Theil von verschiedenen ungenannten und ungekannten' Schriftstellern, zum Theil vom sogenannten zweiten Jesaja herrühren, znm Theil Nachträge dazu sind; die fünfte : Prophezeiungen nach dem Falle Babylons. Zur ersten Gruppe zählt Cheyne die massoretischen Kapitel: I) Kap. 2,Vers 1,5—10,11—17,18, 19; 3,1—15, 16-24; 4, 1, 2—6. II) 5, 1—7. III) 8—25. IV) 9, 7—20; 10, 1—4, 5, 26—30. V) 6, 1—13, 7, 1—16. 18—25; 8, 1—4, 5—15, 16—18, 19—22, 23 b; 9, 1—6. VI) 17, 1—11, 12—14. VII) 28, 1-6. VIII) 1, 29 bis 31; 2, 2—4, IX) 23, 1—14, 15—18. X) 14, 28 bis 32. XI) 10, 5—15; 14• 24—27, 10, 16—23, 24 bis 34; 11, 1—10, 11—16; 12, 1—6. XII) 20, 1—6, XIII) 28• 1—6, 7 -22, 23—29; 29, 1—8, 9—12, 13, 14, 15, 16-24; 30, 1—5, 6—7, 8—17, 18—26, 27 bis 33; 31, 1—3, 4—9; 32, 1—8, 9—14, 15—20; 33, 1—24. XIV) 22, 15—18, 19—23, 24—25. XV) 18, 1—6, 7. XVI) 1, 1-26, 27, 28. XVII) 22• 1—14. Demgemäss hält Cheyne für grösstentlieils echt jesajanisch Kapitel 1—12. 14, 17, 18, 20, 22, 23, 28—33, die nach seiner Meinung allerdings mit nachexilischen Zusätzen versehen sind, zum Theil aus verschiedenen Stücken oder zu verschiedener Zeit gesagten Reden durch die Herausgeber des Buches zusammengesetzt wurden. Der Text zeigt durch Farben, was ursprünglich jesajanisch, was späterer Zusatz ist. Es ist nicht zu leugnen, dass der so vielfarbige Text, bald schwarz, bald hellblau, bald dunkelblau, 14) Brief und Antwort in der Vorrede dieses Uebersetzers. ולא שמענו ולא דאינו לשוס מחבר ומפרש, שחיבר ופירש כל כך בשני (15 התלמודים, ווה מורה כח ידיעתו ורוב חכמתו וסדר לימודו: bald hellroth, bald dunkelroth, bald hellpurpur, bald dunkelpurpur, bald durch Zeilen, die nur aus Sternchen bestehen, um Lücken anzudeuten, unterbrochen, dazu so und so viele kritische Zeichen in ihm selbst, einen ganz sonderbaren Eindruck macht und das an die einheitliche Darstellung des massoretischen Textes gewohnte Auge ein Unbehagen empfindet, weil ihm das Geistes werk, das als ein Werk eines Geistes so lieb und heilig geworden ist, nunmehr wie ein Bauwerk mit Rissen und Lücken, an dem verschiedene Hände gearbeitet haben, vorkommt. Aber den Vorzug hat diese vielfarbige Ausgabe, dass sie die für die Kritik auffälligen Stellen sofort deutlich macht und so die Nachprüfung erleichtert. Die erste auffallende Textesänderung ist die veränderte Kapitelordnung und Gruppirung. Gegenüber dieser kritischen Grundanschauung, dass die massoretische Kapitel- und Vers- Ordnung durchaus nicht eine nach chronologischer Reihenfolge aufgestellte sei, hat die Tradition kein Recht des Widerspruchs; denn der Grundsatz, dass die Heilige Schrift keine chronologische Ordnung in ihrer Kapitel- und Versordnung festhalte, ist in dem Grundsätze אין מוקדם ומאוחר בתורה deutlich ausgesprochen. Er wird im Talmud babli (Pesachim fol. ßb) an dem ersten Verse des 1. Kapitel des vierten Buches Mosis im Hinblick auf das der Zeit nach sicher früher Gesagte im Kapitel 9 zur Anwendung gebracht und in Raw’s Namen von R. Menaschia bar Tachlifa angeführt. 1111 Talmud Jeruschalmi Sotah (ed. Krotoschin 1866) fol. 22 c wird derselbe Grundsatz auf den Vers 21 des 2. B. M. Kap. 25, zur Begründung der Ansicht des R. Meir angewendet, (gleichfalls Talm. jerusch. Sehekalim fol. 49 col. d), ebenso in Talm. jerusch, fol. 56 col. c von Oheifa auf Chaggai Kapitel 1 Vers 1 und Secharjali Kapitel 1 Vers 1. Ebenso wird in Talm. jerusch. Megillah fol. 70 col. d berichtet, dass Raw, R. Chanina, R. Jonathan, bar Kappara, R. Josua ben Levi darin überein stimmten, dass die Stelle 2. B. M. Kapitel 17, Vers 14—16, welche die Niederschreibung des Kampfes mit Amalek gebietet, erst am Sinai offenbart wurde und damit der Grundsatz אין מוקדם bestätigt ist. (Vergl. Midrasch Ruth p. 4 fol. 12b ed. Warschau 1877.) Nach Raschi zu Genesis Kapitel 6 Vers 3 ist dieser Vers chronologisch vor Kapitel 5, Vers 32 zu setzen, ebenso Genesis Kapitel 18, Vers 3 vor Vers 2; Exodus Kapitel 4, Vers 20 c vor 20 b; nach Midrasch Bamidbar rabb. p. 9, fol. 51b No. 16 lehrt R. Sera, dass aus demselben Grunde die bei der Sota im 4 B. M. Kap. 5 Vers 19 und 21 angeordneten zwei Vereidigungen, trotzdem sie vor der in Vers 23 angeordneten AuslÖschung stehen, doch theils vor, theils nach der letztem geschehen. Auch das im 2. B. M. Kapitel 24. Vers 16 Erzählte wird in Joma babli 4 b und in Sabbat babli 86 b auf die bereits in Kapitel 20 erzählte Gesetzgebung, theils auf die Zeit vor dieselbe bezogen.*) Auch gegenüber der kritischen Grundanschauung, dass verschiedene Stücke mit einander verbunden *) Das אין מוקדם כ׳ gehört zu den Interpretationsregeln der Schule R. Ismaels und bildet auch die letzte der 32 Middotli des R. Jose Haglili. Näheres darüber in Bacher’s: ״Die älteste Terminologie der jüdischen Schriftauslegung“, S. 167—68. — Ueber עירוב פרשיות und מקראות מעורבין vergl. daselbst S. 145 und 146.

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