Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 2. (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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12 systematisch geordnet zusammenfassen, was geeignet ist, den Leser auf dem Gebiete, welches er jedesmal betritt, genau zu orientiren. Die drei7) grössten Einleitungen sind jedoch die den drei Ordnungen: Seraim, Kodoschim und Taliaroth vorangeschickten, auf deren Inhalt und Geist wir nach Vorausschickung einiger zum Verständniss derselben nothwendigen Bemerkungen über die Geschichte der Uebersetzung der verschiedenen Theile im Folgenden eingehen wollen. Der Commentar war ursprünglich in arabischer, der damals verbreitetsten und für philosophische Erklärungen gefügigsten Sprache verfasst worden.8) Er fand auch bald in den Ländern, in welchen die arabische Zunge herrschte, grosse Verbreitung und Anerkennung. Maimonides selbst hatte die Absicht, den Commentar (und das פ׳ המצות) ins Hebräische zu übertragen; allein er kam nicht zur Ausführung dieses Planes.9) Jedoch bei seinen Lebzeiten noch machte sich der zwar gewandte, aber etwas leichtfertige Spanier Juda b. Salomon Alcharisi10), in Marseille wohnhaft, auf Aufforderung der Gelehrten seines Wohnorts an die hebräische Uebersetzung. Dieser erste Versuch erstreckte sich aber bloss über die erste Einleitung und einen Theil der ersten Ordnung (bis Tr. Therumoth) Kurz nach dem Tode des Maimonides übersetzte der gründlich gebildete, meisterhafte Uebersetzer Samuel aus der Uebersetzerfamilie der Tibboniden,11) gleichfalls von spanischer Abstammung, in Lunel sesshaft, die Philosophisches berührenden Theile des Commentars, 7) Die שמנה פרקים, die der Verfasser als Einleitung zum Traktat Aboth hin gestellt hat, sind mehr als dies, sie sind eine Psychologie und Ethik in 8 Abschnitten. 8) Die meisten Gaonini schrieben deshalb ihre Commentare und Rechtsgutachten in arabischer Sprache. (Vergl. die Vorrede des Uebersetzers von Nesikin ... מפני הרחבת הלשון וב׳.) 9) Siehe die Vorrede des Uebersetzers des ס׳ המצות (R. Salomon b. Joseph) ונראה כי לא היה לו פנאי כי לא השלים דברו (cit. Pococke praefatio.) 10) Dass Charisi mit unverzeihlicher Leichtfertigkeit zu Werke ging, sagt uns bereits Samuel ibn Tibbon (in dem Vorwort zu den Erklärungen der schwierigen Wörter, deren er sich im More bediente):גם במלות קלות מאוד שגה בהעתקתו לפתיחת פירוש המשנה; aber mehr noch eine Vergleichung seiner übersetzten Einleitung mit dem arabischen Original, das Pococke in porta Mosis mittheilt, und ferner die Vergleichung einer einzigen Mischna (Pea I.), die von Samuel ibn Tibbon’s Sohn, Mose, übersetzt wurde und von Geiger (in נטעי נעמנים No. 18) edirt worden. Charisi gesteht selbst im Vorworte, das er nicht immer dem Sinne und der Form zugleich habe Genüge thun können: .לשמור הענין, ולתקן הבנין Uebrigens scheint Charisi die Absicht gehabt zu haben, den ganzen Commentar zu übersetzen (vergl. seine Vorrede und die praef. von Pococke); ob demnach die uns vorliegenden Theile die erhaltenen Reste einer vollständigen Uebersetzung, oder ob sie überhaupt Alles sind, was Charisi vom Commentar übersetzte, ist jetzt nicht mehr zu entscheiden. Richtig scheint die Vermuthung De Rossi’s (annal. saec. XV. p. 91), Charisi habe den Seder Seraim vollständig übersetzt, der letzte Theil aber sei verloren gegangen. Dass Charisi noch bei Lebzeiten des M. übersetzt habe, erhellt aus der Bezeichnung נ י, die er dem Namen des Autors in seiner Vorrede beifügt. Pococke (praef.) irrt, wenn er meint, Samuel habe seinen Theil früher als Charisi übersetzt; der Verfasser des lttur (1179—89) ebenfalls aus Marseille kennt schon die Uebersetzung des Charisi (Anfang des ersten Abschnitts und Ende Abschnitt פרוזבול), während Samuel erst nach der Uebersetzung des More an die der Schmone Perakim ging. (Siehe seine Vorrede zur Uebersetzung (כאשר עשו במאמר מורה נבוכים אב המעתיקים ("; er ist der Uebersetzer des More, des מאמר תחיית המתים und des איגרת תימן — vergl. das Schreiben des M. an ihn (Peer hador 143). die Schinone Perakim, den ganzen Traktat Aboth und die Mischna Chelek, mit der an diesem Manne gewohnten Genauigkeit und Gewandtheit. Mehr schien man (im Auslande wenigstens) vom Commentar nicht zu kennen, und der Commentar wäre bei der eingetretenen Unkenntniss des Arabischen und dem Mangel an Abschriften gewiss der Vergessenheit anheimgefallen, wenn ihm nicht aus dem Lande, in welchem die jüdische Wissenschaft zuerst in Europa sich wieder an siedelte, bei Zeiten Rettung gekommen wäre. Die in Rom wohnenden Juden, zu denen die obengenannten Uebersetzungsbruchstücke gelangt waren, trugen grosses Verlangen, den ganzen Commentar übersetzt zu besitzen. Sie schickten deshalb im Jahre 1297 einen Abgesandten (R. Simcha) mit einem Schreiben an Salomon b. Adereth nach Barcelona behufs Ermittelung der noch unbekannten Theile des Commentars. In Barcelona verstand man aber bereits nach Adereth’s eigener Mittheilung kein Arabisch mehr und dieser angesehene und einflussreiche Gelehrte gab dem Abgesandtenein Schreiben an alle spanischen Gemeinden mit, in welchem er diese aufs Dringendste ersuchte, Alles aufzubieten, um die Gesandtschaft zu befriedigen. Der Gesandte reiste hierauf durch die Provence und Catalonien unverrichteter Sache, endlich in Huesca (in Arragonien) besassen zwei Männer die arabischen Exemplare von den Ordnungen Moed und Naschim. Hiervon übersetzte (in demselben Jahre, Ende Siwan) Joseph b. Isaac b. Alphuali die Ordnung Moed. Er schrieb hierzu ein kleines Vorwort, worin er sich darüber beklagt, dass er aus einem einzigen Manuscript habe übersetzen müssen und also für Fehler nicht einstehen könne. Derselbe Uebersetzer hat auch die fehlenden Traktate zu Seder Seraim übersetzt. Gleichzeitig übersetzte R. Jacob b. Mose b. Abbassi12) aus Beziers mit Hilfe seines Freundes, des Arztes R. Chajiin b. Salomo b. Bekai, die Ordnung Naschim. R. Jacob hat eine schätzenswerthe Vorrede zu seiner Uebersetzung geschrieben, die von Gelehrsamkeit zeigt. Er hat auch, sagt er, was keiner der anderen Uebersetzer gethan, der jedesmaligen Erklärung den vollständigen Mischnatext vorangeschickt — obwohl es in dem fehlerhaften und corrumpirten Manuscript, das ihm vorlag, nicht der Fall war, — sich beziehend auf den Ausspruch des Maimonides in der allgemeinen Einleitung: ,,Ich schicke jeder Erklärung den vollständigen Text der zu erklärenden Mischna voran; ja selbst diejenigen Mischna’s, die ich ihrer Leichtigkeit wegen nicht erkläre, stelle ich getreu nach ihrem Texte hin.“ Ungeachtet des Nutzens, den Autor und Uebersetzer davon angeben, hat sich in unseren Ausgaben der vorangeschickte vollständige Text nicht erhalten13). Dieser Uebersetzer zeigt nicht nur Verständniss des Inhalts, sondern auch der Form; er folgte den Uebersetzungsregeln, die Maimonides selbst dem Samuel ibn Tibbon in betreff des More an die Hand gegeben (in dem oben angeführten Brief 143). Bevor er seine Uebersetzung dem Abgesandten und somit der Oeffentlichkeit übergab, schickte der gewissenhafte Uebersetzer dieselbe erst dem ben Aderet zur gefälligen Durch- 12) Für עכסאי ist עבאסי zu lesen. 13) Wohl aber im Berliner Codex.