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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1900-01-01 · No. 2. (1900) · p. Seite 11

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 2. (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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11 seiner ganzen Wesenheit nach von ihm so verschiedenen Dichter, leidenschaftslos und würdig: ,,Heine ist ein unentbehrliches Element unserer Litteratur, in ihm steckt ein grosser Dichter, vielleicht unser grösster Lyriker, nur sollte man in seinen Gedichten, wo er auf dem einen Blatte ein Gott, auf dem andern ein Teufel ist, an gewissen Stellen Warnungszeiclien aufstellen, um sich nicht den Genuss zu verderben/1 -— ,,Es ragt ins Meer der Runenstein“ zählte zu Lenau’s Lieblingsliedern. Vor Lenau’s erhabenem Ernste, vor seiner tiefen Dichtergrösse verstummte selbst Heine’s rücksichtsloser Spott. Indem er seinen Pfeil abschnellte, konnte er doch nicht einen Gruss der Anerkennung zurückhalten. Jungen aufstrebenden Talenten ging Lenau gern an die Hand, Betty Paoly und Moritz Hart mann, der ihm sein ,,Kelch und Schwert“ widmete, fanden seine lebhafte Hilfe und Ermunterung. Mit Frankl stand der Dichter über ein Viertel- Jahrhundert im intimsten Verkehr, der schliesslich zu treuer Duzbrüderschaft führte. ,,Nie kam“, wie mir der greise Poet mittheilte, ,,während der ganzen Zeit ein missliebiges Wort, oder auch nur ein scherzhafter Ausdruck über Juden aus Lenau’s Munde“. Auerbach und Frankl waren die ersten, die nach seinem Tode über ihn Schriften veröffentlichten und sein, während der langen Zeit der Umnachtung schier verblasstes Bild wieder zu neuem Leben erweckten. Lenau’s, im Jahre 1891 in Wien enthülltes, Standbild verdankt der Anregung Frankl’s und dessen fünfzehnjährigen angestrengten Bemühungen seine Existenz. (Schluss folgt.) Eduard Münz, Zum Mischnacommentar des Maimonides. Aus eiuer preisgekrönten Arbeit des stud. M. Ra hm er. II. Aus seinem eigenen Zeugniss1) ersehen wir, dass Maimonides schon sehr früh (vor dem 23. Jahre) damit beschäftigt war, einen Commentar in arabischer Sprache zu denjenigen GemaraOrdnungen zu schreiben, deren Inhalt noch gesetzliche Anwendung hat, sowie eine Zusammenstellung sämmtlicher praktischen Resultäte aus dem jerusalemischen Talmud.2) Diese talmudischen Jugendarbeiten, die gewissermassen als Vor- Studien zu seinen spätem halachischen Werken zu betrachten sind, waren schon, weil unübersetzt geblieben, in früher Zeit wenig verbreitet; nur einige Traktate werden hin und wieder von Gelehrten, welche in Aegypten lebten und des Arabischen kundig waren, erwähnt.3) 4) In der allgemeinen Einleitung zum Mischnacommentar. 2) Siehe die Vorrede des Uebersetzers von Seder Naschim .הלכות מהירושלמי כולד ferner den Mischnacommentar zu Tamid V, 1. •כבד אמרנו זה בהלכות ירושלמי שחברנו 3) Bis auf unsere Zeit hat sich, soviel man weiss, nur der Commentar zu Rosch haschana erhalten, der wegen seines wissenschaftlich-astronomisclien Inhalts wohl öfter abgeschrieben wurde. Er wird angeführt vom Commentator des Kiddusch hachodesch zu IV b, VII, 1—4, VIII, 5, X, 2. — Asarja de Rossi hat ihn ganz vor sich gehabt (Meor Enajim c. 25 s. f.) Bei diesen ersten Arbeiten schon hat Maimonides (insoweit bei den spärlich uns vorliegenden Notizen ein Urtheil möglich ist), weniger jeden einzelnen Satz oder die mannigfaltigen Meinungsverschiedenheiten zu erklären, als vielmehr eine prinzipielle Auffassung einer mehrseitigen Discussion — wie in den uns vorliegenden Responsen — zu erstreben gesucht. Allein ein Commentar zu den t-almudischen Traktaten musste doch immer noch zu sehr auf jedes Einzelne ein gehen und die meist nur mnemonisch zusammenhängenden Excurse u. Digressionen mussten dem einheitlichen Prinzip störend sein, darum glaubte Maimonides mit vollem Recht, sein Ziel, das Talmudstudium durch Systematisirung zu vereinfachen, auf einem andern Wege eher zu erreichen. — Die Misch na ist der kurze Text, an welchen die Gemara ihre Discussionen, Zusätze und Folgerungen unter den mannigfachsten Abschweifungen fügt : diesen Text nun wollte Maimonides kurz erklären. In einem solchen Commentar konnte er mit Umgehung aller talmudischen Discussionen die einfache Erklärung, die hie und da (nach der Gemara) nothwendig gewordene Berichtigung, und danach das für die Praxis endgültige Resultat aufnehmen. Er verspricht sich4) von einem solchen Mischnacommentar einen vierfachen Nutzen: ,,Erstens gebe ich dir eine einfache, ungezwungene Erklärung jeder Mischna, nach welcher nichts darin dir dunkel bleiben kann. Denn trägst du einen Talmudgelehrten nach der Erklärung irgend einer Mischna, so wird er dich auf den Talmud verweisen und dir dieselbe nicht mit wenigen Worten mittheilen können. Zweitens sollst du zu jeder Mischna die endgültige Entscheidung erfahren. Drittens lerne jeder der Weisheit sich Widmende daraus, wie man einen Satz zu erklären habe; dieses wird ihm das Talmudstudium sehr erleichtern. Viertens endlich soll damit dem Kundigen ein übersichtlicher Einblick in den ganzen Talmud gegeben sein, damit ihm beide, Mischna und Gemara, stets in ihrem Zusammenhänge vor Augen seien.“ Maimonides befolgt in seinem Commentar schon dasselbe prinzipielle Verfahren, das ihn in allen seinen späteren Werken so sehr auszeichnet. Er giebt nur den Geist der jedesmaligen Mischna wieder, ohne sich auf die speciell in ihr dargestellten Fälle einzulassen. Diese seine Darstellungsweise, an die Spitze die Summe aller einzelnen Ergebnisse das leitende Prinzip zu stellen, musste ihn sehr oft zu einleitenden allgemeinen Vorbemerkungen veranlassen. Dieses ist schon bei vielen einzelnen Mischnasätzen der Fall.5) Häufiger noch finden wir grössere Einleitungen zu vielen Perakim und zu fast allen Traktaten,6) die alles klar, kurz und *4 4) Am Schlüsse der Einleitung in die Mischna. 5) Z. B. Berachoth VII, 1, פירוש זאת המשנה צריך להקדמות וכו; Demai VI, 12 ההלכה הזאת מיוסדת על ג׳ עקריסוכ׳ ib. VII, 7; Schwiith IX נבאר עתה עקר המשנה ואח״כ נפרש ib. IX, 2. Erubin III, 5, זאת המשנה צריכה' לעקרים וכ׳ ואני אביאם לתוספת ביאור ib. III, 7, IV, 3; Pesachim VIII, 6; Ketuboth XI, ö, Kidduschin IV, 6; Gittin V, 10 u. a.; hierher gehört auch die unter dem Namen ,,Mischna חלק“ bekannte Einleitung zu Synhedr. X, 1. 6) Man vergleiche die vorzüglicheren zu : Horijoth, Jodajim, zu Sabbath, Jebamoth, Keritliot, Kinnim u. a.

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