Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 3 (19.1.1900)
- Date
- 1900-01-19
- Page
- Seite 41 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 3. Israelitische Wochenschrift. Seite 4L ein Grundstück in der Nähe der Lämmelschul zum Bau aus gesucht und den bisher für diesen Zweck gesammelten Geldbetrag als Anzahlung geleistet. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Herr Hugo Baruch, der bekannte Industrielle, Chef der Firma Hugo Baruch u. Cie. in Berlin, hat den Kronenorden 4. Klasse erhalten. — Der Prediger und Lehrer Salomon Rawitscher in Eberswalde ist in vergangener Woche, 66 Jahre alt, gestorben.— Frau Nordau, die Mutter von Dr.Max Nordau, ist in voriger Woche in Paris gestorben. — Der König von Schweden hat an seinem jüngsten Geburtstag zwei jüdische Gelehrte durch Orden ausgezeichnet: Professor Dr. Davidson in Upsala hat den Orden vom Nordstern und der Abgeordnete Dr. Philipp Leman den Wasa-Orden 2. Klasse erhalten. — In Manchester haben dort ansässige rumänische Juden einen Unterstützungsverein für einwandernde arme Landsleute gegründet. — In Honolulu (Sandwichsinseln) ist vor Kurzem die erste jüdische Gemeinde gegründet worden, jedenfalls eine Folge des Uebergangs der Sandwichsinseln in den Besitz der Vereinigten Staaten. Vakanzen. Kempen in Posen. K. u. Sch., 1800 M. Geh., 800 M. Nebeneink. Meld. an Jsaac Bloch. — Friedeberg N.-M. Sem. geb. Rel.-L., Vorb., Sch. 1200 M. Geh. Meld. an Sally Maaß. — Stargard i. P. Rabb. u. erster Rel.-L. 3000 M. Geh., fr. W. Meld. an Vorst. - Steinau a. Oder. Rel.-L-, C., Sch. 700 M. Geh., fr. W., 4—600 M. Nebeneink. Meld. an Vorst. — Bruchsal. Bezirksrabb. 2400—4400 M Geh. Meld. an Großherz. Oberrat der Israeliten in Karlsruhe. — Unruhstadt. Rel.-L., Sch., C. 1000 M. Geh., fr. W. 250 M. Nebeneink. Meld. an S. Neustädter. — Thorn. Rel.-L., C., Chorleiter. 2400 M. Anfangsgeh. Meld. an Vorst. — Posen. Kantor, 3000 M. Geh., 3000 M. Nebeneink. Meld. an Vorst, der Brüdergemeinde. Feuilleton. KM »M lik-mtz. Historische Erzählung aus der Hussitenzeit. Von Dr. A. Sammler. (Fortsetzung.) Mehr als drei Monde schon schmachteten Israel und sein Weib Sarah in diesem entsetzlichen Kerker. Seitdem die schwere, eisenbeschlagene Thür sich hinter ihnen geschlossen, hatte sie sich noch nicht wieder aufgethan; durch dieselbe Oeffnung, welche ihnen Luft zuführte, reichte man die Nahrung herab, ein Stück trocken Brod und einen Krug schmutzigen Wassers. Noch waren sie vor keinen Richter geführt worden, um ihr Urteil, ja auch nur ihre Schuld zu erfahren; es schien, als sollten sie in dieser Hölle elendiglich verschmachten. Mit schweren Eisenketten an die Kerkermauer geschmiedet, saßen sie eng an einander geschmiegt, und wenn dumpfe Verzweiflung sich in ihre zagenden Herzen schlich, dann rangen sich von ihren Lippen die altgewohnten Gebete, die Weisen des königlichen Sängers, die Psalmen, und besänftigende Ruhe zog ein in ihr gramzerwühltes Gemüt. Aber wenn auch die Spannkraft des Geistes nicht erlahmte, in ihren Körper hatten die Qualen der letzten Monate unauslöschliche Spuren gezeichnet. Ihr Haar war gebleicht, das Antlitz tief eingefallen, die Gestalt gebeugt, und in müdem Glanze lagen die schier erloschenen Augen in tiesumränderten Höhlen. Mehr als das körperliche Leid, als die Ungewißheit über ihr eigenes Schicksal fraß die Sorge um das Ergehen ihrer Angehörigen an ihrem Herzen. Wußten sie ja nicht, ob es geglückt war, Rachel in Sicherheit zu bringen, oder ob sie in die Netze des teuflischen Priesters gefallen? . . . Wiederum, wie so oft, hatte Sarah ihren bangen Zweifeln Worte geliehen, und Israel, der zwar die Sorge seines Weibes teilte, aber sein Weh zu lindern suchte, hatte sie wieder zu trösten versucht, als sie plötzlich an ihrer Kerkerthür ein bisher nicht gehörtes Geräusch vernahmen. Die schweren Eisenstaugen, die von außen an die Thür gelegt waren, wurden entfernt, jetzt drehte sich ein Schlüssel in dem oberen der Schlösser. . . . Kamen endlich ihre Befreier, die sie herausführten aus der Grabesnacht zur heißersehnten Freiheit? . .. . Sie wagten es nicht zu hoffen, die Kirche kannte kein Erbarmen. . . . Waren es die Richter, die ihr Urteil sprechen sollten? . . . Oder war das Urteil bereits gesprochen, und die Henkersknechte wollten ihr Opfer holen.. .. Während die Eingekerkerten sich in Zweifeln verzehrten, hatte sich die Pforte weit geöffnet, aber der helle Lichterglanz, der ihnen entgegendrang, blendete ihre Augen, sie erkannten nur die Umrisse einiger Männer, welche einen Tisch und mehrere Stühle in der Mitte des Kerkerraumes aufstellten, um dann schweigend, wie sie gekommen, sich wieder zu entfernen. Wenige Minuten später öffnete sich die Thür zum zweiten Male und fünf Männer in schalachroten Mänteln, die Gesichter verhüllt, traten über die Schwelle, um sich dann vor dem Tische niederzulassen. In stummer Angst warteten die Gefangenen der Dinge, die sich vollziehen sollten; wußten sie ja, daß sich in den nächsten Minuten ihr Schicksal entscheiden mußte. Nun erhob sich der Eine der Männer, und kaum hatte er zu reden begonnen, da erbebte Israel, er hatte sofort die Stimme seines Todfeindes, des Pater Ignatius, erkannt. „Der Jude Israel aus Enns und sein Weib Sarah sind bei uns, der heiligen Inquisition, eines todeswürdigen Verbrechens angeklagt. Kläger tritt vor und erfülle Deine Pflicht". Der Angeredete erhob sich, und auch seine Stimme war Israel nicht fremd, es war der Pater Sixtus vom Dominikanerkloster in Enns. „Ich klage den Juden Israel aus Enns und sein Eheweib Sarah an, daß sie von der Meßnerin Sabine Coloman aus Enns Hostien gekauft, um den heiligen Leib Christi zu besudeln und zu beschimpfen und das göttliche Brod an alle Vorstände und namhafte Juden zu gleich verbrecherischem Thun zu entsenden". „Ihr habt die Klage vernommen", begann Ignatius wieder. „Gestehst Du, Israel, und Du, Sarah, ein, solches gethan zu haben?" Mit schwacher, fast tonloser Stimme erwiderten die Gefragten: „Nein, wir haben solches nicht gethan!"