Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 3 (19.1.1900)
- Date
- 1900-01-19
- Page
- Seite 40 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 40. Israelitische Wochenschrift. Nr. 3. Dank gegen den Verfasser erfüllt sein. — Erst gegen Mitternacht fand die angeregte Debatte ihren Abschluß. Berlin, 17. Januar. (Schauturnen.) Der jüdische Turnverein „Lar Kochte“ veranstaltet am nächsten Sonntag (21. Januar), nachmittags 3^ Uhr, in der Dorotheenstraße 13/14 ein öffentliches Schauturnen, zu dem Freunde und Gönner, Herren und Damen, sreundlichft eingeladen sind. Berlin, 17. Januar. (Wohlthätigkeitsfest.) Der Jüdische Frauenverein der Luisenstadt hat in voriger Woche sein Winterfest gefeiert, dessen Ertrag, wie üblich, wohlthätigen Zwecken gewidmet war. Frau Amalie Scholem hatte wiederum die Organisation übernommen und mit erprobter Geschicklichkeit und gewohntem Gelingen durchgeführt. Die Opernvorstellungen, von Mitgliedern des Opern-Vereins ausgeführt, fanden bei der zahlreichen Zuhörerschaft lebhaften Beifall. Züllichau in Brandenburg, 14. Januar. (Zionistische Propaganda.) Die vom zionistischen Zentralkomite in Köln in der vorigen Nummer dieses Blattes veröffentlichte „Berichtigung" kann an der Thatsache nichts ändern, daß hier christliche Leute sich als berufene zionistische Agenten ausgegeben und geberdet haben. Die Namen stehen zu Diensten: Die Agenten waren der hiesige Tischlermeister Zimmer und sein aus Königsberg in Preußen heimgekehrter Sohn. Der Gegenstand ihrer vergeblichen propagandistischen Bemühungen war der hiesige Kaufmann Moritz Cohn. — Das zionistische Centralkomitä in Köln mag daran ohne Schuld sein, charakteristisch bleibt es doch, daß Unwissende und Andersgläubige sich berufen halten, die zionistischen Lehrer Israels zu sein. Sayn bei Coblenz, 14. Januar. (Aerztliches Jubiläum.) In der hiesigen „Israelitischen Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Gemütskranke" fand am 31. v. M. ein schönes Fest statt. An diesem Tag waren 25 Jahre verflossen, daß Herr Dr. Behrendt die ärztliche Leitung der Anstalt übernommen hatte. Es ist nicht zu verwundern, daß die Anstalt dieses seltene Jubiläum in der festlichsten Weise beging. In den schön geschmückten Räumlichkeiten der Anstalt versammelten sich Abends 7 Uhr die Familien der Besitzer und Aerzte, die geladenen Gäste — darunter der Bürgermeister und Gemeindevorsteher — sowie die sämtlichen zur Teilnahme fähigen Patienten. Zunächst wurde in einem der Speisesäle, der zu einem Theatersaal hergerichtet war, die Märchenoper „Hänsel und Gretel" von den Kindern der Anstaltsbesttzer tadellos aufgesührt. Hieran schloß sich das Festessen an einer sehr großen Tafel, die in dem neuerbauten prachtvollen Wintergarten aufgestellt war. Herr Jacoby feierte in einer wirkungsvollen Ansprache die Verdienste des Jubilars um das Blühen und Gedeihen der Anstalt, seine segensreiche ärztliche Thätigkeit während des langen Zeitraums von 25 Jahren, und gab feiner und seiner Familie Dankbarkeit beredten Ausdruck. Nachdem das Festessen unter den Klängen einer Musikkapelle, unter Reden und dem Absingen von eigens gedichteten Festliedern einige Stunden gewährt, begab sich die Gesellschaft wieder zurück in den Theatersoal, um der Fortsetzung der Festvorstellung, die aus mehreren Nummern bestand, beizuwohnen. Den Schluß des Festes bildete ein Tanzkränzchen. Von Nah und Fern waren telegraphisch und brieflich Glückwünsche in großer Zahl — nicht wenige von früheren Patienten — eingelaufen, Zeugnis ablegend, welcher Verehrung der Jubilar sich erfreut. Auch wir wünschen, daß es ihm vergönnt sein möge, noch viele Jahre seine segensreiche ärztliche Wirksamkeit zu entfalten. London, 14. Januar. (Die Aktien der Kolonialbank.) Die Aktien der jüdischen Kolonialbank sind jetzt fertiggestellt und werden demnächst zur Ausgabe gelangen. Sie sind auf eigens dazu fabriziertem Papier gedruckt, um die Anfertigung von Falsifikaten zu erschweren. Die Ränder der Aktie sind hellblau. Jede Ecke ziert ein Kreis, in dem ein Davidsschild mit den Initialen der Bank zu sehen ist. Unter jedem Kreis ist ein in brauner Farbe gehaltenes Bild. Oben links stellt die Zeichnung die an der Tempelmauer Jerusalems betenden Juden dar: ein Bild der Vergangenheit. An der entsprechenden rechten Seite zeigt das Bild im Vordergrund einen säenden Landmann, im Hintergrund pflügende Bauern, mit ländlicher Arbeit beschäftigte Frauen und tanzende Kinder, zusammen ein Gemälde, das nur zum Teil der Gegenwart, zumeist der Zukunft angehört. Das Bild am linken unteren Rand ist eine Allegorie von Handel und Industrie und das an der rechten Seite eine in vollem Betrieb befindliche Faktorei, beides Ausblicke auf die von der Wirksamkeit der Kolonialbank erhoffte Zukunft. Der Text ist der auf Aktien übliche, nur die auf der rechten Seite in hebräischer Sprache gedruckten Worte dürften ein Novum sein. Die lithographischen Originalzeichnungen zu diesen Aktien find von dem bekannten jüdischen Lithographen I. Jner und von anderen der Firma Angerer und Göschl in Wien angehörenden Lithographen geliefert worden. Den Druck der Aktien hat die jüdische Druckerei „Industrie" ausgeführt, deren Besitzer Herr Bergmann ist. Auf den Aktien ist das Kapital der Bank auf zwei Millionen Pfund angegeben, was auch ein — Zukunftsbild ist. St. Petersburg, im Januar. (Statistisches). Die Gesellschaft zur Verbreitung von Bildung unter den russischen Juden hat soeben ihren Jahresbericht veröffentlicht. Danach befinden sich in Rußland 480000 jüdische Kinder. Von diesen besuchen 3^ Prozent Chedorim, in denen russisch unterrichtet wird, 8% Prozent jüdische Schulen und 87^ Prozent gehen überhaupt nicht in die Schule. In 540 jüdischen Schulen werden 40000 Kinder unterrichtet; 60000 gehen in öffentliche Schulen und von den 380000 jüdischen Kindern, die gar keine Schule besuchen — zum Theil häuslichen Unterricht erhalten — kommen 130000 auf Polen. In 700 Städten giebt es überhaupt keine Schuleinrichtung für hebräischen Unterricht. Der Bericht macht auf die dringende Notwendigkeit aufmerksam, schleunigst eine größere Anzahl von Schulen zu begründen. Warschau, im Januar. (Vermächtniß). Der vor einigen Tagen hier verstorbene Kaufmann Markus Levy hat 75000 Rubel zu wohlthätigen Zwecken hinterlaffen. Das jüdische Waisenhaus erhält 3000 Rubel, die Armen der Stadt ohne Unterschied der Confession 10 000 Rubel. 60000 Rubel gelangen an eine zu begründende Stiftung zur Unterstützung von Auswanderern und 2000 Rubel an die jüdische Handelsschule. Jerusalem, im Januar. (Jüdische Bibliothek.) Das Komite zur Errichtung einer jüdischen Bibliothek hat bereits