Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 3 (19.1.1900)
- Date
- 1900-01-19
- Page
- Seite 38 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 88. Israelitische Wochenschrift. Nr. 3. stehenden Art bedürfen der landesherrlichen Genehmigung, und diese wird regelmäßig versagt, wo eine Kürzung der Ansprüche armer Verwandten vorliegt, nicht blos der rechtskräftig erstreitbaren, sondern auch der blos moralisch begründeten. Es giebt eben Instanzen, deren oberster Grundsatz „non ölet“ nicht ist. Die erforderlichen Schritte sind bereis gethan. Berlin, 16. Januar. (Die Schismatiker bei der Arbeit.) Die Adaß Jisroöl-Versammlung beabsichtigt, ein eigenes Krankenhaus für ihre Mitglieder zu errichten. Für diesen Zweck sind bereits 14000 Mark in Aussicht gestellt. Selbstverständlich wird auf der neuen Grundlage alsbald eine eifrige Sammelthätigkeit entfaltet werden. (Siehe den Artikel, „die modernen Schismatiker" in voriger und dieser Nummer.) Berlin, 17. Januar. (Richtigstellung.) Jetzt wird auch in den Tageszeitungen berichtet, daß die Adaß-Jisroöl-Vereinigung die Herren Dr. Meyer Hildesheimer und Dr. Esra Munk zu Rabbinern gewählt habe. Das ist ein Irrtum, der allem Anschein nach von interessierter Seite veranlaßt ist. Herr Dr. Meyer Hildesheimer muß auf seine Ernennung zum Rabbiner jener Vereinigung, zum mindesten warten, bis er das nötige Diplom erlangt hat. Einstweilen ist er lediglich Prediger. Hier weiß man das auch ganz genau. Es muß aber eine Adresse geben, für die die falsche Meldung geflissentlich präpariert wird. — Ebenso ist die von anderer Seite verbreitete Mitteilung von der Ernennung des Herrn Dr. Warschauer zum Prediger der Berliner Jüdischen Gemeinde ungenau. Unsere Leser wissen, daß die Ernennung zum Hilfs Prediger nur auf ein Jahr erfolgt ist. Berlin, 14. Januar. (Das Protokoll des 3. Zionistenkongresses.) Das stenographische Protokoll der Verhandlungen des 3. Zionisten-Kongresses in Basel vom 15. bis 18. August 1899 ist jetzt erschienen. Es ist typographisch hübsch ausgestattet, 262 Seiten stark und nicht ohne unterhaltende Stellen. Wir geben einige hier wieder. Der Delegierte Herr Dr. Gaster, stürmisch acclamiert, sprach über die „Kulturfrage". Er sagte unter Anderem: „Meine Freunde! Wenn die Uhr aufgezogen wird, dann steht sie, und jetzt wird die Uhr aufgezogen, die uns die Stunde unserer Befreiung schlagen soll, und darum steht sie diesen Augenblick. (Stürmischer Beifall.) Wir sind mit dem Aufziehen der Uhr beschäftigt, wir sind mit dem Heranziehen der Geister beschäftigt, wir sind jetzt daran, unserem Volk zu sagen, was wir wünschen und in welcher Weise wir es zu verwirklichen trachten... Wir lehren blos den Respekt vor unserer heiligen Lehre, aber wir bringen die Frage nicht in die Debatte und Entscheidung; denn die Entscheidung ist schon längst getroffen worden. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen) Aber wir behaupten, wenn wir uns auch jetzt alle auf einem Schiffe befinden, welches von den Wellen des Hasses getrieben wird, daß es doch einen Leuchtturm giebt, der uns zeigt, wo der Hafen der Ruhe, der Befriedigung, der geistigen Seligkeit ist: das ist die Kultur, das Bewußtsein, daß es irgendwo ein Zentrum des Lichtes giebt, welches uns den geraden Pfad des Lebens weist .... Aber hüten müssen wir uns, daß auf die Flagge, die da im Winde flattert, im Winde der jüdischen Begeisterung, daß auf die Flagge des Zionismus das goldene Kalb gezeichnet werde. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Hüten wir uns, daß die Luftlöcher mit einer goldenen Thür zugestopft werden". Diese Worte, deren Sinn uns verschlossen geblieben, hatten einen anderen Delegirten so ausnehmend gefallen, daß er unter Bezugnahme aus sie sagte: „Herr Dr. Gaster hat so schön von der Uhr gesprochen, die in Bewegung gesetzt werden soll. Aber erst muß sie stehen, und zwar auf 1. Das habe ich oben in den Schweizer Bergen, wo die Freiheit und Tell geboren wurden, gesehen. Solange die Uhr auf 1 steht, da ist Freiheit vorhanden, da muß es Frühling werden! (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Da wir dies lasen, ging es unserem Verstand, wie nach Herrn Dr. Gaster der Uhr, wenn sie aufgezogen wird: er blieb stehen. Noch sei ein Satz wiedergegeben, den der Delegierte Sir Francis Montefiore zum Vortrag gebracht: „Lassen Sie nicht, ich bitte, meine Herren, sich von Ihrem Ziele ablenken durch die Behauptung unserer Feinde, daß der Zionismus eine tiefe Verstimmung zwischen der türkischen Regierung und ihren jüdischen Unterthanen Hervorrufen könnte. Das entspricht durchaus nicht der Wahrheit, denn eine der großen Aufgaben des Zionismus besteht darin, den Versuch zu machen, von dem Sultan auf friedlichem und diplomatischem Wege diejenigen Konzessionen zu erlangen, welche das jüdische Volk in den Stand zu setzen vermögen, gesetzlich geschützte Kolonien in Palästina zu gründen. Kolonien im großen Stile ohne gesetzlichen Schutz, sind gar nicht denkbar. (Langandauernder, lebhafter Beifall und Händeklatschen.)" Das begründende „denn" ist kostbar. Der Delegierte Dr. Mayer-Schister beantragte und der Delegierte Dr. Klee unterstützte „im Aufträge des Zentral- Komitees der zionistischen Vereinigung für Deutschland" den Antrag, diese Rede des Sir Francis Montefiore in Druck zu legen und zu verbreiten. Der Antrag wurde ohne Widerspruch und unter „stürmischen Beifall" angenommmen. So klingt — mit wenigen Ausnahmen — das ganze Buch. — Berlin, 14. Januar. (Freie Stellen in Ahlem.) Wir werden darauf aufmerksam gemacht, daß die israelitische Erziehungsanstalt in Ahlem eine Anzahl Knaben, nachdem diese ihre Schulbildung und Lehrzeit vollendet haben, nächste Ostern entläßt. Es ist infolge dessen wieder Raum für die Aufnahme neuer Schüler und Lehrlinge. Wir geben Eltern und Vormündern, die Knaben in der Anstalt unterbringen wollen, anheim, sich baldmöglichst mit dieser ins Einvernehmen zu setzen. Voraussetzung der Aufnahme ist eine normale geistige und körperliche Veranlagung und ein Lebensalter von mindestens sieben Jahren. Neben der eigentlichen Berufsbildung der Gärtnerei bietet die Anstalt durch die mit ihr verbundene Schule den Zöglingen den Unterricht einer ordentlichen Volksschule, wodurch nicht nur den Knaben, die sich in der Gärtnerei ausbilden wollen, sondern auch den Kindern, die sich zu anderen Berufsarten entschließen, Gelegenheit gegeben wird, sich die nötigen Kenntnisse zu erwerben. Berlin, 15. Januar. (Bericht des Lehrerverbandsvorstands). Dem Bericht des Vorstands über die Thätigkeit des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reich für das Jahr 1899 entnehmen wir folgende Mitteilungen: Gemäß dem Beschluß der Delegiertenversammlung vom 26