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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-01-19 · 3 (19.1.1900) · p. Seite 34

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
3 (19.1.1900)
Date
1900-01-19
Page
Seite 34 (sequence 6)
Language
German
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£nie 34 Israelitische Wochenschrift. Nr 3 freilich Bedenken entstehen, ob eine Richtung sich innerhalb der Grenzen des Judentums hält; doch gerade bei der orthodoxen Richtung in ihren verschiedenen Abstufungen kann solches Bedenken nicht aufkommen. Darum geschieht offenbares Unrecht, wo die Orthodoxie Ursache hat, sich zurückgesetzt und vernachlässigt zu glauben. Es darf in keiner Gemeinde an den Einrichtungen fehlen, die dem gewissenhaftesten Bedenken der an Ritualien und Traditionen Hangenden nicht einwandfrei erscheinen. Und die Uebung des Unrechts ist hier wie überall zugleich unklug. Indem man Teile der Gemeinde zwingt, die Befriedigung ihrer Gewiffenspsttchten in Sondervereinigungen neben der Gemeinde zu suchen, lockert man nicht blos das kostbare Band der Zusammengehörigkeit, das keinen Glaubensgenossen auslaffen sollte, sondern verschärft überdies die trennenden Momente und läßt sie im Gefühl des Einzelnen deutlicher hervortreten, bahnt' man den Weg für die Absonderungsbestrebungen. So verwerflich und unjüdisch diese sind, so großen thatsächlichen Frevel am Judentum sie darftellen — auch bei denen, die ihn in guter Absicht begehen - so notwendig ist es, denen, die die religiöse Gewissenhaftigkeit Anderer zur Basis ihres Religions-„Geschäfts" machen, den Weg zu verlegen. Die gemeinsame Gefahr erfordert gemeinsame Abwehr. Ausgeschlossen von der Gemeinde Israels müssen die werden, die sich von ihr ausschließen und dadurch ihre Einigkeit zerstören, ausgeschlossen die Verführer, zurückgeleitet die Verführten! Dazu ist nichts nötig, als daß die Gemeinden so, wie oben dargelegt, ihre Pflicht thun, damit Niemand, der innerhalb des Judentums steht, fernerhin nötig habe, neben denen der Gemeinde religiöse Einrichtungen zu schaffen oder auch nur zu wünschen, damit Niemand ferner der Versuchung ausgesetzt sei, sich außerhalb der Gemeinde zu stellen. Cm Wendepunkt für die Kolmen in Palästina. In der letzten Vorstandssitzung der Anglo-Jewish- Association hat der Vorsitzende den Mitgliedern die überraschende Mitteilung gemacht, daß die Jewish Kolonisation Association, die Verwalterin der großen Stiftungen des Baron Hirsch, auf die von Baron Edmond von Rothschild gewünschte Uebernahme seiner gesamten Palästina-Kolonien eingegangen ist. Diese sollen in Zukunft von einer Kommission verwaltet werden, deren Vorsitzender Baron Edmond von Rothschild bleibt. Dieser große und großmütige Pionier in der Kolonisierung von Judäa hat damit sein Interesse an dem von ihm mit vieler Arbeit und vielem Geld geschaffenen Werk nicht aufgegeben, hat auch nicht die Absicht, die finanzielle Last abzuwälzen, die die Kolonien für ihn bedeuten. Er hat im Gegenteil eine zehnjährige Garantie gegeben und so die Besorgnis zerstreut, daß der Hirsch-Fonds das Vorrecht der Ueberwachung des Rothschildschen Unternehmens würde teuer bezahlen müssen. Baron Edmond von Rothschild ist zu diesem Schritt einfach durch den Wunsch veranlaßt worden, den ihm sehr an's Herz gewachsenen Kolonien den ferneren Bestand zu sichern. Er ist der Ansicht, daß es nicht I von Segen sein kann, solche Kolonien von dem Leben einer einzelnen Person abhängig zu lassen, und hat wahrscheinlich auch bedacht, daß die Kolonien niemals selbständig werden können, wenn die Ansiedler sicher sind, daß ein Rothschildscher Geldschrank für ihre manchmal recht lästigen Forderungen immer offen steht. Man darf überzeugt sein, daß Baron Edmond von Rothschild nicht ohne tiefstes Bedauern einen Teil seiner Verantwortlichkeit für das Ansiedelungsunternehmen an Andere abgiebt und daß nur die Einsicht, zum Besten der Kolonien zu handeln, sein Vorgehen bestimmt. Die Jewish Eolonisation Association aber hat eine schwere Verantwortlichkeit übernommen. Die Rothschildschen Kolonien gehören zwar zu den ersten und bedeutendsten ihrer Art, sind jedoch immer noch nicht selbständig: Werden die Ursachen, die bisher einen Erfolg unmöglich gemacht haben, durch einen Wechsel in der Verwaltung verändert oder beseitigt werden? Diese Frage kann im Vornhinein schwerlich bejaht werden. Auch ist es durchaus nicht sicher, daß die bisher nach Paris gerichteten Geldfocderungen aufhören werden, wril an die Stelle des Rothschildschen das Hirsch'sche Vermögen getreten ist. Auch wird die neue Verwaltung nicht völlig freie Hand haben, sondern mehr oder weniger an die bisher befolgte Politik gebunden sein. Dieser letzte Punkt ist von den englischen Direktoren der Hirsch-Stiftung besonders hervorgehoben worden. Diese Direktoren, deren einer auch im Vorstand der Anglo-Jewish-Association ist, sind auch im Zweifel darüber, ob der Wortlaut ihrer Statuten die Uebernahme der Verwaltung der Palästina-Kolonien gestattet. Einer der Herren bewies in glänzender Rede, daß die Statuten des Hirschfonds verlangten, die Stiftung solle für solche Gegenden in Betracht kommen, in die russische Juden einwandern. Zur Zeit dürfen aber russische Juden sich in Palästina nicht ansiedeln. Außerdem hat die zionistische Agitation in verschiedenen europäischen Staaten die Aussicht aus Emanzipation der Juden erschwert, ohne die Ansiedelungsmöglichkeit im Ottomanischen Reiche zu erleichtern. Alle neueren Pläne zur weiteren Ausgestaltung der Rothschild-Kolonien in Palästina find in Konstantinopel auf energischen Widerstand gestoßen. Ohne die Möglichkeit einer Ausdehnung ist es aber sehr schwierig, einen materiellen Erfolg mit den Kolonien zu erreichen, denn von Rußland, Rumänien und Galizien aus werden die Geld- und sonstigen Ansprüche an den Hirsch-Fonds von Tag zu Tage umfangreicher. Auch die Hirsch-Kolonien in Nord- und Südamerika geben den Kuratoren der Hirschstiftung noch reichlich zn thun. Diese und andere Betrachtungen rechtfertigen gewissermaßen die Stellungnahme gegen das Rothschildsche Projekt. Doch werden die Opponenten selbst schließlich zufrieden damit gewesen sein, die Rothschildsche Eesston auch gegen ihre Stimmen angenommen zu sehen. Für die Kolonien selbst ist der Uebergang in die neue Verwaltung vielleicht die einzige Chance, die zu ihrem Gedeihen führen kann. Der Niedergang dieser Kolonien wäre ein so harter Schlag für die jüdische Kolonisation, daß begreiflicherweise die ganze Sache rötlich getroffen wäre. Was begründet nun die Hoffnung auf die Möglichkeit einer Besserung? In erster Reihe hat! die neue Kommission alle Rothschildschen Erfahrungen hinter

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