Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 2 (12.1.1900)
- Date
- 1900-01-12
- Page
- Seite 27 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr 2. Israelitische Wochenschrift. hat die Gipsstraßenvereinigung einen „Row" ohne Diplom, so mußte die große Berliner Gemeinde sich schämen, gelänge es ihr nicht, einen Prediger zu gewinnen, der von dem Rabbinerseminar das Zeugnis der Reife noch nicht hat. Da aber Herr Dr. Warschauer keine Gewähr bietet, daß er in diesem Zustand dauernd verharren werde, so hat man ihn nur auf ein Jahr gewählt. — Es sind doch recht vorsichtige Herren, denen die Leitung der Berliner Gemeinde anvertraut ist. Berlin, 10. Januar. (Rücktritt des Herrn Hermann Landsberger.) Herr Hermann Landsberger, der vor etwas über einem Jahr in den Vorstand der Gemeinde gewählt worden, hat dieses Amt niedergelegt. Die Gemeindebehörden verlieren dadurch ein durch Sachkunde und unermüdlichen Fleiß gleichmäßig ausgezeichnetes Mitglied. Herr Landsberger hat über ein Vierteljahrhundert seine Arbeitskraft und Arbeitsfreude der Gemeinde gewidmet, in der Repräsentantenversammlung als Mitglied gewirkt und dann als Vorsitzender sich so glänzend bewährt, daß nach Ablauf seines Repräsentantenmandats die Vertreter aller Parteien einig waren, ihn in den Vorstand zu delegieren. So bedauerlich im Interesse der Gemeinde der Entschluß des Herrn Hermann Landsberger ist, sich von den Vorstandsgeschäften frei zu machen, so erfreulich ist es, daß der Genannte nur eine Einschränkung der auf ihm ruhenden zahlreichen ehrenamtlichen Lasten eintreten lassen und sich nicht völlig die Muße gönnen will, die er durch rastlose gemeinnützige Bethätigung vor Vielen verdient hat. Seine Fürsorge wird nach wie vor den Wohlfahrtsinstituten gewidmet sein, die in der Gemeinde aus freier Entschließung entstanden sind und in der Stille gedeihlich wirken. Er bleibt, um Beispiele anzuführen, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Magine Reim und Vorsteher der Gesellschaft jüdischer Handwerker und Künstler zur Unterstützung in Krankheitsfällen, die erst jüngst durch seine Bemühungen neuen Aufschwung genommen. Berlin, 10. Januar. (Jüdische Realschule.) Herr Direktor Dr. Stern, seither Leiter der Fürther israelitischen Realschule, hat seine dortige Stellung aufgegeben, um hier eine gleichartige Anstalt ins Leben zu rufen. Er siedelt demnächst hierher über, um die nötigen Vorarbeiten zu treffen. Ein Pensionat und Institut soll zuerst ins Leben gerufen werden. Herr Dr. Stern hat in Fürth durch seine pädagogischen Fähigkeiten ebenso wie durch seine persönlichen Eigenschaften ungeteilte Anerkennung und für die Erfolge seiner Thätigkeit dankenden Beifall gefunden. Köln, 8. Januar. (Zionistische Propaganda.) Wir erhalten vom Zentral-Komitee der zionistischen Vereinigung für Deutschland eine Zuschrift, in der gegenüber unserer Korrespondenz aus Züüichau festgestellt wird, daß satzungsgemäß nur Juden der zionistischen Vereinigung angehören und die gesammte Propaganda auf der freiwilligen Mitarbeit der Mitglieder beruht. Es ist daher ausgeschlossen, daß, wie in jener Korrespondenz gesagt worden, ein nichtjüdischer Mann mit Wahrheit behaupten konnte, er sei mit der zionistischen Propaganda beauftragt. — Wir vermuten, daß eine Verwechselung vorliegt. Der freiwillige Agitator wird ein Sabbatianer neuester Prägung sein und freiwillig in Zionismus machen. Das zionistische Zentralkomitee ist dafür natürlich nicht verantwortlich. Sei'^ 27. Jnowrazlaw, 7. Januar. (Aus Stadt und Gemeinde.) In der ersten diesjährigen Stadtverordneten-Sitzung vom 3. dieses Monats wurde der Kommerzienrat Herr Julius Levy wiederum einstimmig zum Vorsitzenden gewählt. In dieser Sitzung teilte der Vorsitzende mit, daß der Stadtverordnete Herr Moritz Hendelsohn zur Leitung der Sitzungen eine silberne Glocke gespendet habe; dem Spender wurde der geziemende Dank votiert. — Durch das ständige Anwachsen der hiesigen Bevölkerung war es nötig geworden, auch die Zahl der Stadtverordneten von 24 aus 30 zu erhöhen. Bei den städtischen Wahlen wird hier nicht aus die politische Färbung der aufzustellenden Kandidaten gesehen, sondern es sind nationale und^, in Verbindungen damit, konfessionelle Unterscheidungen, die gegeneinander stehen. Den energischen und umsichtigen Bemühungen des Bankier Salomonsohn ist es gelungen, eine gütliche Verständigung herbeizusühren" und die Kandidaten nach den drei Konfessionen gleichmäßig zu verteilen. Die Wahl der Stadtverordneten vollzog sich glatt, je zehn evangelische, katholische und jüdische Stadtverordnete wurden gewählt. So sind in der Stadtverordnetenversammlung alle drei Konfessionen in gleicher Stärke vertreten. Der Vorsitzende des Kollegiums ist ein Jude, in dem Magistrat haben zwei jüdische Stadträte Sitz, und trotz dieses erfreulichen Verhältnisses fehlt es in Jnowrazlaw nicht an Antisemitismus. Leider fehlt es auch im jüdischen Lager selbst nicht an bedauerlichen Erscheinungen, an Hochmut und Neid und — der Quelle alles Uebels: — religiöser Indifferenz. Gleiwitz, 9. Dezember. (Spende.) Herr Kommerzienrat Eduard Arnhold in Berlin hat aus Anlaß seines 25jährigen Jubiläums als Chef der Firma Caesar Wollheim dem oberschlesischen israelitischen Waisenhaus in Rybnik 5000 Mark und der israelitischen Kinderheilstätte zu Königsdorf-Jastrzemb 2500 Mark zugewendet. Beide Institute haben hier ihren Verwaltungssttz. Emmendingen i. Baden, 7. Januar. (Friedhofseinweihung). An die vor einigen Wochen stattgehabte feierliche Einweihung des neuen Friedhofs sind wir hier dadurch erinnert worden, daß die Predigt, mit der Herr Bezirksrabbiner Dr. Levin von Freiburg den Weiheakt vollzog, jetzt im Druck erschienen ist. Der tiefe Eindruck, den seiner Zeit die Hörer gewonnen, macht sich unvermindert auch den Lesern fühlbar. Ems, 7. Januar. (Mädchenheim). Der zweite Jahresbericht des Israelitischen Central-Waisen- und Mädchenheims, der soeben ausgegeben worden, enthält erfreuliche Meldungen. Das Institut, das die Zahl seiner Zöglinge im vergangenen Jahr aus 31 erhöht hat, besitzt in Frl. Jenny Lazarus aus Breslau eine vortreffliche Leiterin. Herr Rabbiner Dr. Weingarten führt die Oberaufsicht und erteilt den Religionsunterricht, die materielle Lage der Anstalt bessert sich und läßt eine Erweiterung des Wirkensgebiets erwarten. Das Vermögen des Instituts besteht aus seinem mit 70000 M. zu Buch stehenden Grundstück und M. 21510,82 Effecten. Der vorjährige Rechnungsabschluß balanciert mit M. 21510,75. Die Jahresbeiträge und Spenden beliefen sich auf M. 16 715,13, die Zinserträge M. 954,35, die Pflegebeiträge von Gemeinden M. 1023,33. Diese M. 18 682,81 übersteigen bereits die laufenden Ausgaben von M 16726,21.