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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-01-12 · 2 (12.1.1900) · p. Seite 26

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
2 (12.1.1900)
Date
1900-01-12
Page
Seite 26 (sequence 14)
Language
German
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Seite 26. r Israelitische Wochenschrift. Nr. 2. der 1879—1895 der Gemeinde treue Dienste geleistet. Es folgt die Wahl des Bureaus. Zum ersten Vorsitzenden wurde mit 13 von 17 Stimmen Herr Louis Sachs gewählt. Bei der Wahl des ersten Stellvertreters lauteten 9 Stimmzettel auf Herrn Justizrat Apolant, 9 waren unbeschrieben; zum zweiten Stellvertreter wurde Herr Löwenberg mit 17 von 18 Stimmen gewählt. Zu Schriftführern wurden die Herren Willibald Löwenthal und Professor Blaschke berufen. — Herr Oppenheim erstattet Bericht über den Rechnungsabschluß der Fürsorge-Kommission, deren Thätigkeitsergebnisse er als sehr erfreulich bezeichnet. Die Nachbewilligung der Mehrforderung wird ausgesprochen. — Es folgt die Interpellation des Herrn Professor Lewin über die Thätigkeit der Rabbiner-Wahlkommission. Er hätte, meinte der Interpellant, dey einen Punkt herausgeholt aus einer ganzen Reihe von Distgen, die seit Jahren sein Befremden erregt hätten. Er könne nicht einen, sondern eine Reihe von Beschlüssen aus Kommissionsberatungen mitteilen, die schließlich im Sande verlaufen seien oder heute sich in einem Zustand befänden, den man vielleicht büreaumäßig als io suspenso bezeichnen könnte, der aber thatsächlich einer völligen Beiseitestellung gleichkomme. In diesem Stadium befände sich auch die Frage betreffs Abgrenzung der Thätigkeit der Rabbiner und Kantoren. In einer der Kommissionssitzungen sei vom Vorstand selbst der Antrag gestellt worden, keinen Rabbiner zu wählen, bevor diese Frage erledigt wäre. In der That sei auch im Vorstand die Neigung und der Wunsch vorhanden gewesen, die Sache zum Austrag zu bringen. Zur Erledigung aber ist nichts geschehen. Häufigen Klagen über die Rabbiner würde der Boden entzogen werden, wenn man für die Rabbiner ein bestimmtes Arbeitsprogramm aufgestellt hätte. Er erinnere auch noch an die Frage des Normal-Besoldungsetats. Innerhalb eines Jahres sei eine einzige Sitzung in dieser Frage gewesen. So groß die Unterschiede zwischen den Parteien in der Versammlung sein mögen, der Wunsch müsse ihnen gemeinsam sein, daß das, was beschlossen würde, auch ausgeführt werden müsse. — Herr Vorsteher Jacoby erwidert, daß die Arbeit der Kommission bereits im Jahr 1897 für beendet erklärt worden sei. Die Kommission wollte sich mit dieser Sache aus dem Grunde nicht befassen, da die Rabbiner bezüglich ihrer Thätigkeit feste Verträge mit der Gemeinde hätten. Man könne auch nicht allen Rabbinern bestimmte Bedingungen stellen. Man müsse unterscheiden zwischen den hervorragenden Rabbinern und denen, deren Leistungen nicht so große seien. Hiernach seien auch die Instruktionen zu bemessen. Die Versammlung möge doch den Kommissionen Ausgaben erteilen, die sie zu erfüllen imstande seien, sie möge doch ein Reglement für die Rabbiner aufstellen. Die Erledigung der Frage sei überaus schwierig. Infolge der Neuanstellung der beiden Rabbiner werde man jedoch notwendig auch diese Frage wieder in Erwägung ziehen müssen und hoffentlich zur Lösung kommen. Einen Normal-Besoldungsetat könne die hiesige Gemeinde, wie er bereits einmal ausgeführt hätte, wohl für die unteren Beamten, aber nicht für die höheren durchführen. (Der Herr Vorsteher scheint von einem „Normal-Besoldungsetat" etwas individuelle Auffassungen zu haben, sonst würde er eine so wunderliche Behauptung nicht aufsteüen. Anmerkung der Redaktion.) Die Vorlage befände sich innerhalb des Vorstandes in der zweiten Lesung. — Auf Antrag des Interpellanten, der genügende Unterstützung erhält, findet eine Besprechung der Anfrage statt. Herr Professor Lewin weist auf den Widerspruch in den Ausführungen des Vorredners hin, der zunächst den Antrag für unausführbar erklärte und dann dessen Erwägung in baldige Aussicht stellte. Es wäre sehr wohl Gelegenheit gewesen, den Rabbinern eine neue Arbeitsthätigkeit zuzuweisen, da vor gar nicht langer Zeit erst die lebenslänglichen Kontrakte mit ihnen abgeschlossen worden seien. Bei dieser Gelegenheit wäre es sehr angängig gewesen, in diese Dinge Ordnung zu bringen. Er habe die Ueberzeugung, daß seine Anregung genügen werde, um beim Vorstand ein schnelleres Tempo in diesen Dingen zu veranlassen. Er wolle nur dagegen Einspruch erheben, als trüge irgend einer in der Versammlung an der Verschleppung der Angelegenheiten mit Schuld. — Herr Vorsteher Jacoby erklärt, daß die Erwägungen, die jetzt angestellt würden, grundverschieden von den früheren seien. Er halte die Abgrenzung der Thätigkeit der Rabbiner für notwendig, aber er könne noch nicht entscheiden, ob sie möglich sein werde. — Debattelos wurden alsdann die nächsten drei Punkte bewilligt, der Erlaß der Beiträge der Koscherfleischhändler zum Pensions- und Unterstützungsfonds, die Erhöhung der Subvention an das jüdische Krankenhaus in Memel auf 300 Mk. für das Jahr 1900 und die Genehmigung eines neuen Mietvertrags auf 3 Jahre für den Geflügelschlachthof. Eine lange Debatte veranlaßte die Vorlage betreffend Errichtung eines Baubüreaus und Anstellung eines Büreaubeamten. Die Notwendigkeit eines derartigen Büreaus wurde von allen anerkannt, doch wurde von mehreren Rednern der Wunsch nach einer detaillirten Vorlage betreffs der Abgrenzung der Funktionen des Büreaubeamten ausgesprochen. Die Versammlung vereinigt sich schließlich auf den Antrag Apolant, die Vorlage des Gemeindevorstands zu genehmigen und das Ersuchen an diesen zu richten, eine neue Vorlage betreffs der erwachsenden Kosten und der Funktionen des Beamten zu veranlassen. Hiermit schließt die öffentliche Sitzung, der eine längere geheime folgte. Berlin, 7. Januar. (Predigerwahl). Die Repräsentanten haben am Sonntag in geheimer Sitzung der Berliner Gemeinde mit der denkbar knappsten Mehrheit einen neuen Prediger auf ein Jahr gewählt: Herrn Dr. Warschauer. Die Wahl war nicht ohne Schwierigkeiten zu erzielen. Der Zionismus, der Sozialismus, der religiöse Radikalismus des Bewerbers standen im Weg. Doch der und jener wußte zu erzählen, daß der Warschauersche Zionismus keine Ueberzeugung, sondern eine Kinderkrankheit sei, daß sein Sozialismus ihm bereits bis auf die Erinnerung entschwunden, und daßsein religiöser Radikalismus nur dieschämige Gewandung einer tiefen positiven Bekenntnistreue bilde. Doch alles das hätte nichts geholfen, wäre dem Bewerber nicht eine Eigenschaft zu gute gekommen, die den Ehrgeiz der Gemeinde- Vertreter bestach: Herr Dr. Warschauer hat sein Examen noch nicht gemacht, und gerade das macht ihn für die große Berliner Gemeinde zum rechten Mann. Hat die Reformgemeinde sich einen Prediger unter Erlaß der Prüfungen genommen,

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