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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-01-12 · 2 (12.1.1900) · p. Seite 20

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
2 (12.1.1900)
Date
1900-01-12
Page
Seite 20 (sequence 8)
Language
German
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Seite 20. Israelitische Wochenschrift. Nr. 2. als sie, selbst zur Vermeidung einer Spaltung, gehen durfte. Glücklicherweise ist auf der anderen Seite der Uebermut so groß gewesen, daß man mit dem Angebotenen sich nicht begenügte, sondern die oben wiedergegebenen Forderungen stellte, die ihre Urheber nicht einmal persönlich zu vertreten wagten. In der auf den 10. Dezember anberaumten Verständigungszusammenkunft konnten zwei Mitglieder des Vorstands der Adaß-Jisrovl-Vereinigung nicht erscheinen — sie waren „behindert", ohne Angabe von Gründen, „behindert", wo es sich um eine Lebensfrage der Gemeinde handelt! — und deshalb wurde das Ultimatum, das bedingungslose Unterwerfung forderte, schriftlich überreicht. Der Vorstand der Gemeinde, der sich zum Harakiri nicht entschließen wollte, antwortete, daß er die Anforderungen in ihrer Gesamtheit „mit der Würde der Gemeinde und deren statutarischen Bestimmungen nicht in Einklang zu bringen vermöge." In einem folgenden Artikel werde ich die Drahtzieher der ganzen schtsmatischen Bewegung, ihre Beweggründe und ihre Absichten beleuchten. (Schluß folgt.) Zu dem Appell des Herrn I. Kühr in Waldenburg au die Kullusbeamteu. „Hab' ich des Menschen Kern erst untersucht, So weiß ich auch sein Wollen und sein Handeln". Mein Freund Bähr hat einen Artikel vom Stapel gelassen, daß allen ängstlichen Gemütern die Zähne davon klappern mußten. Nicht mehr und nicht weniger, denn den Aufruhr predigt er im Bezirk der jüdischen Lehrervereine, den Abfall und die Losreißung der Kultusbeamten von dem großen allgemeinen Verband uns» ihren Zusammenschluß zu einem Sonderbund. Und warum alles das? — Weil die Darlegung meiner persönlichen Ansicht über die rechte Art der Beitragsbestimmung bei den jüdischen Lehrer-Hilsskassen seiner Meinung darüber widerstreitet. Zwar hat er auch sonst noch Gründe dafür, aber gewiß haben meine Ausführungen in jener Sache bei ihm dem Faß den Boden ausgeschlagen. Die Kultusbeamten sind, seiner Meinung nach, trotz ihrer Zugehörigkeit zu den Lehrervereinen und zum Lehrerverband, ein gar verlassenes und mißachtetes Völkchen, das keinen wahren Annehmer hat und das nur von den Brosamen der glücklichen „Lehrer" lebt. Und weil die „Lehrer" kein Verständnis und kein Herz für diese Armen haben und ihrer ganzen Veranlagung nach auch nicht haben können, darum ist die Gründung eines eigenen Vereins der Kultusbeamten eine Notwendigkeit, die das beginnende neue Jahrhundert schnellstens zu berücksichtigen hat. Wir wollen hoffen, daß Herrn Bähr seine eigenen Worte in Druckerschwärze anders anmuten, als da er sie selbst zu Papier gebracht hat. Er müßte nicht der klare Kopf, der Mann mit starkem Gemeinstnn und der lautere Charakter sein, als den ich ihn seit langen Jahren kenne, um das, was er dort geschrieben, auch in ruhiger Stunde gutzuheißen. Mein Freund Bähr hat ein heißes Herz, das sich leicht überstürzt und schnell überströmt, und doch ist kein Arg in ihm. — Es hat sich ihm eine Ueberzeugung festgesetzt, abseits von unserem Streit um die rechte Beitragsfixierung, eine Ueberzeugung und eine Wahrheit zugleich, die ihn den „Kultusbeamten" in unseren beruflichen Vereinigungen nicht genügend beachtet und berücksichtigt finden läßt, und das ist nun durchgebrochen an einer Stelle, die wahrlich nicht die passendste gewesen, und in einer Form, die nimmer die rechte ist. Aber, wie gesagt, in dem, was er meint, hat er unbedingt recht. Nicht, daß die Kultusbeamten in unseren beruflichen Vereinigungen in böser Absicht zurückgesetzt werden, daß man ihrer Person allgemein eine geringere Bedeutung beilegt, als der eines „Lehrers", daß es grundsätzliche Verschiedenheiten zwischen ihrer beiderseitigen Stellung giebt, die in der gemeinsamen Verbindung nicht die gleiche Berücksichtigung erfahren können, — aber thatsächlich geschieht für Sonderinteressen der Kultusbeamten in unseren Vereinen wie im Verband so gut wie nichts, thatsächlich herrscht dort nicht blos äußerlich der Name der „Lehrer" vor, sondern auch deren spezielles Interesse, thatsächlich genießen die Kultusbeamten nur soweit einen Nutzen von unseren Vereinigungen, wie sie als „Lehrer" in Betracht kommen. Während die „Lehrer" ihre gesamten beruflichen Bestrebungen in unfern Vereinen und im Verband berücksichtigt und gefördert sehen, müssen die Kultusbeamten daneben noch sehr viel zur vollen „Befriedigung" ihrer Wünsche in ähnlicher Beziehung entbehren. Das ist aber nicht, wie mein Freund Bähr meint, ein Fehler in der Naturanlage der „Lehrer", daß sie als solche die Verhältnisse und besonderen Bedürfnisse der Kultusbeamten gar nicht zu verstehen vermögen: das ist auch kein Mangel an Gefühl für deren Sonderinteressen, sondern einfach ein Fehler oder eine Unvollkommenheit in der Organisation der Vereine und eine Unachtsamkeit oder eine Unklarheit in der rechten Erfassung ihrer Aufgaben, — Fehler, die leicht beseitigt werden können, wenn erst einmal mit Ernst und Nachdruck daraus hingewtesen worden. Es kann nicht daran gezweifelt werden, daß man an gehöriger Stelle einem so berechtigten Verlangen auch willig nachzukommen geneigt ist. In dieser Hinsicht hoffe ich, daß der Bährsche Appell seine Wirkung nicht verfehlen wird. Denn zugegeben selbst, was man dagegen einwenden könnte, daß die Lehrervereine wirklich ursprünglich nur als Verbindungen der Lehrer und zu deren spezieller beruflichen Förderung geschaffen worden, so machen es doch die veränderten Verhältnisse der Kultusbeamten, die sich seit dem Ausscheiden der ausländischen Elemente sozial bedeutend gehoben haben und augenscheinlich durch die erstrebte fachmännische Vorbildung bald auch dahin gelangen werden, einen eigenen Stand zu bilden, notwendig, daß man den Kultusbeamten in unseren Vereinen weitgehende Konzessionen macht, um ihnen den Aufenthalt daselbst dauernd angenehm und zufriedenstellend zu gestalten, sonst dürften sie uns wirklich einmal aus unserer Verbindung entschlüpfen, und wir würden es um unsertwillen, wie um der Gesamtheitwillen dann schmerzlich

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