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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1900-01-05 · 1 (5.1.1900) · p. Seite 11

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
1 (5.1.1900)
Date
1900-01-05
Page
Seite 11 (sequence 22)
Language
German
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Nr 1 Israelitische Wochenschrift. Seite 11 ebenso geschätzt wegen Ihrer reichen Erfahrungen, wie beliebt wegen Ihres edlen, hochherzigen Charakters. Nehmen Sie daher, verehrter Herr Jubilar, unsre aufrichtigsten Glückwünsche am heutigen Tage entgegen! Möge es Ihnen vergönnt sein, sich der großen Erfolge, die Sie durch Arbeit und Fleiß errungen haben, noch lange zu erfreuen! Mögen Sie noch lange den reichen Lohn genießen, zu schauen, wie Ihr durch Arbeit und Fleiß gegründetes Werk auf- und ausgebaut wird an Ihren Kindern und Kindesktndern. Jnowrazlaw, den 26. Dezember 1899. Der Magistrat. Dr. Kottath, Bürgermeister. Die Stadtverordnetenversammlung Julius Levy, Kommerzienrat, Stadtverordneten - Vorsteher." Die vorher erwähnte Adresse lautet: „Hochverehrter Herr Stadtrat! Während Ihrer nunmehr 50jährigen Wirksamkeit haben Sie, hochverehrter Herr, als Kaufmann und Industrieller in unsrer Stadt bahnbrechend gewirkt. Die kommenden Generationen werden Sie als einen der ersten Pioniere preisen, welcher die spätere größere Entfaltung vorausahnend, die Dampfkrafc für den Dienst der gewerblichen und industriellen Thätigkeit angewandt hat. Sie haben dadurch der Entwicklung unsrer Stadt und unsrer gesummten Heimatprovinz die Wege gewiesen und zur gegenwärtigen Blü^ den Grundstein gelegt. In dankbarer Würdigung Ihrer großen Verdienste um unfern Stand nahen wir uns Ihnen am heutigen Tage mit unfern aufrichtigsten Glückwünschen. Möge es Ihnen noch lange vergönnt sein, in geistiger und körperlicher Frische die Erfolge Ihrer Thätigkeit zu genießen. Jnowrazlaw, den 26. Dezember 1899." (Zahlreiche Unterschriften.) — Der Jubilar hat anläßlich seines Jubiläums der Stadt Jnowrazlaw 2000 Mark mit der Bestimmung gestiftet, daß die Zinsen jährlich zu Prämien für drei Zöglinge der 1. Klasse der Simultantenschule verwendet werden. Straßburg, 2. Januar. (Vvrstandswahl.) Um gesunde Verhältnisse in unserer Gemeinde herbeizusühren, hat sich vor Kurzem ein Wahlkomit^, bestehend aus Elsässern und Altdeutschen, gebildet und in der am 31. Dezember v. I. stattgefundenen Wahl der Synagogen - Verwaltungskommissivn Männer vorgeschlagen, die, wie es im Wahlaufruf hieß, sich nur Aufgabe gestellt haben, eine allgemeine Versöhnung herbeizusühren, Friede und Eintracht in der Gemeinde zu halten, den Religionsunterricht zu regeln und zu heben. Die zwölf vvrgeschlagenen Kandidaten, die mit großer Stimmenmehrheit gewählt wurden, sind: Max Blum, Isaak Hommel, Jacques Hirsch, Hippolyte Kahn, Joseph Feist, Sylvian Krvemer, Abraham Oppenheimer, Adolf Netter, Isaak Schuhl, Fernond Schwartz, Fernond Weill und Gustav Weil. Möge es der neugewählten Kommission gelingen, ihr Amt zur Zufriedenheit der Gemeindemitglieder zu führen, und ihrem Prvgamme zum Wohl der Gemeinde gerecht zu werden. — Am Sonntag den 7. d. M. wird hier Herr Dr. Mormorek aus Popis einen Vortrag über den Zionismus halten. Ob die Heilslehren der Zionisten hier den geeigneten Boden finden werden, ist sehr fraglich. Karlsruhe, 3. Dezember. (Beförderungen.) Der Großherzog hat das Mitglied des Oberrates der Israeliten Herrn Regierungsrat Dr. Mayer zum Geheimen Regierungsrat ernannt und Herrn Stadt- und Konfcrenzrabbiner Dr. Appel in Karlsruhe das Ritterkreuz I. Klasse vom Zaehringer Loewen verliehen. Stadt- und Bezirksrabbiner Dr. Lewin in Freiburg ist vom Großherzog auf Vorschlag des Oberrates zum Konferenzrabbiner ernannt worden. London, 2. Januar. (Namensänderungen.) „Nicht Jeder", sagt Macauley, „fühlt den Beruf zum Märtyrertum, und es liegt darin kein sonderlicher Vorwurf". Von den Juden ist man beinah zu behaupten versucht, daß sie den Beruf wirklich gefühlt haben. Sicherlich hat kein anderes Volk so viel, so lange und so standhaft für seine Religion gelitten. Selbstverständlich hat es auch immer Juden gegeben, die kein Herz für den Kampf hatten, denen Religion und Stammestreue nicht höher standen als die Behaglichkeiten des Lebens. Wir urteilen etwas streng:r als Mrcauley, doch können wir nicht nachsichtslos alle die verdammen, die, um den täglichen Plackereien gelbsüchtiger Antisemiten sich zu entziehen, im Namenswechsel ihr Heil suchen. Sie würden ganz gewiß nicht ohne starke Beweggründe Bezeichnungen und Namen, die Hohepriester und Propheten verherrlicht haben, selbst mit guten, alten, deutschen- Namen vertauschen. Daß unsere Antisemiten, deren Treiben diese Schwächlinge zu diesem Schritt bestimmt, ihre Wahl beschränken wollen, ist charakteristisch und harmoniert vollkommen mit ihren übrigen Lehren und Grundsätzen. Herr Liebermann v.on Sonnenburg aber hat ganz Recht — man zögert begreiflicherweise mit dem Geständnis, das man in irgend welchem Punkt mit diesem Herrn einverstanden ist —, er hat aber unwiderftreitlich Recht, wenn er behauptet, daß Jeder ein unveräußerliches Anrecht an seinen Namen hat. Ein unveräußerliches, Herr Liebermann von Sonnenburg, aber kein ausschließliches! Selbst Liebermann von Sonnenburg wäre ohne das Adelsprädikat nicht mehr sacrosankt als Lehmann und Schulze und andere gute deutfche oder sogar niedersächstsche Namen. Der brutale Vorschlag — wir ignorieren den Humor — daß Juden, die ihren Erbnamen ablegen wollen, sich mit Buchstaben oder Nummern begnügen müßten, ist etwas gewagt von antisemitischer Seite, wenn man bedenkt, wie viele der Sorte sich für solche Namenklatur qualifiziert haben, wie vielen Leitern der Partei die unbestrittene Auszeichnung in den Staatsgefängnissen zu Teil geworden. Der zweite Vorschlag — auch hier ignorieren wir den Humor — geht weiter noch als die gewohnten Angriffe auf die Juden. Ec will Staatsbeamte zwingen, den Antisemiten in die Hände zu spielen. Regierungspräsidenten sollen für unparteiische Deutung der Gesetze, für Deutung, die den Juden nicht ungünstig ist, bestraft, sollen durch Spottnamen verhöhnt werden. Schmuhl von Schmuhl: Der Name klingt gar nicht so schlecht. Doch Strafe und Belohnung gehn Hand in Hand. Wäre es nicht angemessen, den hehren Namen Liebermann-Sonnenburg als Ehrentitel zu verwenden und die thätigsten Mitglieder der antisemitischen Gemeinschaft damit zu belohnen? Ahlwardt- Liebermann-Sonnenburg! wer würde nicht um solche Auszeichnung ringen? — Aus dem Bericht in der „Wochenschrift" geht nicht hervor, welchen Eindruck die Rede des Herrn Liebermann v. Sonnenburg auf den Reichstag gemacht hrt; doch sind hiesige Lehrer der Hoffnung, daß nur aus Versehen die üblichen Einklammerungen „Spöttisches Gelächter", Unwille

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