Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 1 (5.1.1900)
- Date
- 1900-01-05
- Page
- Seite 10 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Israelitische Wochenschrift. sJtr. 1. er die Schwierigkeiten, die sich bei diesem Modus für die , Geschäftsführung ergeben, nicht verkenne. Im Interesse einer gerechten Lastenverteilung wurde der ursprüngliche Besteuerungsmodus beibehalten, nachdem auch der Versicherungstechniker Herr Fröhlich sich für diesen ausgesprochen hatte. Doch sollte, falls sich aus dieser Art der Besteuerung für die Geschäftsführung zu große Schwierigkeiten ergeben, in späterer Zeit zu fixierten Beiträgen übergegangen werden, vorausgesetzt, daß dadurch die Lasten nicht erhöht würden. Auf Vorschlag des Herrn Fröhlich wurden dann die prozentualen Beiträge, wie sie im Paragraph 7 festgesetzt sind, durchweg um die Hälfte ermäßigt und das Amendement Steinhardt angenommen, wonach statt der Worte „des nachgewiesenen Gesamteinkommens", „des jeweilig zur Steuer veranlagten Einkommens" gesetzt werden solle. Die Anträge des Vereins „Mendelssohn" zu Hamburg wurden in folgender Fassung angenommen: Paragraph 2 lautet: In die Kasse werden ausgenommen alle Mitglieder der zum Verband gehörenden Vereine, die innerhalb des deutschen Reichs wohnen, das 40. Lebensjahr nicht überschritten haben und gesund sind. Paragraph 3 lautet in seinem ersten Absatz: Der Antrag um Aufnahme in die Kasse muß bei denen, die von einer jüdischen Gemeinde oder von Verwaltungen wohlthätiger oder sonstwie gemeinnütziger Institute besoldet werden, von diesen durch die betreffende Gemeinde beziehentlich Verwaltung bei dem Kuratorium gestellt werden. — Jnbetreff des Antrages des Vereins jüdischer Religionslehrer Ostpreußens, überreicht durch Herrn Peritz, wurde folgender Vorschlag der Kommission angenommen: „Jnanbetracht, daß die Anträge des Herrn Peritz einschneidende Aenderungen der Grundlagen, auf denen die Kasse beruht, enthalten, erachtet das Kuratorium sich für inkompetent, ohne die Meinung der Einzelvereine über diese Aenderungen vorher eingeholt zu haben, Stellung zu diesen Aenderungen zu nehmen, und empfiehlt, sämtliche Anträge des Herrn Peritz auf Aenderung der Statuten und auf Einrichtung eines allgemeinen Lehrerkassentages mit den Erläuterungen den Einzelvereinen zur Vorberatung zu überweisen". — Endlich wurde noch folgender Beschluß gefaßt: „Die Kasse tritt in Kraft am ersten Tag nach Ablauf des Monats, in dem die Aenderungen der Satzungen die Genehmigung der Aufsichtsbehörde gefunden haben". — Zum Schluß teilte der Herr Vorsitzende noch mit, daß er infolge seiner zu Ostern bevorstehenden Uebersiedlung nach Frankfurt am Main gezwungen sei, den Vorsitz niederzulegen. Herr Hauff erklärte sich unter der Voraussetzung, daß das Provisorium nur ein kurzes sei, bereit, die Geschäfte des Vorsitzenden zu führen, bis ein neuer Vorsitzender gewählt sei. Berlin, 2. Januar. (Gemeindeschüler-Verein.) Am 10. Dezember vorigen Jahres versammelte sich eine größere Anzahl von ehemaligen Schülern der Knabenschule der jüdischen Gemeinde zu Berlin behufs Gründung eines Vereins. Es wurde ein Komitee gewählt, das die weitere Agitation in die Hand nehmen soll. Das Komitee ladet jetzt alle ehemaligen Schüler der Knabenschule der jüdischen Gemeinde zw einer konstituierenden Generalversammlung am Sonnabend, den 6. Januar, abends pünktlich 8 Uhr (oberer großer Saal der Gratweilschen Bierhallen, Kommandantenstraße 77—79) mit der Bitte um zahlreiches Erscheinen ein. Züllichau in Brandenburg, 3. Dezember. (Zionisttsche Propaganda.) Hier kam dieser Tage ein christlicher Tischler mit seinem aus Königsberg in Preußen heimgekehrten Sohn zu einer jüdischen Dame und suchte diese zum Zionismus zu bekehren. Die Leutchen gaben sich ohne Scheu als Agenten, die dazu angestellt sind (und sie wären nicht die einzigen), für den Zionismus Propaganda zu machen. Das „auserwählte Volk" gehöre in das „heilige Land". War die Ueberzeugungs- und Ueberredungskraft auch nicht weither, so waren die Leute doch genau über alles Zionistische unterrichtet. Auf den Einwurf, daß ein verwandter Rabbiner dem Zionismus gegnerisch gegenübersiehe, erwiderten sie, daß in der Gemeinde des Genannten eine zionistische Ortsgruppe sich gebildet habe! Unwissende und Andersgläubige — das sind die zionistischen Lehrer Israels. Jnowrazlaw, 2. Januar. (Bürgerjubiläum.) In voriger Woche feierte der Stadtrat und Fabrikbesitzer, Gemeindevorsteher Herr A. Kurtzig unter allgemeiner Beteiligung sein fünfzigjähriges Bürger- und Geschäftsjubiläum. Herr Kurtzig hat sich als Pionier der ostdeutschen Industrie bewährt. Seit fast fünfundzwanzig Jahren ist er unbesoldeter Stadtrat. Die ersten Gratulanten bei der Jubiläumsfeier waren Vorstand, Repräsentanten und Rabbinat der Gemeinde. Rabbiner Dr. Kohn und Stadtverordneter Hendelsohn hielten namens der Gemeindebehörden herzliche Ansprachen. Stadtrat Kommerzienrat Göcke brachte die Glückwünsche der Loge und der Handelskammer dem Erbauer der ersten Dampfmaschine in der Stadt und überreichte eine kunstvolle Adresse der Handelskammer und der Jnowrazlawer Kaufmannschaft. Bürgermeister Dr. Kollath erschien an der Spitze einer Deputation der städtischen Verwaltungskörper der Stadt mit einer Adresse, die folgenden Wortlaut hat: „Arbeit und Fleiß, das sind die Flügel, Sie führen über Strom und Hügel!" Arbeit und Fleiß! Das war der Inhalt Ihrer fünfzigjährigen Thätigkeit in unserer Stadt, auf die Sie, hochverehrter Herr Jubilar, an dem heutigen Tage mit stolzer Freude zurückblicken dürfen. Als Jüngling kamen Sie hierher, erfüllt mit ernster Schaffensfreudigkeit, rastlos haben Sie sich die langen Jahre hindurch als Mann bethätigt, als Greis sind Sie heute umgeben und gefeiert nicht nur von liebenden Verwandten, sondern auch von weiten Kreisen Ihrer Mitbürger und Freunde aus Stadt und Land. Wenn auch wir, die städtischen Behörden, beschlossen haben, Ihnen, hochverehrter Herr Stadtrat, an Ihrem Ehrentage unsere Glückwünsche darzubringen, und unserer Anerkennung Ihrer vielen Verdienste Ausdruck zu verleihen, so geschieht dies, weil uns ein herzliches Gefühl der Kollegialität und Dankbarkeit dazu treibt. Sie haben, hochverehrter Herr Jubilar, unserer Stadt als Vorkämpfer v für Handel und Gewerbe unschätzbare Dienste geleistet. Sie haben unter den schwierigsten Verhältnissen mit Thatkraft und Ausdauer große industrielle Werke nicht nur gegründet, sondern auch erhalten und gefördert. Sie haben durch Ihre bahnbrechenden Unternehmungen Hunderten zum Erwerb Ihrer Existenz und zum Wohlstand verholfen. Sie haben als Mitglied der Stadtverordnetenversammlung seit dem Jahre 1858, des Magistrats seit dem Jahre 1875 mit seltener Pflichttreue dem Wohl der Stadt gedient und sind, in dieser Thätigkeit