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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1900-01-01 · No. 1. (1900) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 1. (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Lehranstalten, ist schon lange ein von den jüdischen Schulleitern empfundenes Bedürfniss. Die vorhandenen Lehrbücher sind theils zu ausführlich und darum zu theuer (wie Bäck, Braun und Cassel), teils der nöthigen begeisternden Wärme entbehrend (wie Kayserling), oder gar zu knapp gehalten (wie Sondheimer und S. Müller). Krön er hat als bedeutender Pädagoge die richtige Mitte und den rechten Ton getroffen, und trotz der reichen Auswahl von Proben aus Mischna und Talmud, aus den religionsphilosophischen, poetischen u. Ritual-Werken, ja sogar auch aus der Responsenlitteratur, hat die Verlagshandlung den Preis des gut ausgestatteten Buches so niedrig gestellt, dass seine Einführung als Schulbuch nicht nur zu empfehlen, sondern auch leicht zn ermöglichen ist. Aber gerade weil dieses Buch sicherlich rasch eine weite Verbreitung finden und eine baldige neue Auflage erfordern wird, möge hier einiges von dem, was wir bei der ersten Durchsicht als der Berücksichtigung resp. der Berichtigung werth angemerkt haben, eine Stelle finden. Die Wiedergabe von Soferim mit ,,Schreiber“ erschöpft den Sinn nicht, er muss daneben auch noch ,,Schriftgelehrte“ heissen. Unter ,,Joseph b. Matia“ (S. 22) werden die Schüler den jüdischen Geschichtsschreiber ,,Josephus“ nicht erkennen.— Neben dem richtigen hebr.״Matitjahu“ (S.8) müsste in Klammern auch der geläufigere grichische Name ״Matthatias“ angegeben sein; ebenso S. 61 hinter ,,Chasdai heil Isak“ der Name ,,ihn Schaprut“. Der Verf. schreibt meist ״Sanhedrin“, einmal auch ,,Synhedrin“; letzteres ist richtiger (eigentlich Synhedrion), zumal den des Griechischen kundigen Schülern gegenüber. Die Auflösung der hebräischen Initialen ״S’mag“ in ,,Sefer Mizwoth gadol“ dürfte nicht nur für die Schüler, sondern auch für manchen Lehrer nothwendig sein. Wenn der Verf. auf S. 11 schreibt: ,,sie ernannten Simon zum Hohenpriester und Nassi“, so darf hier um jede Zweideutigkeit auszuschliessen — denn Nassi war ja der stehende Titel des Synhedrialpräsidenten — das erklärende ״Volksfürst“ dahinter nicht fehlen. S. 12 in der zweiten Zeile ist ״Simon“ offenbar ein lapsus calami, es muss ״Jochanan“ heissen. Warum S. 5, wo es von der Thätigkeit der Männer der grossen Versammlung heisst: ״sie sammelten und ordneten die Schriften der Proj)heten, wie die der Sprüche Salomo’s“, gerade die letztem von allen Hagiographen besonders hervorgehoben werden, ist nicht recht einzusehen. Vermisst haben wir die Er- Zahlung von der Annahme des Judenthums seitens des Chazarenkönigs Bulan, seines Hofes und Volkes; sie wird S. 61 (unter ״Chasdai“) kurz gestreift und vorausgesetzt, wir haben aber Näheres darüber ausser einer kurzen Notiz in den Zeittafeln (S. 140) nicht gefunden. Auch den Namen Jakob Tirado’s haben wir bei der Einwanderung der Juden in Holland ungern vermisst; desgleichen unter den Proben der Jehuda Halevi’schen Dichtungen das Zijonlied. Die Uebersetzung ״Kalkgrube“ (S. 25) entspricht nicht, richtiger ״verkalkte Zisterne“. Das talmudische Citat (S. 70): ״Man behandle kein Jahr wie ein Schaltjahr“ ist unverständlich. Zur Erklärung des Namens ״Rabbenu Tarn“ (S. 94) dürfte der eigentliche Name ״Jacob“ nicht fehlen mit Hinweis auf Genes. 25, 27 .ויעקב איש תם Kroner hat in diesem Leitfaden den Weg gezeigt, wie der Unterricht in der nachbiblischen Geschichte zugleich für den Religionsunterricht fruchtbar gemacht werden kann; dass er darin noch nicht Vollkommenes geleistet hat, liegt in der Natur des ersten Versuches. Aber der Weg ist gezeigt, möge er fortan immer weiter beschritten und nicht mehr verlassen werden. Der Anhang: ״Die Juden in Württemberg“ (16 S.) ist ganz besonders für die jüdischen Schüler dieses Landes von Interesse; die jüdische Geschichte des engeren Vaterlandes bis ins Einzelne kennen zu lernen, ist auch eine Aufgabe der jüdischen Schule. R. Levin• I)r. JL. Lehrbuch der jüdischen Geschichte und Litteratur. D ritte umgearbeitete Ausgäbe. Verlag von Calvary & Co., Berlin, 1900. 390 S. Preis gebunden 3,50 M. Die Anerkennung, die den ersten Ausgaben dieses Buches in den früheren Jahrgängen unseres Litteratur- Blattes zu theil geworden, verdient es in dieser neuen Umarbeitung in noch erhöhtem Maasse. Die Anordnung und Behandlung des reichen Stoffes hat unsern vollen Beifall, die Sprache ist edel und dem Gegenstände angemessen, ein warmer Hauch der Begeisterung durchweht das Ganze und wird sicherlich auch auf die daraus Lernenden überströmen. Der Verfasser hat bei der Abfassung jedenfalls reifere Schüler höherer Bildungsanstalten im Auge gehabt; dennoch hätten wir gewünscht, dass er selbst die wenigen Fremdwörter vermieden hätte, wie S. 199, Z 2 v. u. ״das Metaphorische in der Bibel“. Wir wissen es dem Verfasser Dank, dass er seinem im Vorwort ausgesprochenen Vorsatz, der Forderung Maybaums: ״alles rein Litterarische und alles bloss Politische soll aus dem Unterricht der jüdischen Geschichte ausgeschieden werden“, nachzukommen, nicht treu geblieben ist, denn wer selbst in den höheren Klassen eines Gymnasiums den jüdischen Religions- und Geschichtsunterricht ertheilt, wird bestrebt sein, die jüdische Geschichte soviel als irgend möglich an die Geschichte der Völker, in deren Mitte die Juden lebten, anzulehnen; oft, ja meistens sind die Geschicke der jüdischen Bevölkerung von der allgemeinen Politik der Fürsten und Völker gar nicht loszulösen, geradezu durch dieselbe bedingt. Dasselbe gilt in höherem Grade noch von der Litteratur. Maybaum’s Forderung, ״die jüdische Geschichte soll als Gegenstand des Religions- Unterrichts reine Religionsgeschichte sein und nur die Entwickelung des Judenthums an sich, sowie den Einfluss desselben auf das religiöse Leben zur Dar- Stellung bringen“, wäre eine Verkümmerung des jüd. Geschichtsunterrichts. Der reifere Schüler hat einen Anspruch darauf, im jüdischen Ges chichtsunterricht alles, was dem jüdischen Volke geschehen und was von ihm geschehen (geleistet) ist, zu erfahren, nicht bloss die ״Heilsgeschichte, die Heilswahrheiten, den Heilsberuf“. May bäum muss übrigens selbst im weiteren Verlauf (S. 34 u. 35 seiner ״Methodik“) zugeben, dass seine Forderung in praxi nicht strikt zu befolgen ist; denn nicht bloss der Einfluss der jüdischen Religion auf das religiöse Leben der Völker ist beim jüdischen Geschichtsunterricht zur Darstellung zu bringen, sondern der Einfluss des jüdischen Geistes auf das gesammte Culturleben der Völker. (Man vergleiche, was Lazarus hierüber so schön und treffend in seinem jüngst |bei M. W. Kaufmann in Leipzig] im Druck erschienenen Vortrag: ״Was heisst und zu welchem Ende studirt man jüdische Geschichte und Litteratur?“ sagt.) Doch, kehren wir zu Levin's Lehrbuch zurück. Da erscheint uns die ältere Geschichte der Juden in Deutschland vor den Kreuzzügen etwas zu stiefmütterlich behandelt. Der Verfasser thut sie (S. 175) in kaum 3 Zeilen ab. Dass Maimonides’ Leben und Schriften ausführlich und mit Liebe behandelt werden, ist in der Ordnung, gestört hat uns jedoch in der Schilderung des ersteren ein Wort, ״dass er seine angestammte Religion zu verleugnen gezwungen war“; richtiger wäre es gewesen, dafür zu sagen: ״zu verheimlichen“.*)— Die Angabe des Inhalts *) Wir kommen auf diesen Punkt in einem besonderen Artikel zurück. — Das Kichtige darüber hat Steinschneider schon ror 55 Jahren in Frankels ״Zeitschrift“ II. gesagt, (lied.)

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