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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-12-15 · 50 (15.12.1905) · p. Seite 705

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
50 (15.12.1905)
Date
1905-12-15
Page
Seite 705 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 50. Israelitische Wochenschrift. Seite 705 halten, sondern ihre Einführung empfohlen. Daneben sind noch einige andere Fragen erörtert worden, so z. B in welchem Lebensalter mit dem Uebersetzen begonnen, welche Stücke gewählt und in welcher Weise das Uebersetzen auf den verschiedenen Stufen gehandhabt werden sollte. Die sehr angeregte Diskussion dehnte sich bis gegen Mitternacht aus. — Sitzungen des Vereins finden an jedem Dienstag nach dem Monats-Ersten statt und sind Gaste jederzeit willkommen. Anmeldungen von Mitgliedern nimmt der Schriftführer Herr Dr. Meier Hildesheimer entgegen. — Am letzten Sonntag Vormittag fanden in den Synagogen Oranienburgerstraße und Rykestraße Trauerseiern für die russischen Juden, die den Massakers zum Opfer fielen, statt. Die Liturgien waren in beiden Synagogen dieselben. Eingeleitel wurde die Feier mit dem Chorgesange „eriausch kochozir jomow“, worauf die Predigt folgte, die in der Synagoge Oranienbnrgerstraße von Herrn Rabbiner Professor Dr. Maubaum und in der Synagoge Rykestraße von Herrn Rabbiner Dr. Rosenzweig gehalten wurde. In beiden Predigten kam der Gedanke zum Ausdruck, daß das Blut der dahingeschlachteten Märtyrer nicht umsonst geflossen wäre und daß die Bedrängten und Hingemordeten als wirkliche Freiheitskämpfer zu ehren seien. An die Predigt schloß sich die Rezitation „Herr, was ist der Mensch, daß du sein gedenkest" und ein Gebet. Der Chor sang „scliuwi nafschi.“ Nachdem dann noch „godiwissi adonaj lenegdi“ verklungen war, schloß die Feier mit dem Kaddisch. Breslau. Zur Silberhochzeit des Kaiserpaares bewilligte die Synagogengemeinde Breslau 10 000 M. für die Errichtung einer Erziehungsanstalt für schwachsinnige israelitische Kinder. — Die „Bresl. Ztg." veröffentlicht folgendes Schreiben: „Dem Beispiel des in der Reichshauptstadt zusammengetretenen Komitees folgend, gestatten wir uns auch in Breslau und Schlesien die Veranstaltung von Sammlungen für die unglücklichen Opfer der politischen Wirren in Rußland in Anregung zu bringen. Zu einer Besprechung hierüber beehren wir uns hiermit auf Sonntag, den 10. Dezember um 12 Uhr mittags in den Stadtverordneten- Sitzungssaal, Elisabetstraße, ergebenst einzuladen. Wir bitten zugleich, diese Einladung zu verbreiten. Breslau, den 29. November 1905. Dr. Bender, Oberbürgermeister. Moriz-Eichborn, Geh. Kommerzienrat, Vorsitzender der Handelskammer. Dr. Freund, Geheimer Justizrat, Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung Dr. Kaufmann, Professor, Rektor der Königl Universität." — Die Repräsentantenwahlen haben nunmehr stattgefunden. Ihr Verlauf ist deswegen von allgemeinerem Interesse, weil die Opposition in der jüdischen Gemeinde gegen die liberaljüdische Majorität an Regsamkeit und, wie die Stimmenabgabe bei der Wahl zeigt, auch an Einfluß zunimmt, wenn auch die liberale Liste immer noch um ein gutes Drittel der abgegebenen Stimmen das Uebergewicht behalten hat. Geivählt sind hiernach Justizrat Ollendorff, Kaufmann Scheyö, __ Stadtv Breslauer, Spediteur Schlesinger, Kaufmann S. Jaffö, Herrn. Neustadt, Sam. Kohn, Prof. Dr. Leopold Cohn, Rechtsanwalt Joöl, Kfm Georg Sachs, Justizrat Callomon, Reut Louis Löwenlhal. Dr med. ^Karl Alexander, Dr. med Wilh Groß, Dr. med. Siegfr. Kohn, Mechtsanw. Kalisch, Bankdir. Meidner, und Kfm Louis Rosenthal. Die ersten sechs standen auf der anderen Liste, die unterzeichnet war von dem „Verein zur Förderung der Interessen der Synagogengemeinde Breslau" Im übrigen enthielt diese Liste die Namen folgender Personen: Justizrat Kempner, Rechtsanwalt Hirschberg, Justizrat Schreiber, Kfm. Hermann Schottländer, Kfm. Lippmaun Bloch, Dr. med. Joses Schlesinger, Verlagsbuchhändler M. Marcus, Dr. med. S. Freudenthal, Kfm Jos. Kober, Privatier Ad. Freyhan, Apotheker E. Jacubowski, Fleischermeister H. Sachs. Die Wahlbeteiligung betrug etwa 60 Pcoz Die sechs gemeinsamen Kandidaten erhielten 2467 bis 2560, die gewählten Liberalen 1500 bis 1670, die nicht gewählten Kandidaten des genannten Vereins 825 bis 1050 Stimmen. Am Montag fand eine Sitzung der Repräsentanten unter dem Vorsitz des Geheimen Justizrats Dr. Freund statt. Der Kassenabschluß für 1904/05 weist eine Einnahme von 681 393 M. und eine Ausgabe von 512 001 M, mithin einen Ueberschuß von 69 292 M. auf. Es wurde beschlossen, 5000 M. der Israelitischen Kranken-Verpflegungsanstalt zuzuweisen, 4100 M. zur Tilgung der Resthypothek auf Schweidnitzerstadtgraben 8 und den Restbetrag von 60 292 M zur Deckung der Kosten für den Umbau der Alten (Storch-) Synagoge zu verwenden. Auf einen Antrag des Gemeindevorstandes erklärte sich die Versammlung mit der Herabsetzung des Fahrpreises für die Omnibusfahrten nach und von dem Friedhof in Cosel infolge der Erweiterung der elektrischen Bahnfahrten bis zum Straßenbahndepot an der Berliner Chaussee von 10 auf 5 Pf. pro Person und Tour einverstanden, wobei man sich für Kündigung des Vertrages mit der Omnibusgesellschaft bei Ablauf aussprach. — Eine Jubiläumsgabe für die hiesige Israelitische Waisen-Verpflegungsanstalt, anläßlich der am 29. Oktober begangenen Hundertjahrfeier, in Höhe von 6000 M., wurde genehmigt Chemnitz. 30jähriges Stiftungsfest des israelitischen Frauen« Vereins. Unser Frauen-Verein, dem fast sämtliche Frauen unserer Gemeindemitglieder angehören, feierte am 5 Dezember unter allgemeiner Teilnahme sein 30. Stiftungsfest, bestehend in gesanglichen und musikalischen Darbietungen mit anschließendem Ball. Im Mittelpunkte des Festes stand ein von den Vorsteherinnen des Frauen-Vereins, Frauen Marie Goeritz, Hermine Schreiber, Anna Simon und Bertha Kupferberg, sowie freiwilligen Helferinnen und Helfern arrangierter Bazar zugunsten unserer unglücklichen russischen Glaubensgenossen. Jung und alt, Damen und Herren, hatten sich in den Dienst der guten Sache gestellt, und so war ein schönes Gelingen des Festes vorauszusehen. In seiner Begrüßungsansprache gedachte der seit 30 Jahren dem Vorstande des Frauen-Vereins als Schriftführer angehörende Herr Moritz Fränkel des wohltätigen Wirkens des Vereins und seiner Heimgegangenen Gründerinnen, Vorstandsdamen und Mitglieder, zu deren Ehren die Anwesenden sich von den Plätzen erhoben. Der erste Vorsitzende des Gemeindevorstandes, Hm'r Louis Ladewig, überbrachte in herzlichen, packenden Worten die Glückwünsche des Vorstandes und schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Frauen-Verein und seinen bewährten Vorstand. Im Saale herrschte froh bewegtes Leben und Treiben. Die zahlreichen Verkaufsbuden waren förmlich umlagert, und die liebenswürdigen Verkäuferinnen sorgten dafür, daß keine Restbestände zu verzeichnen waren. Sämtliche Gegenstände für die reichhaltige Verlosung waren gespendet worden, und auch fast die gesamten Unkosten wurden durch freiwillige Spenden gedeckt. Das Fest, an welchem fast die ganze Gemeinde teilnahm, brachte einen Reinertrag von über 2000 M. Wronke. Am Sonntag, den 3. d. M, veranstaltete der Israelitische Literatur-Verein im Gegenmantelschen Saale eine Dilettanten-Vorstellung zum Besten der Opfer der russischen Judenverfolgungen. Die Beteiligung war eine sehr rege, die Honorationen der Stadt waren fast alle erschienen. Die gebotenen Stücke fanden allgemeinen Beifall. Die Netto-Einnahme betrug nach Abzug sämtlicher Unkosten 251,45 M, die an das Hilfskomitee abgeführt worden sind Hohensalza. Der verdie fftvolle Vorsitzende des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur, Herr Rentier Louis Sandler, feierte am 29. November in voller körperlicher und geistiger Frische seinen 70. Geburtstag In anbetracht der großen Verdienste, welche sich Herr Sandler um die hiesige Synagogengemeinde und um das jüdische Vereinswesen erworben, wurden dem Jubilar zahlreiche Ehrungen zuteil. — Eine erhebende Trauerfeier für die hingemordeten Juden in Rußland fand am Sonntag nachmittag 4 Uhr in der hiesigen Synagoge statt. Zum Zeichen der Trauer waren Altar und Kandelaber schwarz drapiert. Zu der Feier waren die Mitglieder des Vorstandes, die Repräsentanten und eine sehr große Anzahl Gemeindemitglieoer mit ihren Frauen und Kindern erschienen, die Synagoge bis zum letzten Platz füllend. Nach dem üblichen Vespergebet begann die Feier mic einem Trauergesang, tiefempfunden von dem ersten Kantor Nathan vorgetragen. Hierauf gedachte Rabbiner Dr. Cohn in längrer Rede des entsetzlichen Unglücks, welches die jüdischen Gemeinden in Rußland betroffen. Kantor Nathan sang das Totengebet für das Seelenheil der zahlreichen Opfer. — Bei den Wahlen zur Bromberger Handelskammer wurden als Mitglieder der Handelskammer drei unserer Glaubensgenossen gewählt, nämlich die Herren: Gerichtsassessor Fabrikbesitzer 1)r. hur. Leopold Levy, Stadtrat und Synagogenvorsteher Bankier Salomonsohn wiedergewählt, neugewählt wurde Kaufmann Heymann Dobrzynski. Marienbad. Unser Trauergottesdienst für die russischen Juden fand Sonntag Nachmittag in würdiger und erhebender Weise statt. Die Gemeinde war säst vollständig erschienen; die heilige Lade, Kanzel und Kandelaber waren schwarz drapiert. Auch eine Warschauer Familie (Vater, Mutter, 2 Söhne und 2 Töchter), welche vor den „Schwarzen" geflüchtet und in Marienbad Aufenthalt genommen haben, nahmen an der Trauerseier teil. Auf das einleitende Minchah-Gebet und einem Chorgesang folgte die Predigt des Rabbiners Dr. PH. Goldberger, welche ebenso inhaltsreich wie formvollendet die Aufgabe Israels in der Gegen-

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