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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-12-08 · 49 (8.12.1905) · p. Seite 688

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
49 (8.12.1905)
Date
1905-12-08
Page
Seite 688 (sequence 13)
Language
German
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Seite 688. Israelitische Wochenschrift. Nr. 49. unterricht in Verbindung mit Grammatik, die allmählich in den Vordergrund tritt, ohne jedoch den Unterricht zu beherrschen. Sie ist auch nur Mittel zum Zweck. Für den Uebersetzungsunterricht empfiehlt der Referent folgenden Lehrgang: Ein Abschnitt von etwa fünf bis sechs Sätzen wird vom Lehrer vorgelesen und von» einem Schüler wiederholt. Di Schüler geben an, welche Wörter in diesem Abschnitt ihnen unbekannt sind, Ihre Bedeutung wird mit Hinweis auf bereits erlernte ähnliche Wörter und Wortverbindungen und mit Hilfe des Wörterbuchs (das beim Unterricht nicht fehlen darf) unter Anleitung des Lehrers festgestellt. Hierauf wird der Abschnitt von einem zweiten Schüler nochmals gelesen und der Inhalt des Gelesenen wird vom Lehrer deutsch abgefragt. Nunmehr schreitet man zur Uebersetzung. Von den Schülern wird jeder Satz einzeln gelesen, sein Inhalt angegeben und dann der Satz im Zusammenhänge (nicht wortweise) übersetzt. Der Lehrer überzeugt sich, ob die Bedeutung eines jeden einzelnen Wortes den Schülern bekannt ist. Aus dem Texte werden die notwendigen grammatischen Regeln entwickelt und sofort in neuen Beispielen, die die Schüler improvisieren, angewendet. Zuletzt wird die deutsche Uebersetzung des ganzen Abschnittes im Zusammenhänge vorgetragen. (Als Hausaufgabe dürste sich die schriftliche Wiederholung der in der Schule erlernten Uebersetzung empfehlen.) In der nächsten Stunde werden die in der letzten Unterrichtsstunde aufgesuchten Wörter abgefragt und eingeprägt, die deutsche Uebersetzung wird noch einmal (vielleicht auch aus dem Hefte) von einem Schüler vorgetragen, der Inhalt besprochen, und tue in diesem enthaltenen religiösen Wahrheiten werden eingehend entwickelt und an Beispielen behandelt, die am liebsten die Schüler selbst suchen (aus der Erfahrung, der Geschichte oder der Phantasie). — Ein in dieser Weise betriebener Uebersetzungsunterricht dürfte nach der Meinung des Referenten den Kindern bei ihrer Entlassung aus der Volksschule die Interessen, Kenntnisse und Fertigkeiten verschaffen, die als das bei n hebräischen Unterrichte zu erstrebende Lehrziel aufgestellt worden sind. — Zwar stehen, führt der Referent zum Schluß aus, den Schülern der Mittels ulen nicht mehr als zwei halbe Stunden wöchentlich für den hebräischen Unterricht zur Verfügung. Aber sie haben in der Volksschule vier Jahre lang den Unterricht in der direkten Methode genossen. Dadurch bringen sie die solide Grundlage mit, auf der aufbauend der Uebersetzungsunterricht in der Mittelschule — vorausgesetzt, daß er eine den Bedürfnissen der jungen Leute angepaßte Auswahl in der Lektüre zu treffen weiß — zum Hauptbestandteil des Religionsunterrichts sich erheben und diesen viel lebensvoller und nicht nur für die Schule, sondern für das Leben ersprießlicher gestalten wird. knglizcbe Briefe. Heute komme ich ganz friedlich und werde Ihre Leser nicht im geringsten aufregen. Habe ich Ihnen nicht schon geschrieben, daß die Wahl des Aldermann I. Frankenburg als Mayor in Salford in Aussicht genommen sei? Nun in diesen Tagen ist sie vor sich gegangen. Aldermann Worsley, der die Wahl angeregt und auch wohl geleitet hat, sagte, daß der Wahlspruch der Städte „Tadellosigkeit und Arbeit" auch der des neuen Mayor zu sein scheine. Mayor Frankenburg würde, das fühlte er im Voraus, das Wohl der Stadt in hervorragender Weise fördern. Schon trägt die Stadt das Zeichen seiner Betriebsamkeit, ein Denkmal seines Fleißes, das Tausenden von Bewohnern zum Heil dient. Nicht zu unterschätzen sei auch die Unterstützung von seiten seiner reizenden Gattin, die sich und chm sicher die Liebe aller wird gewinnen helfen. Die Amtskette, von so hervorragenden Vorgängern getragen, wird nun einen Mann schmücken, der es ganz und voll verdient und der den Fußtapfen seiner Amtsvorderen folgen wird. Sie sehen, die Engländer vergessen auch die Damen nicht, was bei Frau Frankenburg nun wahrlich kein Wunder ist. Das mulier taceat in ecclesia gilt in England nicht. Frankenburg wurde nun mit der Amtskette bekleidet, die ihm der ausscheidende Mayor anlegte. Er sagte dann: „Ich wünsche nur den Gegensatz zwischen unserem Lande und den Vorgängen in einem anderen Reich hervorzukehren. Am Geburtstage unseres Königs — lang möge er leben — beginnt unser städtisches Geschäftsjahr und da werden die Mayors gewählt. Allgemein ist bei uns da die Freude, und an den öffentlichen Festen nehmen alle Glaubensgenossenschaften ohne Unterschied teil. Was aber geschieht heute in Rußland, das den Anspruch erhebt, ein Land mit europäischen Sitten zu sein? Morde und Schändungen find an der Tagesordnung und aus keinem anderen Grunde, als weil die Armen einem uralten Geschlecht entstammen und dem Glauben ihrer Vorfahren treu sind. (Zustimmung und lebhafter Ausdruck des Abscheus bei den Anwesenden.) Ich bin stolz darauf, ein englischer Bürger zu sein, wenn ich auch kein geborener Salforder bin. Ich danke Ihnen für das mir bewiesene Vertrauen, und wenn es der Wille des großen Weltmeisters ist, mir Gesundheit und Kraft zu verlerhen, werden Sie es nicht bereuen, mir diese Stellung anvertraut zu haben". Das war männlich und offen gesprochen, als Jude und Engländer, der nichts verschweigt, was er für Glauben und Vaterland auf dem Herzen hat. Dann wohnte der neue Mayor einem Sondergottesdienst in der Synagoge bei. Er war in seiner Amtstracht, gefolgt von einer großen Anzahl von Aldermen, in Anwesenheit des Deputy-Mayor und der drei Parlamentsmitglieder von Salford. Die jüdische Jugendwehr empfing ihn am Eingang. Dann ertönte ein Gesang, der mit dem 100. Psalm schloß, das Maariwgebet folgte, eine Rede des Reverend Dr. Wolf, die auch starke Hinweise auf die russischen Greuel enthielt, die Vaterlandsliebe der Juden, wo sie auf Erden auch seien, betonte und mit dem Königsgebet schloß. Der Gesang der Adon Olam und ein Kaddisch beschlossen den Gottesdienst. Sonntag früh wohnte Frankenburg als Vertreter aller Glaubensgenossenschaften auch dem Gottesdienst in der Sacred Trinity Church bei. Die Predigt behandelte den Einfluß des Jesaia auf das wirtschaftliche Leben und auf die Rechtsgrundsätze und betonte, es sei um so mehr angebracht, der Geisteshelden des alten Testaments zu erwähnen, als das Oberhaupt der Stadt selbst ein Nachkomme und Geistesverwandter dieser mächtigen Prophetengeister sei. Wollen Sie noch mehr erfahren? Ich glaube, das ist genug, und ^ich schließe mit dem Heutigen als Ihr hochachtungsvoll ergebener German. Die Politik. Vor einigen Tagen hat sich die ultramontane „Donau- Ztg." über die Sammlungen für die russischen Inden aufgeregt. Heute können wir von der ultramontanen „Augsb. Postztg." dasselbe berichten. „Christen sammeln mit", so heißt es, „damit der revolutionäre Fonds noch mehr anwächst und

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