Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 29 (1905)
- Issue
- No. 23. (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sifri, der die Arten zusammenbehandelt, wird ja auch auf Simon zurückgeführt. Und da der Satz וכל מעשר הארץ etc. nicht dem I)euteronomion, sondern dem Leviticus angehört, so sind vielleicht aas diesem Grunde von SbG die Arten Ende 4 vom Anfang hinweggenommen worden, der auf Deut, beruht (s. o. unseren Nachweis).*) Lebensgeschichte Heimann Caro’s, des ״Urahns der Misciinaquellenforsciiung“. Nach Aufzeichnungen seiner Kinder mitgeteilt von Dr. Rosenberg, Rabbiner in Thorn. (Vorbemerkung der Redaktion: Wir sind Herrn Dr. Rosenberg sehr dankbar dafür, daß er die Schlichtheit der Darstellung nicht verwischt hat. Gerade so tritt das Bild eines bedeutenden Geistes in voller Wahrhaftigkeit und Lebensfrische hervor. Es freut uns, daß wir diesen Mann, den ״Minchat Schabbat״, aus diesem Werke und besonders aus seiner, dem Aufbau des Traktats Aboth behandelnden Vorrede richtig erkannt haben. Ein weiterer Beweis dafür, daß der Weg eher von den Werken eines Schriftstellers zu seiner Lebensgeschichte als von seiner Lebensgeschichte zu seinen Werken führt.) Der Stammbaum Caros reicht nicht nur bis auf Rabbi Josef Karo, sondern bis auf ר׳חנינא קרא der viermal im ש״ס gedacht wird. תענית כו מגילה כב יבמות מ כתובת נו Schon als kleines Kind zeigte 0. ungewöhnliche Auffassung und logisches Denken. Bereits mit 8 Jahren ging er von Inowrazlaw nach Zempelburg auf die damals vorhandene Jeschiba, wo er, bald als Iluj verschrieen, alle Mitschüler überflügelte. Von hier aus ging er zu seinem spätem Schwiegervater Rabbi Hirsch Amsterdam nach Konin, und von dort nach Pietrikau Tribunalski, wo der rühmlichst bekannte Rabbi Chaskel Przyteker eine sehr große Jeschiba hielt, die viele illustre Männer zeitigte. Trotzdem ihm bald nach seiner Hochzeit mehrere Rabbinate in Polen angetragen wurden, lehnte er doch ab und etablierte 1829 in Gnesen ein Kolonial-Waren und Destillationsgeschäft sowie eine Essigfabrik. Allerdings schob er mehr auf die Schultern seiner Frau, während er als Rabbinatsassessor viele Jünger im Talmud unterrichtete. Nebenher trieb er autodiktatisch Deutsch, das er wunderbarerWeise in kurzer Zeit so beherrschte, daß er deutsche Vorträge halten konnte, die großen Anklang fanden. Dort erst erschlossen sich seinem Geiste bisher ungeahnte Bahnen, und es zeugt von seiner immensen Auffassung, daß der von Jugend an tüchtige Hebräer ״die Jungfrau von Orleans“ ins Hebräische übersetzte. *) Daß wir auf unser ״Die Mischna, Aufbau und Quellen- Scheidung“ (Straßburg, Trübner) hier oft hinwiesen, wird man uns nicht verdenken. Sollen wir dort Nachgewiesenes immer wiederholen? Manche Einzelheit hätten wir uns hier noch sparen können, wenn unsere handschriftlich vorhandene Einleitung in die zweite Hälfte von Seraim und besonders unsere Behandlung des Traktats Therumoth schon veröffentlicht werden könnte. In den beregten Vorträgen, die er an den Sabbat Nachmittagen hielt, legte er den Grund zum Minchas Schabbos. Nicht wenig hat dazu auch die von ihm bisher nicht gekannte Mendelsohnsche Bibelüber- Setzung beigetragen. Da das von ihm entrierte kaufmännische Geschüft durch Konkurrenz und Mißgeschick nicht prosperierte, drängte ihn ein gebildeter Freundeskreis zur Annahme eines Rabbinats. Er gab das Geschäft auf und nahm die erste sich ihm darbietende Stelle in Pinne an, die er von 1840 bis 1850 verwaltete. Dort fand er mehr Ruhe zur Vervollständigung des Minch. Schabb. Auf einer Reise zum Vertriebe desselben lernte er in Berlin Zunz, D1*. Sachs, Oettinger, Rosenstein kennen. Diese forderten ihn auf, nach Berlin, wenn auch als Privatmann, zu kommen; es würde sich für ihn bald ein guter Wirkungskreis finden. Dasselbe wiederholte sich in Mecklenburg- Schwerin und mehr noch in Hamburg, ln seiner Bescheidenheit hörte er jedoch trotz der vielfachen Ehrungen auf diese Aufforderungen nicht und kehrte in sein armseliges Amt nach Pinne zurück. Im folgenden Jahre (1848) war ihm beschieden, großes Unglück von seiner Gemeinde abzuwehren. Damals waren in den meisten Städten der Provinz Posen die Sensenmänner aufgestanden und mordeten und schändeten Juden und Deutsche. Nach schrecklichen Greueltaten in Buk waren sie auch in Pinne aufmarschiert und harrten nur auf den Wink des katholischen Geistlichen, um loszuschlagen. In diesem kritischen Momente schritt C. unerschrocken durch die Reihen der Sensenmänner zum Propst, und durch seine feurige Rede bewirkte er, daß er die Sensenmänner abziehen ließ, wodurch nicht nur das Leben der Einwohner Pinnes, sondern auch später das des Propstes gerettet wurde! 1850 verließ C. Pinne und folgte einem Rufe der Gemeinde Fordon, woselbst er bis 1860 amtierte. Von hier aus begrüßte er den damaligen Prinzen von Preußen (nachmaligen Kaiser Wilhelm I.) zu dessen Dienstjubiläum in einem deutschen und hebräischen Gedichte, wofür er ein anerkennendes Dankschreiben erhielt. In Wloclawek verwaltete er von 1860—1895 das Rabbinat. Bald nach seinem Amtsantritte hatte er, weil er als Deutscher wie ein Eindringlung betrachtet wurde, harte Kämpfe mit orthodoxen Zeloten, mehr aber noch mit den Chassidim. Durch sein biederes Wesen, durch schriftlichen Verkehr und dann durch Zusammentreffen mit dem obersten Rabbi der Chassidim Reb Itsche Meier m Warschau wandte sich das Blatt, und er wurde als einer der ausgezeichnetsten Talmudisten und Hebräer anerkannt, geliebt und verehrt. Mehr aber zur Verehrung und Liebe zu C. trug bei, daß im Jahre 1863, als die Revolution in Russisch- Polen ausbrach, er, wie allenthalben mit den Behörden, hier auch mit den Unterdrückern der Revolution Fürst Wittgenstein, Baron Schwarz und Baron Osten-Sacken freundschaftlich verkehrte und nicht nur unzählige Juden, sondern auch Andersgläubige vom Tode errettete. Die Macht seiner Rede, seine Unerschrockenheit und seine