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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1905-01-01 · No. 23. (1905) · p. Seite 92

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
29 (1905)
Issue
No. 23. (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 92 (sequence 4)
Language
German
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92 strenge Rechtlichkeit, die niemals dem wirklich Schuldigen Fürsprache zuteil werden ließ, hatten ihm bei diesen hohen Herren Gunst, ja Freundschaft errungen. Mit den hohen Behörden hatte er stets Fühlung. An den Statthalter Graf Kotzebue, an den Statthalter Graf Berg, sowie an den Kaiser Alexander II. hat er aus verschiedenen Anlässen Gedichte in deutsch und hebräisch gerichtet, wofür er Ehrung und Anerkennung einheimste. Mit dem Stadtkommandant, General d’Erkert. General Taube und Baron Krüdener war er so befreundet, daß sie ihn sehr oft besuchten, und mit ihm gern über Politik und Religion diskutierten. Sein klarer Geist, sein Gerechtigkeitssinn zeigte sich auch in Gerichtstagen, die er abhielt, in welchen er Streitigkeiten nicht nur zwischen Juden, sondern auch zwischen Juden und Christen, ja zwischen Christen schlichtete. Die angestellten Richter sandten ihm Streitende zur Entscheidung zu. Einen Teil seiner großen Werke über Jore dea ließ er in dem Werkchen טבח והכן erscheinen. Außer seinem Werke קול אומר קרא und יורה ומלקש begann er 10 Jahre vor seinem Tode ein großes Werk נר נוזלים und אם בישראל, das alles von ihm Erschienene in den Schatten zu stellen bestimmt war. Leider war es ihm nicht vergönnt, es zu vollenden. Aber auch als Fragment wäre es wünschenswert, daß es der 0Öffentlichkeit übergeben würde. (Ein weiterer Artikel folgt.) Litteraturbericht. Recensionen. Dr. Grünhut, Die Rundreise des R. Petachja. Hebräisch und deutsch. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1904. 132 S. 3 M. Es wird vielen willkommen sein, die Rundreise des R. Petachja aus Regensburg hier in sorgfältig durchgesehener Urschrift und gut lesbarer Uebersetzung vor sich zu sehen. Dazu ist die Ausgabe Zanolinis (mit lateinischer Uebersetzung versehen, Padua 1750) und außerdem eine ältere Ausgabe (Altdorf 1719), der Budapester Seminarbibliothek gehörig, benutzt worden. Sie stammt von Wagenseil. Aber gerade sie stimmt mit der Zanolinischen überein, in der die ältere einfach abgeschrieben ist. Dr. Porges in Leipzig hat für den Verfasser dann noch die Handschrift, die Wagenseil seiner Ausgabe zugrunde gelegt haben soll, mit einer Abschrift der Zanolinischen Ausgabe verglichen. Nach Porges Urteil sind Zanolinis Fehler aus Wagenseil zu verbessern; auf die Irrtümer Wagenseils hat er durch Angabe der Leipziger Lesarten hingewiesen. Er hält die Prager Ausgabe für die beste. Diese stellte A. Epstein in Wien dem Herausgeber zur Verfügung. Auch Heilperins Seder H adoroth bietet wichtige Lesarten. Die Vorrede hat Porges in der Leipziger Handschrift nicht gefunden. Trotzdem hat der Herausgeber sie beibehalten, da Wagenseil sie aus einer anderen Handschrift hergenommen haben kann. Grünhut konnte nun weit über Ottensoser (Fürth 1844) hinausgehen, da dieser nur Wagenseil vor sich hatte. Ottonsoser hat die Vorrede fortgelassen, trotzdem er Wagenseil folgte. Ob man ihm es nicht zugute halten kann, daß sie in der Leipziger Ausgabe fehlt? Steinschneider hielt Juda den Frommen für den endgiltigen Ordner der Petachjaschrift. Da er aber darin als ״der Fromme“ genannt wird und er sich selbst mit diesem Beinamen nicht bezeichnet haben kann, so wird von ihm, wie Grünhut meint, eine frühere Fassung stammen, aus der die jetzige ein Auszug ist. Von wem, ist nicht zu ermitteln. Grünhut nimmt an, R. Petachja hätte die große Reise unternommen, um neue Wohnsitze für die vielfach verfolgten Juden seiner Zeit zu suchen Andernfalls wäre er zuerst nach Palästina gereist und hätte nicht gesucht, Babylonien zuerst zu erreichen. Weshalb spricht er von Babylonien so viel und von Palästina so wenig? Die Zeit der Reise scheint nach 1177 gewesen zu sein, weil Maimunis Name in Petachjas Wanderjahren bereits allgemein bekannt gewesen sein muß. Da nämlich nach seinem Bericht ״Schüler aus Aegypten“ nach ״Meschech“ kamen, so nimmt Grünhut an, man habe sich an Maimuni wie an Samuel ben Ali von dort aus um Gelehrte gewandt. Hat es denn aber vor Maimuni gar keine Gelehrten in Aegypten gegeben? Lebte kein R. Pinchas in Alexandrien? Von welcher Seite kam der erste Widerstand gegen den Mischna Thora? Und sind etwa Spuren davon vorhanden, daß zu Maimunis Zeit sich die Gelehrsamkeit in Aegypten so gemehrt habe, daß von dort aus Babel bedacht werden konnte? Bedenke man, daß schon vor Maimuni Saadia den gleichen Weg gemacht hat, daß das Lehrhaus zu Alexandrien nicht jünger war, als das zu Chasdais Zeit in Cordova gegründete. Wir hissen also diesen Beweis für die Zeit der Reise auf sich beruhen. Beim Vergleiche mit Benjamin von Tudela gibt Grünhut diesem den Vorzug vor Petachja. Er ist nicht so sprunghaft, wie dieser, sondern hat mehr Bestimmtheit in den Einzelheiten, ist ausgibiger in seinen Berichten, während Petachja außer Babylonien alles kurz abfertigt. Beim Durchgehen des Petachjaschen Reiseberichts haben sich uns folgende Bemerkungen ergeben: S. 44 findet Petachja nur einen jüdischen Bewohner in Jerusalem; er ist Färber. — Merkwürdigerweise findet auch Nachmanides ein Jahrhundert später das Gleiche in Jerusalem, vor. Wie läßt sich das erklären? S. 41 ist bei Jabne eine Quelle, die am Sabbat ruht. Weshalb erwähnt Petachja nicht den Sambation? Jedenfalls hat er also vieles vom Hörensagen. S. 32 werden des Morgens die 100 Berachoth im Lehrhause zu Babel vorgebetet. Wie ist das möglich, da doch nach den bekannten Berechnungen mit Hinzunahme aller Tagesgebete diese Zahl herauskommt? Ebenda ist Jischtabach vor Wajoscha auch merkwürdig, da doch die Lobgesänge durch Jischtabach abgeschlossen werden sollen. Wollte man die sechs Schlußpsalmen dadurch als ein besonderes Ganze bezeichnen? S. 33 scheint mir unter der Singweise des Lesens der sog. ״Trop“ der Thoravorlesung verstanden zu werden. S. 34 findet sich eine merkwürdig dem Anfänge des Kusari ähnliche Erzählung. So wird manches geschichtlich und halakhisch Wichtige sich hier jedem finden, der das Buch mit Aufmerksamkeit liest. Die Anmerkungen erleichtern sehr den Gebrauch der Arbeit. Trotz mancher abweichenden Ansichten sind wir dem Verfasser (dessen Ausgabe Benjamins wir nicht erlangen konnten) äußerst dankbar und wünschen der gründlichen Arbeit weiteste Verbreitung. Predigtumrisse■ תולדות• Jakob und Esau. Midrasch: ״Die Tränen Esaus um den Segen haben den Tempel zerstört“. Laden wir keine Vorwürfe auf uns! Und wenn es sich nur um ein Wort, einen Segen drehte, den Esau selbst nicht schwer nimmt — sein Vorwurf wird Jakob doch immer folgen und Jakob wird, trotzdem er sein ganzes Leben zu kämpfen hat, immer der Auserwählte und Bevorzugte, Esau, trotzdem er Heerführer und Fürst geworden, immer der Vergewaltigte sein. Und seine Tränen waren stark genug, da sie einen Vorwurf für Jakob enthielten, das Heiligtum zu vernichten._ Inhalt der Nummer 23. Wissenschaftliche Aufsätze: Einiges über Mischnaforschung. Von Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal, Preußisch Stargard. (Fortsetzung.! — Lebensgeschichte Heimann Caro’s. Von Dr. Rosenberg-Thorn. — Litteraturbericht. Recensionen: Dr. Grünhut, Die Rundreise des R. Petachja. — Predigtumrisse. — Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin

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