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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-12-01 · 48 (1.12.1905) · p. Seite 678

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
48 (1.12.1905)
Date
1905-12-01
Page
Seite 678 (sequence 16)
Language
German
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Seite 678. Israelitische Wochenschrift. Nr. 48 Juden nicht unbewaffnet waren, und da die besseren Kreise ihnen zu Hilfe kamen, so sind auch Hunderte von Russen gefallen und zwar durch die Polizei und die Soldaten niederges^-ossen. Ein Geistlicher, der mit seinem Kruzifix in der Hand die Rasenden durch seine Worte beruhigen wollte, wurde sofort verhaftet. Die Soldaten schützten die Mörder und machten ihnen Bahn, und^das alles fällt auf Trcpow zurück. Wer nie im Auslande gelebt hat, kann sich leinen Begriff von unserem augenblicklichen Zustande machen. Wir trauen keinem Polizisten, keinen Soldaten, die zu unserem Schutze dastehen. Wir glauben auch keinem Kaulbars, wenn er unserm Konsul sein Ehrenwort gibt, und wir schrecken vor jedem Polizisten zusammen. Vor jedem Posten gehen wir in weitem Kreise herum." SbyloRs Cifil. Dem „liebenden Vater" Sei5 ihr gewogen; Er hat sich euch völlig Ins Herze gelogen. Den Allgott der Rache, Der Strafgerichte Verbannet ihr frech Von eurem Gesichte. 1V ie ich euch hasse, Grausame Heuchler, Ihr, meines Volkes Henker und Dceuchler! hinter dem liebenden Hauch eures Atundes Züngelt die Glut Des Höllenschlundes. Liebt ihr, so dorren Die ragenden IVälder. Elende irren (Huer über die Felder. Ihr schnieichelt und bettelt: Laßt, Juden, euch taufen Und zündet dann liebend Die Scheiterhaufen. Nie war die Liebe Der Welten Arönung; Gerechtigkeit nur Bringt die Versöhnung. Ihr liebt schon zuviel! (D, wärt ihr gerecht! Es lebte ein blühendes Ucenschengeschlecht. Emil Lcuy. Feuilleton, fteb Zigeuner. Von Babcttc Fried. (Fortsetzung ) Joszis wildes Blut bäumte sich anfangs gegen die Zumutung, die Geliebte seines Herzens aufgeben zu sollen, doch die erworbene Kultur hatte ihn doch etwas gemäßigt, so daß er scheinbar ruhig sprach: „Versprich mir, treu zu bleiben, es komme, was da wolle, dann will ich auch das ertragen, mich jetzt von dir zu trennen." Gerührt reichte sie dem treuen Jugendfreunde die Hand und sagte bloß die Worte: „Treu bis zum Tode!" Joszi faßte die dargebotene Hand Mirls und drückte sie so heftig, als sollte dieser Händedruck all seine Liebe bekräftigen. Tags darauf erbat sich der Schmiedegeselle Joszi einen Urlaub bei seinem Meister. Er ging geradeswegs in die Gasse, woselbst die Wohnung des Oberrabbiners war und ließ sich dem gelehrten Herrn melden. „Ein Zigeuner, ein Zigeuner?" hörte er bis ins. Vorzimmer den Rabbiner fragen, was kann der von mir wollen? „Er sieht sehr anständig aus, ist ordentlich gekleidet und spricht sehr hübsch." „Also führe ihn herein, doch bleibe in der Nähe." Joszi war ins Zimmer getreten und näherte sich schüchtern dem gelehrten Manne, den er wie ein höheres Wesen betrachtete und in dessen Händen sein Schicksal und das seiner Liebe ruhte. Voll scheuer Ehrfurcht bückte er sich zur Erde und berührte den Saum des bis zum Boden reichenden Kaftans desselben mit seinen Lippen. Der Rabbiner betrachtete verwundert die seltene Erscheinung eines von der Kultur gestreiften Zigeuners. „Was wünschet Ihr von mir?" sprach er ihn nach einer Weile an. „Ich möchte ein Jude werden, hochwürdigster, gnädigster Herr!" „Ihr, ein Zigeuner?" rief der Rabbi verwundert aus, indem er einige Schritte zurücktrat und den sonderbaren Jüngling mit den Blicken maß. „Auf diesen Einwurf war ich gefaßt, edler Herr! Aber ich habe die Gebräuche und Gesetze der Juden kennen gelernt und möchte diese auch beobachten wollen." „Das könnt Ihr doch so auch? Wer wird es Euch verwehren?" „Ich möchte aber ein wirklicher Jude werden." „Warum denn?" forschte der Rabbiner weiter, „um eines Weibes willen?" „Ich gestehe es, daß ich ein reines, keusches Judenmädchen liebe und zu meinem Weibe machen werde." „Darum also wollt Ihr Jude werden?" „Nicht darum bloß. Ich will Jude werden, weil ich die jüdische Religion kennen gelernt habe und ihre Gesetze befolgen will." „Wißt Ihr auch, was Euerer wartet, wenn Ihr Jude werdet, welche Schmach, welche Verfolgungen Euerer harren?" „Das soll mich nicht abschrecken. Auch ich entstamme. einem verachteten Volke, dessen größter Teil ruhelos in der Welt umhergehetzt wird. Mit Freuden will ich alles Ungemach auf mich laden, welches mich hier in Rumänien als Juden erwartet und voller Stolz überall bekennen: Ich bin ein Jude!" Der Rabbi schüttelte sein greises Haupt. „Wenn auch alles so wahr ist, wie Ihr da saget, Ihr törichter Jüngling, so müßte ich Euch dennoch abweisen. Viel zu viel Leid hat unser armes Volk in diesem unglückseligen Lande auszustehen, als daß ich es unbedachterweise noch vermehren wollte. Wenn ein Andersgläubiger, und wäre es auch nur ein Zigeuner, zum Judentume überginge, dann würden wir uns schwerlich der Verfolgungen erwehren können, die unserer harrten. — Ihr gefallt mir, junger Mann! Ihr habt

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