Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 48 (1.12.1905)
- Date
- 1905-12-01
- Page
- Seite 679 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 48. Israelitische Wochenschrift. Seite 679. mit entschlossener Hand die Schleier der Unwissenheit, in die Euer Volk eingehüllt ist, durchrissen und habt Euch einen Wissensgrad angeeignet, wie er untex Euch nie gefunden wird. Verwendet diese kostbare Errungenschaft dazu, um zivilisatorisch unter Euren Stammesbrüdern zu wirken. Sie werden Euch dankbar dafür sein. Vielleicht. Vielleicht auch nicht, vielleicht Euch, den weißen Raben, verfolgen. Aber Ihr habt Eure Pflicht getan und das ist löblicher und erhebender, glaubt es mir, als sich Pflichten aufbürden, deren Tragweite ©ud^ heute noch unbekannt ist. Glaubet mir, dem alten Manne, der es gut mit Euch meint." „Ist das Ihr letztes Wort, edler Herr?" „Nein, mein Sohn! Ich habe noch die Bitte an Euch, den Frieden des mir unbekannten Judenmädchens nicht zu stören. Versprecht Ihr mir dies?" Ohne eine bestimmte Antwort zu geben, ergriff Joszi abermals den Saum von des Rabbi Gewände, um einen Kuß darauf zu hauchen, dann war er gegangen. Mirl harrte von Tag zu Tag des Besuches ihres Freundes, aber umsonst, er ließ sich nicht blicken. Sie wurde gar manchmal von der Tante damit geneckt, daß die Liebe des schönen Zigeuners doch keine so heiße gewesen sein müsse, da er auf einmal seine Besuche einstellte. Doch konnten diese hämischen Bemerkungen Mirls Glauben an die Festigkeit von Joszis Liebe nicht erschüttern. In der Werkstatt arbeitete er nicht mehr und eine vorsichtig gestellte Anfrage bei seinen Mitgesellen ergab, daß er seine Arbeit aufgegeben und wahrscheinlich Jassy verlassen habe. Auch ich, der Vertraute Joszis, sein Lehrer, vor dem er kein Geheimnis hatte, konnte dem betrübten Mädchen diesmal keine Auskunft erteilen, da ich den gegenwärtigen Aufenthalt meines Schülers nicht kannte. Der junge Zigeuner war und blieb verschwunden. Da empfand Mirl erst, wie teuer er ihr geworden. Zwar wollte sie sich überreden, daß es bloß die Macht der Gewohnheit sei, welche sie an Joszi fesselte, und daß sie ihn ebenso leicht vergessen werde, als sie sich an seine Gesellschaft gewöhnt hatte, aber diese tiefe, fast unbezwingliche Sehnsucht nach dem fernen Freunde, war doch etwas mehr als bloße Gewohnheit. Die Tante freute sich im stillen über das Ausbleiben Joszis, denn sie wünschte nichts sehnlicher, als das Ende emer Liebelei, welche ihrer Ansicht nach zu keinem Ziele führen konnte. Dem bescheidenen, strebsamen, jungen Manne das Haus zu verbieten, das hatte die Gute denn doch nicht über sich bringen können. Sw hatte ihm ihre Achtung nicht zu versagen vermocht. Denn unter dem groben Gewände und dem Lederschurz schlug ein Herz, das zum Mitleide gegen Unterdrückte neigte. Das struppige, eingeölte, schwarze Haar bedeckte ein Haupt, welches sich durch festen Willen von einem unwiderstehlichen Triebe geleitet, mehr Wissen angeeignet hatte, als^hunderte von jungen Menschen, die mit Verachtung auf den Zigeuner heräbblicken. Aber ihm die sanfte, feine Mirl zur Frau zu geben, dazu hätte sie sich nimmer entschließen können, selbst wenn er ein Jude würde. Sein Ausbleiben war ihr daher sehr willkommen. Die stille Trauer Mirls bemerkend und richtig deutend, sagte sie ihr eines Tages: „Mirlleben, wenn du mein^eigen Kind wärest, hätt ich mich vielleicht von oem Zigeuner überreden lassen, denn mit meinem eigenen Kind dürft ich tun, was ich will; aber wie könnt ich es vor deinen Eltern verantworten, wenn ich einmal mit ihnen in jener Welt zusammenkomme, wenn ich das Kind, das sie mir zurückgelassen haben, einem Zigeuner gäbe." Mir! gab hierauf keine Antwort. Sie war zu betrübt, um sprechen zu können. Mehrere Wochen waren verstrichen. Die Tante war wieder gesund und Mirl war dadurch die schwere Last des Ernährens erleichtert worden. Drückend schwer lag aber die Sorge um Joszi auf ihr. Keinen Moment kam dem verlassenen Mädchen der naheliegende Gedanke, daß er ihrer?vergessen habe, daß er sich von einer Dirne seines Stammes habe betören lassen und in die früheren Verhältnisse zurückgekehrt sei. (Schluß folgt.) Mk. I.—, 1.20, 1.40, 1.50, 1.60, 1.70, 180 1.90, 2.— pro % K'lo. Käuflich in fast allen Geschäften de« Konsumbranche undchn eigenen Filialen der Firma A. Zuntz sei. Wwe. Probe-Ausschank: Leipzigerstr. 83, Spittelmarkt 8—10 und Tauenzienstr. 15. Dampf-Wäscherei „Monopol” Berlin N., Lothringerstr. 16. Altrenommierte Anstalt für den Privat-Hausbedarf. Referenzen erster hiesiger Haushalte zu Diensten. Fernsprecher: Amt III, 1865. 12 mal prämiiert. Ehrendiplome, goldene, silberne, bronzene Medaille. Berliner Türschließer-Fabrik Schubert & Werth, Berlin 0 , Prenzlauerstr. 41 (Größte Türschließer-Fabrik Europas). 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