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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-12-01 · 48 (1.12.1905) · p. Seite 674

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
48 (1.12.1905)
Date
1905-12-01
Page
Seite 674 (sequence 12)
Language
German
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Seite 674. Israelitische Wochenschrift. Nr. 48. Kenner des heiligen Landes, hat den einzelnen Bildern in kurzen, sinnigen, tiefempfundenen Skizzen das Geleitwort mitgegeben. Sind auch bei der Darstellung, wie begreiflich, von dem Künstler besonders jene Ställen bevorzugt worden, welche christliche Ueberlieferung mit heiligender Weihe umgeben, so dürfte diese Mappe auch den Salontisch des jüdischen Hauses zieren, und gar manchem mit ihr ein willkommenes Geschenkwerk geboten sein. Denn zunächst ist alles aufdringlich Konfessionelle vermieden. Dann sind auch für das jüdische Bewußtsein und Kulturempfinden die Stätten, wie die Grabeskirche in Jerusalem, Gethsemane, zumindest so bedeutungsvoll und ehrwürdig, wie z B. die Omarmoschee — welche das Titelblatt ziert — die über jenen Felsen sich wölbt, von welchem aus die Legende Mohammed seine Himmelfahrt antreten läßt. Möge das kurze Inhaltsverzeichnis die Orte angeben, welche des Künstlers Stift festgehalten: 1. Pyramiden und Sphinx. 2. Ramsesstatue bei Memphis. 3. Mamelukengräber bei Kairo. 4 Jerusalem vom Oelberg aus. 5. T^mpelplatz in Jerusalem 6. Grabeskirche. 7. Erlöserkirche. 8. Dormition und Eoenaculum. 9. Gethsemane. 10. Via dolorosa. 11. Kidrontal. 12. Bethlehem. 13. Rahels Grab. 14. Apostelbrunnen bei Jericho. 15 Jericho. 16. Totes Meer. 17. Samaria. 18. Johanneskirche in Samaria. 19. Jakobsbrunnen bei Sichem. 20. Karmel. 21. Nazareth. 22. Liberias. 23. Damaskus. 24. Baalbek In farbig feiner Abtönung kommen die Lichteffekte voll zur Geltung und all der Reiz, den der südliche Himmel über jene denkwürdigen Stätten ausgießt. Der Preis ist für die Mappe in Künstlerleinen mit 6 Mk., für die Luxus-Ausgabe in Ledermappe mit 18 Mk. festgesetzt. Dr. E. Die Politik. Zu Schönstedts Entlassung bringt die „Staatsbürgerzeitung" einen charakteristischen Brief eines preußischen Amtsrichters, in dem es u. a. heißt: „Ich erlaube mir darauf aufmerksam zu machen, daß sich der scheidende Minister ein besonderes Verdienst damit erworben hat, daß er den preußischen Richterstand möglichst judenrein gehalten hat, nicht etwa aus sogenannten antisemitischen Steigungen, sondern um das Gefühl des christlichen Publikums zu schonen und vor einem inneren Konflikt bei Eidesabnahme usw. es zu bewahren. Vor allem hat er aber, selbst gegen den Ansturm der semitischen Parteien im Abgeordnetenhause, das Prinzip durchgeführt, daß in Berlin nur soviel jüdische Richter angestellt wurden, wie es prozentual der jüdischen Bevölkerung entsprach Ich kenne ans jüngster Zeit einen Fall, in dem sich der Herr Minister noch geweigert hat, einen jüdischen Herrn aus der Provinz nach Berlin trotz Fürsprache von maßgebender Seite zu nehmen. Diese Unbeugsamkeit ist ihm meines Erachtens hoch anzurechnen, ebenso wie seine Verdienste um die Vermehrung der Richterstellen anzuerkennen sind." Die „Kreuzzeitg." erinnert daran, daß bei der Verhandlung über den Assessorenparagraph zum ersten Male die Behauptung laut geworden ist, daß der Justizminister antisemitischen Neigungen zugänglich seu „Die gleiche Behauptung spielte eine hervorragende Rolle, als im Abgeordnetenhause über die angebliche Zurücksetzung jüdischer Rechtsanwälte bei der Ernennung zu Notaren Beschwerde geführt wurde. Dr Schönstedt erkannte an, daß er in den Großstädten, insbesondere in Berlin, sich hierbei nicht immer habe an das Dienstalter halten können, sondern mehrfach genötigt gewesen sei, jüngere nichtjüdische Notare zu ernennen, obgleich noch ältere jüdische Bewerber zur Verfügung standen. Die Gründe lagen auf der Hand. Dem Notar soll das Publikum mit Vertrauen entgegenkommen, in weiten Kreisen ist man aber nicht geneigt, Zwischen Notaren dies Vertrauen zu schenken. Deshalb durfte ein gewissenhafter Justizminister nicht einen Zustand herbeiführen, bei dem die Mehrzahl der Notare dem Judentum angehören. Mit antisemitischen Neigungen hatte das nichts zu tun, sondern hier sind lediglich nüchterne, verwaltungstechnische Erwägungen maßgebend gewesen. Dem Minister Dr. Schönstedt wird unvergessen bleiben, daß er sich durch das Geschrei, das namentlich ans den Reihen der Freisinnigen erhoben wurde, von seiner bisherigen Praxis nicht hat abbrigen lassen Dafür hat sich aber der Haß, den gerade diese Kreise gegen ihn hegten, stetig gesteigert. Man erkennt das aus den giftgeschwollenen Artikeln, die ihm seit den Verhandlungen über die Besetzung der Notariate von Zeit zu Zeit gewidmet wurden und die mit unverkennbarer Absicht auf seine Entfernung aus dem Amte abzielten. Dabei hat man ihm nicht nur Verfassungsbruch, sondern auch praktische Unfähigkeit für Bekleidung seines Amtes vorgeworfen, insbesondere hat man behauptet, daß er mit allen wichtigeren Gesetzesvorlagen, die er zu vertreten hatte, Schiffbruch gelitten habe, und daß es ihm nicht gelungen sei, das Vertrauen des Abgeordnetenhauses zu erwerben. Aber gerade hier zeigt sich, wie tendenziös namentlich die freisinnige Presse urteilt." * * * Ministerialrat Dr. Ludwig Massai üöer die russischen chreuel. Der Präsident des königl. ungarischen Patentamtes, Dr. Ballai, hat in einer vom Budapester Hilfskomitee abgehaltenen Sitzung seine Meinung über die Vorgänge in Rußland in einer längeren R:de auseinandergesetzt. Die Budapester „Allgem. Jüdische Zeitung" erhielt vom Herrn Ministerialrat, der, ein guter Jude, schon bei verschiedenen Gelegenheiten seine unerschütterliche Anhänglichkeit zu seinem Stamme bekundete, einen Brief, in welchem er einen so gesunden Standpunkt offenbart, daß er auch der breiteren Oeffentlichkeit zugänglich gemacht zu werden verdient. „Es unterliegt keinem Zweifel," sagt Dr. Ludwig Ballai, „daß, wenn die Sammlung richtig organisiert wird, die jüdische Opferwilligkeit wie auch das Mitleidsgefühl eines jeden anständigen Menschen in großartiger Weise sich bekunden wird. Wenn wir jedoch bedenken, daß diese Greueltaten unter dem Schutze der Behörden verübt wurden, so ruft uns das Andenken der massakrierten Juden zur Sühne aus. Und wahrlich, das Gefühl der Gemeinschaft der zivilisierten Welt darf diese Greueltaten nicht ungesühnt lassen. Sie muß in geeigneter Weise nicht nur Protest erheben gegen ein Vorgehen, das die elementarsten Begriffe der Menschenrechte mit Füßen tritt, sie muß diesen Protest auch praktisch zu betätigen wissen. Dies hifreich durchzuführen, ist die Judenschaft nicht mehr auf sich allein angewiesen, denn die Frage ist nicht nur eine Judenfrage, sondern eine Frage der Humanität. Auch die in der Judenschaft sich bergende geistige Kraft kann, wenn die Gemeinschaft sich betätigt. Ersprießliches zeitigen, denn sie kann erforderlichen Falles einen finanziellen und volkswirtschaftlichen Boykott Rußlands durchsetzen. Wenn z. B. die Börsen russische Werte nicht handeln, so wäre dies schon allein ein beträchtlicher Schaden wohl auch für die Kapitalisten aller Länder, vornehmlich aber für Rußland. Jedenfalls muß etwas auf gesellschaftlichem Gebiet unternommen werden! Hoffentlich, ja gewiß wird jetzt für eine Zeitlang Ruhe einkehren, denn wenn die Bestie sich vollgesogen hat, gibt sie dem Opfer Ruhe! Aber wer garantiert dafür, daß, wenn politische Zwecke wieder eine Judenmetzelei erheischen, ob die Macht sich zurückhalten wird, wenn sie sieht, daß sie es ohne empfindlichen Schaden tun kann?. . Nein! Da müssen geeignetere Mittel in Bewegung gesetzt und enernisch in Angriff genommen werden! Die Welt und überhaupt die Judenschaft kann ihre Aufgabe nicht darin erschöpft sehen, daß — wenn die Behörden in wiederkehrenden Zeitabschnitten eine Metzelei in Szene setzen — der Jude sich nur auf das Sammeln beschränke. Das hieße seine Kraft unterschätzen. Es wäre daher angezeigt, wenn ein Komitee entsendet

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