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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-12-01 · 48 (1.12.1905) · p. Seite 673

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
48 (1.12.1905)
Date
1905-12-01
Page
Seite 673 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 48. Israelitische Wochenschrift. Seite 673. nischen reponere, sondern unmittelbar vom französischen repos herleiten wollte. Lichtenberg: Verm. Schriften. * »- Eben dieselbe Religion, welche die Menschen mit Wärme und Eifer gegen diejenigen verteidigen, welche eine ganz entgegengesetzte haben, ändern sie selbst in ihrem Geist durch individuelle Ansichten und Gefühle um; sie fügen hinzu, scheiden tausend Dinge, oft wesentliche, davon aus, je nachdem es ihnen paßt, und verharren fest und unerschütterlich bei dieser Form, die sie ihr gegeben haben. So kann man, um gemeinverständlich zu reden, von einer einzigen Nation sagen, daß sie einen und denselben Kultus hat und sich nur zu einer gemeinsamen Religion bekennt; und doch — will man genau sprechen — ist es wahr, daß sie deren verschiedene hat und fast ein jeder eine, die nur ihm eigen ist. Jean de la Brilyvre: Charactere. * * Es ist keine Neigung, welcher wir bei den Menschen, bei den einzelnen, bei Gemeinden so allgemein begegnen, als in irgend einer ausschließlichen Bevorzugung vor den andern sich zu befinden, und man wird sich gar nicht zu sehr wundern, daß diese Ausschließlichkeit auch in der Religion sich hineingedrängt. Der Jude, der Mohammedaner, der Christ, ein jeder hält sich in seiner Religion mit herber Abweisung der übrigen als allein von Gott bevorzugt. Innerhalb des Christentums selbst ist eine Vergeltung dafür entstanden: denn der Protestant ist ja nun um nichts weniger als der Jude oder Mohammedaner von der ewigen Seligkeit ausgeschlossen. K. Lehrs: Populäre Aufsätze aus dem Altertum. ■ * * * Die besonderen Religionsformen betrachte ich nur als heilsame Verschiedenheiten, die meist ihren Grund im Klima und Volksgeist haben und dem Lande einen gemeinsamen Kultus geben. — Ich werde den Menschen immer die Tugend predigen und sie ermahnen, Gutes zu tun; ich werde mich aber hüten, ihnen die grausame Satzung der Unduldsamkeit zu lehren, als sei kein Heil außer der Kirche. z, Z Emil. * * * Nach meiner Auffassung ist wahre Religion eine Sache des Herzens, wie wahre Liebe; beide werden befestigt und gesichert, wenn der Verstand das Siegel seiner Billigung darauf drückt. — Ich, für meine Person, würde es als ein großes Glück für die Menschheit betrachten, wenn dem alten unseligen Glaubenshader durch friedliche Vereinigung aller Völker, deren Glaube im alten und neuen Testament wurzelt, ein baldiges Ende gemacht werden könnte. Friedrich von Badenstedt in: „Briefe berühmter christlicher Zeitgenossen über die Judenfrage", herausgegeben von I. Singer. * * * Die Religionen sind Jahrtausende hindurch für die Menschheit treue Lehrmeisterinnen gewesen. Wie aber endlich jedes Lehr- und Lernverhältnis durch Emanzipation des Zöglings endet, so auch dieses. Den Juden zuzumuten, jene endliche, höhere geistige Freiheit auf dem Umwege eines Durchgangs durch das Christentum zu erlangen, wäre ebenso verkehrt, als jene vom Apostel Paulus bekämpfte Ansicht der ersten Judenchristen eine verkehrte war, die bekanntlich dahin ging, die zum , Christentum sich bekehrenden Heiden müßten erst die Beschnei- , düng annehmen und überhaupt nur durch das Judentum zum Christentum übergehen. I, % Mpmann: l. c. S. 123. Literarisches. Im Verlage von Theodor Benzinger, Stuttgart, ist in diesem Jahre ein „Bilderatlas zur Bibelknndc", bearbeitet von Schulrat Dr. Frohnmeher und Tr. I. Benzinger erschienen, auf welchen ich besonders die Aufmerksamkeit der jüdischen Religionslehrer lenken möchte, da dieses Werk eine wertvolle Handhabe bietet, um den biblischen Religionsunterricht anschaulich und lebensvoll zu gestalten. Es braucht nicht des Näheren ausgeführt zu werden, wie die Begriffe erst dann Leben gewinnen, wenn sie nicht bloß durch das Ohr vermittelt werden, sondern durch rechte Anschauungsmittel dem Bewußtsein sich einprägen. Haben auch die Herausgeber in erster Reihe ein Hilssbuch ur Belebung des christlichen Bibelunterrichts schaffen wollen, o ist dieses Werk doch unbedenklich jedem jüdischen Lehrer zu empfehlen, da mit wenigen Ausnahmen die Abbildungen — 600 an der Zahl — auf das Leben unserer Ahnen, auf den Geschichtsgang Israels, auf den Kultus unserer Väter in Palästina Bezug nehmen. An der Hand des kundigen Führers und der beigefügten Karten ziehen an uns die Landschaften und die Stätten vorüber, wo die Ahnen einst geweilt. Das Pharaonenland mit seinen Pyramiden, Tempeltrümmern mit dem Flußlaus des Nil versetzt uns in die Zeit, da Israel unter Sklavenketten im Stillen zum Volke Gottes herangereift, und veranschaulicht uns die Umgebung, in welcher Moses die Eindrücke seiner Jugend in sich ausgenommen Wir folgen dann dem Zuge der Ahnen durch die Wüste, durch die Halbinsel Sinai. Wir verweilen an der „Mosesquelle", der einstigen „Mara"-Quelle, die, ein See inmitten eines Palmenhains, einen Ruhepunkt und einen Labetrunk den Wüstensöhnen bietet Das „Tal Feiran" bezeichnet die Stätte, wo der räuberische Ueberfall der Amalekiter erfolgte. Es starren uns geheimnisvoll die zerklüfteten Spitzen des „Serbal" und „Safsafe" an, — denn ungewiß ist es, ob an den Abhängen des einen oder andern Berges Israel die Gesetze entgegennahm, da es nicht mehr festzustellen ist, welche Höhen mit „Sinai" oder „Horeb" bezeichnet wurden. Dann erschließt sich uns in einer Reihe von 70 Illustrationen das „heilige Land", wie es sich jetzt den Besuchern mit seinen denkwürdigen Stätten zeigt, an denen die Ueberlieserung heilige, ehrfurchterweckende Erinnerungen geknüpft. Auch nach Syrien, Babylonien und Assyrien, — deren Herrscher tief in Jsrael-Juda's Geschick eingegriffen — geleitet uns unser Führer, und läßt vor unfern Augen oie Ruinen von „Babylon" und „Ninive" in bedeutsamen Einzelbildern erstehen. Nur die folgenden Abbildungen als „Stätten der Apostolischen Wirksamkeit" kommen für den jüdischen Unterricht nicht in Betracht, doch werden auch diese für den jüdischen Lehrer, der die Entstehung und Entwicklung des Christentums würdigen muß, nicht ohne Interesse sein. Nun wird in systematischer Aneinanderreihung der Ge sch ich tsgang Israels, der Kultus unserer Ahnen, - und das Alltagsleben der Israeliten in etwa 300 Illustrationen beleuchtet und dem Verständnis näher gebracht. Dr. I. Benzinger hat die nötigen Erläuterungen in sachlicher, knapper Form den betreffenden Bilderzyklen vorangesetzt. Dabei ist auch die biblische Naturgeschichte nicht zu kurz gekommen, denn in 100 Abbildungen wird uns die Tier- und Pflanzenwelt vorgeführt, welche die biblische Darstellung kennt und nennt. Bei Einzelheiten zu verweilen, würde mich weit über den Rahmen einer kurzen Besprechung führen. Wer das Werk benutzen wird, wird den Herausgebern Dank wissen, daß sie das weitzerstreute Material, das in verschiedenen Werken und teuren Bilderbibeln zu finden, systematisch zusamineugefaßt und geordnet haben und dem Verlage danken, daß er ein so wertvolles Anschauungsmaterial in handlicher Form, für den mäßigen Preis von 6 Mark, anch den minder bemittelten Kollegen zugänglich gemacht hat. Im selben Verlage ist eine Mappe von künstlerisch ansgefnhrten Aquarellbilderu erschienen, die uns nach „Palästina" führen, dem Lande, dem unsere Sehnsucht gilt, und das wohl für immer das Land der Jugendträume bleibt. In diesen Bildern hat der Künstler R Julius Hartmann jene Stimmung festgebannt, welche ihn bei dem Besuche der heiligen Stätten ergriffen. Dr. I. Benzinger, ein trefflicher

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