Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 46 (17.11.1905)
- Date
- 1905-11-17
- Page
- Seite 649 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 46. Israelitische Wochenschrift. Seite 649. daß bei der jetzigen Zusammensetzung der Repräsentanz dieser Petition auch Folge gegeben wird. Daß durch die Annahme eines dahingehenden Beschlusses sich wieder ein großer Teil, vielleicht sogar der größere Teil der Besucher dieser Synagoge in ihren religiösen Anschauungen verletzt fühlen wird, ist klar und ebenso klar, daß durch dieses fortwährende Hinnnd Her- Schwanken in Fragen einer bestimmten Kultuseinrichtung der Ernst und die Würde der ganzen Einrichtung gewaltige Einbuße erfahren muß. Es war daher der Antrag MumenIPat: „über diese Petition zur Tagesordnung überzugehen", nicht ganz ungerechtfertigt. Die Versammlung war anderer Meinung und beschloß einstimmig — gegen die St'mmedes Antragstellers — eine Subkommission von 7 Mitgliedern zur Prüfung dieser Frage einzusetzen, mit anderen Worten: eine Orgel in der Rykestraße einzurichten. Die konservativen Vertreter bezeugten ihre echt liberale Gesinnung dadurch, daß sie insgesamt diesem Ausschußantrag zustimmten. Die Debatte über diese Frage, an der sich hauptsächlich die Repr. Wlltmenthal, Wkaschke, Kirsch, Veit Simon, Geiger, Waginsky, Löwenthat und Vorsteher Jacoöi beteiligten, nahm zeitweise einen überaus scharfen Charakter an. (Wir kommen auf den Gang dieser Verhandlung in nächster Nummer zurück.) Die übrigen Punkte der Tagesordnung konnten ein größeres Interesse nicht mehr erwecken. — Für die notleidenden russischen Juden hat die Alliance Jsraölite Universelle am 7. d. M. 100 000 Frs. an das Komitee in Petersburg, am 8. d. M. 60,000 Frs. an das Komitee in Odessa telegraphisch überwiesen. Ihre Sammlung für die Opfer der schmählichen Verfolgungen erbrachte in Paris allein 500 000 Frs. Das Bankhaus Meyer Cohn nimmt Beiträge für die Sammlung der Alliance entgegen. — Am 8. d. M. fand eine außerordentliche Sitzung des Zentral-Komitees der Alliance statt, in der der Geheime Kommerzienrat Ludwig Max Goldberger in Berlin zum Mitglied des Zentral-Komitees kooptiert wurde. — Israelitischer Fortbildnngsverein Montefiore. Vereinslokal: Dircksenstr. 46. Lehrplan für das Winterhalbjahr 1905/06. Sonntag, 4—6 Uhr nachm. Herr Dozent Dr. I. Wohlgemuth: „Kusari, II. Teil". Beginn am 29. Oktober. — Dienstag 9 bis 10 Uhr abends Herr Rabbiner Dr. E. Munk: „Dinim". Nach „Darchai Nauam". Beginn am 31. Oktober. — Freitag y29 bis ValO Uhr abends Herr Dr. Ed. Biberseld: „Ausgewählte Psalmen". Beginn am 3. November. — Das Genesungsheim zu Lehnitz bleibt auch in diesem Jahre während der Wintermonate geöffnet Ausnahmegesuche von Rekonvaleszenten oder sonst erholungsbedürftigen weiblichen Personen sind unter Beifügung eines ärztlichen Ältestes an den „Verein Jüdisches Genesungsheim Berlin", Große Präsidentenstraße 31 zn richten. Breslau. Verein israel. Lehrer in Schlesien und Posen. Die 27. ordentliche Generalversammlung des Vereins findet Mittwoch, den 22. November er., vormittags liy2 Uhr, in Breslau im Sitzungssaals der Repräsentanten der Synagogengemeinde (Wallstr. 14, 2 Tr.) statt. Tages-Ordnung: Bericht über das letzte Vereinsjahr 1904/6 sowie über die Tätigkeit des Verbandes der jüdischen Lehrer-Vereine; Rechnungslegung; Neuwahl; Verbandsthema: Die Notwendigkeit der methodischen Umgestaltung des hebräischen Unterrichts (Hamburger-Brieg); „lieber das Gebet" (Bähr-Waldenburg); Bericht über den Kasseler Delegiertentag (Dozent Dr. Brann); Antrag Moops-Breslau: Schaffung einer Vereinsbibliothek von Werken pädagogischen, hauptsächlich religions-wissenschaftlichen Inhalts; Antrag Bähr- Waldenburg: Zusatz zu 8 1 der Statuten des Verbandes deutscher jüdischer Lehrervereine im Deutschen Reiche: „Vorträge und Erörterungen, die geeignet sind, das religiöse Gefühl zu verletzen, sind unzulässig"; Antrag Bähr—Moops: Errichtung einer Auskunftsstelle; Antrag Moops—Bähr: Die Generalversammlung wolle beschließen: Der Verein israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen erklärt seinen Beitritt als Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Burgsteinfurt. Bei den am 6. d. Mts. hierorts erfolgten Stadtverordnetenwahlen wurde Herr M. Cohen, der während der letzten Periode bereits zur Stadtvertretung gehörte, von den Wählern der II. Abteilung einstimmig wiedergewählt. Herr Cohen erfreut sich nicht nur in der jüdischen Gemeinde der größten Achtung und Wertschätzung, — er ist Vorsitzender des Repräsentanten-Kollegiums und Mitglied des Schulvorstandes — sondern er hat es verstanden, sich auch die Zuneigung und das Vertrauen der christlichen Mitbürger in hohem Maße zu erwerben. Davon zeugen die mannigfachen Ehrenämter, mit denen er seit Jahren betraut ist. Er ist Vorsitzender im Vorstand der städtischen Sparkasse, Mitglied der städtischen Finanzkommission und gehört ferner zum Vorstand der Baugenossenschaft. — Nicht minder hohes Ansehen genießt sein Bruder, Herr W. Cohen, in weiteren Kreisen. Zahlreiche Ehrenämter hat man daher auch in seine Hände gelegt. Er gehört zum Vorstand des Kreis-Kriegerverbandes, der 2300 Mitglieder zählt, steht mit an der Spitze des Kriegervereins für Stadt und Amt Burgsteinfurt, gehört dem Vorstand des Verkehrsvereines sowie dem der Gewerbebank an. Auch war er seinerzeit Mitglied des vorbereitenden Komitees zur Errichtung eines Denkmals für den Grafen Arnold, den Begründer des hiesigen Gymnasiums Es ist dies gewiß für die beiden Herren ein ehrendes Zeugnis, aber auch zugleich ein erfreulicher Beweis, daß man in unserer Zeit, da sich der Antisemitismus gerade in den kleinen Städten oft in unangenehmer Weise bemerkbar macht, auch noch in unseren Reihen geeignete Männer zu finden weiß, wenn es gilt, öffentliche Ehren- und Vertrauensämter zu vergeben. Wien. Generalmajor Eduard Ritter v. Schweitzer, der einzige jüdische General des österreichisch-ungarischen Heeres, ist in Pension gegangen, nachdem er den Rang eines Generalmajors IV2 Jahre bekleidet hatte. Eduard Schweitzer wurde in Gyöngyös in Ungarn geboren und trat freiwillig als einfacher Soldat in die Armee. Kurz nach seinem Eintritt entbrannte der Krieg mit Preußen 1866. Auf den Kriegsschauplatz nach Böhmen versetzt, kam der junge Soldat sofort ins Feuer. Zum Unteroffizier befördert, trat Schweitzer in die Wiener Kadettenschule ein und nach deren Vollendung wurde er zum Offiziersstellvertreter, sodann zum Leutnant befördert. Der Ausbruch der Insurrektion in der Herzegowina führte ihn als Adjutanten des 32. Infanterie- Regiments dorthin. Seine Verdienste während dieses Feldzuges wurden durch Verleihung des Ordens der Eisernen Krone 3. Klasse mit der Kriegsdekoration anerkannt. Nach Wien zurückgekehrt, bestand Schweitzer nach kurzer Vorbereitung die schwierige Aufnahmeprüfung in die Kriegsschule, die höchste militärische Bildungsanstalt, und absolvierte diese mit „sehr gutem Erfolge". Seine Erhebung in den Ritterstand erfolgte nach einiger Zeit auf Grund der Statuten des Ordens der Eisernen Krone. Zweimal avancierte er außerhalb der Rangtour. Außerdem ist er Besitzer des Offizierkreuzes des Franz Joseph-Ordens, der Kriegsmedaille, der bronzenen Erinnerungsmedaille, des Militärdienstzeichens u. s. w Als Befehlshaber des 26. Infanterie-Regiments Michael Großfürst von Rußland überbrachte er zweimal dem Oberst-Inhaber üt St. Petersburg die Glückwünsche des Regiments und er wurde bei dieser Gelegenheit mit hohen russischen Auszeichnungen bedacht. Im Mai 1904 zum Kommandanterl der 53. Infanterie-Brigade ernannt, wurde Ritter v. Schrveitzer zum Generalmajor befördert. Vakanzen Lehrer an der israel. Real- und Religionsschule in Antwerpen. Offerten an Herrn S. Wolff, rns Uoublonniörs 43. Vvrbeter und Schvchet per 1. Januar 1906 in Freienwalde i. P. Gehalt 1000 Mk., freie Wohnung und Nebenverdienste. Offerten bis zum 1. Dezember vom Synagogen-Vorstand erbeten. 1. Kantor zum 1. Januar 1906 in Königshütte O.-S. Anfangsgehalt außer Nebeneinkommen 3000 Mk. Offerten all den Synagogen-Vorstand zu richten. Religionslehrer, Kantor und Schochet per sofort in Cochem a. Mosel. Gehalt 800 Mk., Nebeneinkommen mindestens 400 Mk. und freie Wohnung. Offerten musikalisch gebildeter Bewerber vom Vorsteher Herrn D. Mayer erbeten. Kultusbeamter, gleichzeitig geprüfter Religiouslehrer, Schochet und Vorbeter, baldigst in Vandsburg. Gehalt 1500 Mk. Meldungerl an den Synagogen-Vorstand.