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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-11-17 · 46 (17.11.1905) · p. Seite 647

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
46 (17.11.1905)
Date
1905-11-17
Page
Seite 647 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 46. Israelitische Wochenschrift. Seite 647. tragte die Ablehnung seines Gesuches. Dennoch stimmte der Gemeinderat für Genehmigung aus Achtung für Costiner, der nicht nur beträchtliche Steuern zahlt, sondern auch als Wohltäter weit bekannt ist. Vasescu annullierte nichtsdestoweniger diese Entscheidung unter dem Vorwände, daß der Petent den Besitz eines Kapitals von 1000 Frs. nicht nachgewiesen habe. 5. Die Zahl der jüdischen Familien, die gegenwärtig Ausweisungsbefehle erhalten haben, beläuft sich auf 283. Im Departement Dorohoi haben die Behörden besonders die armen Juden aufs Korn genommen, die auf den Gütern des ehemaligen liberalen Präfekten Pilat angestellt sind. Auch Herr Pilat ist während seiner Amtsführung mit den Juden nicht sehr zart umgesprungen. Die Zeitungen verzeichnen folgende Drohung Pilats, die er an die Adresse der Konservativen gerichtet hat: Heute verjagt Ihr meine Juden, morgen verjage ich die eurigen." Alllisniiitisiniis iil den llminigtrn Ztliiite». Nichts spricht für den großen Einfluß der Juden in den Vereinigten Staaten von Nordamerika als die Tatsache, daß ihnen die Beamtenlaufbahn nicht nur vollständig offen steht, sondern daß diese von ihnen auch in vollem Maße begangen wird. So gibt es in Newyork allein gegen 9O0 jüdische Postbeamte, denen allerdings der Generalpostmeister von Newyork, Cortelyor, bei Strafe der Aussperrung für mehrere Tage verboten hat, den Jom Kippur zu feiern. Er resp. sein Stellvertreter motivierte es mit der großen Zahl der jüdischen Postbeamten, durch deren Abwesenheit am Jom Kippur das ganze Verkehrswesen leiden würde. So groß aber die Zahl der jüdischen Postbeamten auch ist, sie bilden immerhin einen winzigen Bruchteil der gesamten auf der Post beschäftigten Beamtenschaft, die doch am Weihnachtstage vom Dienste fern bleiben darf, obgleich dadurch der Verkehr in weit höherem Grade gestört wird. Die Taktik des Herrn Cortelyor ist um so auffälliger, als er im vorigen Jahre seinen jüdischen Beamten den Jom Kippur ohne Furcht vor Verkehrsstörung freigegeben hat. Freilich war das Jahr 1904 ein Wahljahr und man mußte die jüdischen Wähler bei guter Laune erhalten. Nunmehr ist es aber nach Tisch und da reden wir anders. Auch bei der Volkszählung, welche in diesem Jahre in Newyork stattfand, wurde auf die große jüdische Bevölkerung Newyorks wenig Rücksicht genommen. Die Zählung dauerte drei Tage und gerade der erste von diesen fiel auf den Jom Kippur. Dadurch aber wurden hunderte von jüdischen Zählern gezwungen, am Jom Kippur zu arbeiten. Noch weit stärker gebärdete sich der Antisemitismus auf dem flachen Lande im Staate Newyork. In Poughkeepsie im Staate Newyork wurden die Vorsteher der dortigen Synagoge wegen Ruhestörung, verursacht durch das Schofarblasen, angeklagt. Auch haben sich die Nachbarn bei der Grand Jury darüber beschwert, daß der Melamed des Ortes die Kinder züchtigt und sie infolgedessen durch deren Geschrei sich belästigt fühlen. Betrunkene Irländer stören durch ihren Straßenlärm nicht im mindesten, die Poughkeepsier werden aber wie der Satan im jüdischen Volksglauben durch das Schofarblasen gleich nervös. Zum Schluffe sei noch ein Streik der Schabbos Goim in Louisville im Staate Kenntucky der Kuriosität wegen erwähnt. Diese in jüdischen Häusern ohne christliches Dienstmädchen am Sabbat leichte Handlangerdienste tuenden Nichtjuden, welche sich in Amerika meist aus Negerburschen rekrutieren, bekamen in Louisville bis jetzt für ihren leichten Dienst 3 Cents pro Stunde. Sie traten in den Streik ein, um dadurch einen Stundenlohn von 5 Cents zu erreichen. Nach kurzem Kampf haben die Schabbos Goim auf der ganzen Linie gesiegt und erhalten nunmehr in Louisville pro Stunde 5 Cents. Literarisches. Ein alter und stets wieder gern gesehener Freund ist Rabbiner Tr. Heppners jüdisch-literarischer Abreißkalender, der nun zu 1906 wiederkehrt. Er bietet neben dem bürgerlichen noch das entsprechende jüdische Datum, wie alles, was zum jüdischen Kalender gehört. Zum Sabbat die Inhaltsangabe des Thoraabschnittes, die in dieser Knappheit und Uebersichtlichkeit jedem willkommen sein wird. Besonders wertvoll wird der Kalender durch geschichtliche Angaben über den Tag, sei es, daß wichtige Ereignisse denselben kennzeichnen oder daß bedeutende Persönlichkeiten der jüdischen Geschichte mit ihm verbunden sind. Ost ist ein passender Sinnspruch hingesetzt. Wer den Menschen und seine Stimmungen kennt, weiß, wie wichtig morgens ein Blick nach dem Kalender ist. Ein anregendes Wort, der Hinweis auf eine bedeutende Gestalt der Vorzeit oder auch der Gegenwart bietet oft Anregung für den ganzen Tag. Nicht nur für den Laien ist das gesagt, sondern auch für die verschiedenartigen geistigen Leiter, Nabbinen, Lehrer, Vorstände, Vertreter von Gemeinden und Vereinen Wir denken nicht immer an alles und manches Wichtige entgeht uns. Da ist ein so anspruchsloser „stummer Diener" eine große Wohltat. Wir wünschen dem Kalender (Preis 80 Pf.) große Verbreitung! Tie älteste Abschrift der zehn Gebote, der Papyrus Rash. Von Dr. Norbertns Peters. Mit einer Abbildung, gr. 8° (IV u. 52). Frei bürg 1905, Herdersche Verlagshandlung. Mk. 1,50. Vorstehende Untersuchung ist der Kopie eines biblischen, religionsgeschichtlich sehr wichtigen Textes aus dem ersten christlichen Jahrhundert gewidmet. Das Papyrusblatt wurde im Jahre 1902 durch den Engländer Nash in Aegypten aufgefunden und befindet sich heute in der Bibliothek der Universität Cambridge. Es wurde bisher nur in einigen Zeitschriftenartikeln besprochen, obgleich es wegen seiner Wichtigkeit sogleich nach Bekanntwerden eine Monographie verdient hätte; ist es doch mindestens 700 Jahre älter als die ältesten seither bekannten hebräischen Handschriften und überragt es an Alter selbst die ältesten griechischen Bibelfragmente um etwa 200 Jahre. Die Untersuchung dieser ältesten biblischen Reliquie der Welt gestaltet sich zu einer glänzenden Apologie des Textes der griechischen Bibel, wie ihn die alte Kirche las. Dieses Moment gibt der Schrift ein eminentes Interesse für die weitesten Kreise. Die Politik, Gegenwärtig ist in Berlin und in anderen Städten verschiedener Länder ein Komitee in der Bildung begriffen, welches als internationales Komitee sich der von Plünderung und Massenmord heimgesuchten jüdischen Bevölkerung Rußlands annehmen will und ihr wirksame Hilfe zu bringen sucht. An der Spitze des internationalen Komitees steht Lord Rothschild in London. * ' * * Es scheint so, als ob die Leitung der freisinnigen Wolkspartei in Kisenach im erfreulichen Gegensatz zu den bisherigen Gepflogenheiten der freisinnigen Volkspartei die Partei auffordern werde, in der notwendig gewordenen Stichwahl für den Kandidaten der Sozialdemokratie einzutreten. Die „Eisen. Tagespost", das Blatt des unterlegenen freisinnigen Kandidaten Kühner, schreibt nämlich: Für das, was nun logisch folgen wird, sind im wesentlichen die gemeingefährlichen, skrupellosen Hetzagitatoren und Macher der antisemitisch-bündlerischen Kandidatur veranwortlich zu machen, die unter dem schwindelhaften Vorgeben, die vereinigten nationalen Parteien zu sein, den Wahlkreis durch eine beispiellose Agitation viele Wochen hindurch unnnter-

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