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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-11-10 · 45 (10.11.1905) · p. Seite 634

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
45 (10.11.1905)
Date
1905-11-10
Page
Seite 634 (sequence 15)
Language
German
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Seite 634. Israelitische Wochenschrift. Nr. 46 — Die Alliance JSraölite Universelle hat eine allgemeine Sammlung für die Opfer der Judenverfolgungen in Rußland eröffnet; als erste Gabe wurden 100 000 Frcs. an das Komitee in Petersburg überwiesen. Beiträge für die Sammlung' der Alliance nimmt das Bankhaus Meyer Cohn, Berlin W., Unter den Linden 11, entgegen. Auch der Hilfsverein der Deutschen Inden wendet sich von Neuem an alle Glaubensgenossen mit der dringenden Aufforderung, Gaben zu spenden, zu deren Weitergabe die Redaktion gern bereit ist. — Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund wird wieder einen Fortbildungskursus für Kantoren veranstalten, der die drei Monate Januar, Februar, März!906 mnfaffen und, wie die früheren, von den beiden Herren Friedmann, Hauptkantor der jüdischen Gemeinde zu Berlin, und William Wolf, Chordirektor an der Synagoge Lindenstraße, daselbst geleitet werden wird. Der Kursus ist kostenlos; der Teilnehmer hat nur dafür zu sorgen, daß ihm für seine Studien ein Klavier zur Verfügung steht. Die Leiter des Kursus betrachten im allgemeinen seminaristische Vorbildung als Vorbedingung zur Aufnahme, werden aber bei besonderer musikalischer Begabung des Gemeldeten eventuell hiervon absehen. Diese Fortbildungskurse, heroorgegangen aus dem Bestreben, die oft recht mangelhaften musikalisch-liturgischen Kenntnisse der heutigen jungen Kantoren zu berichtigen und zu vervollständigen, sind in hohem Grade geeignet, diesen Zweck zu erfüllen. Während im Unterricht des Herrn Friedmann die Liturgien des ganzen Jahres mit all ihren Spezialsällen gründlich durchgearbeitet werden, erstreckt sich derjenige des Herrn Wolf auf alles hierhergehörige Allgemeinmusikalische: auf Harmonielehre, Grundzüge der Formenlehre, Tonbildung im Gesang, vom Blatt-Singen, Vortragslehre, Grundlagen des Klavierspiels. Ein volles Ergebnis ist allerdings nur dadurch zu erreichen, daß die Teilnehmer ihre ganze Zeit diesen mannigfachen Studien widmen, sie müssen sich daher einrichten, jene drei Monate ohne Erwerbstätigknt leben zu können. Das dürfte aber selbst Mittellosen erreichbar sein. Angestellte Kantoren werden von ihren Gemeinden einen vierteljährigen Urlaub und Subsistenzmittel erhalten können, um das so erwünschte Ziel einer Erweiterung ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten zu erreichen, in anderen Fällen werden Protektoren oder Institutionen und Stiftungen sich bereit finden lassen, einen strebsamen jungen Kantor oder Kandidaten des Kantorals zu unterstützen. — Alles Nähere über den Kursus ist vom Bureau des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, Berlin W. 85, Steglitzerstr. 85, zu erfahren. — Im Israelitischen Erziehungsheim für geistig zurückgebliebene, uachbildungsfähige Kinder besserer Stände in Nieder- Schönhausen, Lindenstraße 13, findet programmäßig ein Kind achtbarer Eltern, die nicht in der Lage sind, den gewöhnlichen Pensionspreis zu zahlen, eine halbe Freistelle. Bevorzugt werden Kinder (Knaben) aus der Provinz Posen. Bewerbungen sind zu richten an den Direktor der Anstalt, Herrn Rosenbaum. Breslau. Die Hundertjahrfeier der Israelitischen Waisen- Verpflegungs-Anstalt. Der Vorabend des Jubiläums gehörte ganz den Zöglingen der Anstalt. Im Beisein der Vorstandsmitglieder und der Anstaltsbeamten feierten sie ihr Freudenfest. An der Hauptfeier, die Sonntag Mittag in der Neuen Synagoge stattfand und einen hoct.feierlichen Verlauf nahm, beteiligte sich die ganze israelitische Gemeinde. Auch war durch zahlreiche Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordneten-Versammlung, die zum Zeichen ihres offiziellen Erscheinens die Amtskette angelegt hatten, sowie durch Abordnungen von Vereinen und Wohltätigkeitsanstalten die gesamte Bürgerschaft vertreten. Vom Magistrat erschienen Bürgermeister Muebl und die Stadträte Auras, Giesel, Martins, Milch, Müller und Weber; die Stadtverordneten versammelten sich um ihren Vorsteher, den Geheimen Justizrat Dr Freund. Wundersam ertönte hoch vom Chor herab, wo Herr B. Pulvermacher den Taktstock führte, der Psalm 19: „Die Himmel rühmen . . ." Darauf hielt Rabbiner Dr Guttmann die Festrede. Eine zweite Festansprache hielt Rabbiner Dr. Rosenthal. Mit einem Psalm „Lobe den Herrn in seinem Heiligtum" (von Pulvermacher komponiert) endete die kirchliche Feier. Bemerkt sei noch, daß das prächtige Gotteshaus ungewöhnlich reich und reizvoll mit gärtnerischem Schmuck ausgestattet worden war. Nach der Beendigung der Feier wurden die Vertreter der städtischen Behörden nochmals sehr freundlich begrüßt, und zwar durch die Herren vom Vorstand des Israelitischen Waisenhauses, vom Synagogenvorstand und vom Repräsentantenkollegium. Das Ehepaar Silberstein empfing viele Hunderte von Glückwünschen. — Nachmittags fand in den neuen Unionsfestsälen ein großes Festmahl statt, bei dem die kulinarischen Genüsse und die geistvollen, herzerhebenden Tafelreden einander würdig waren. Hamburg. Herr Dr. S. P Nathan, der stellvertretende Rabbiner und Oberlehrer der Talmud Thora-Realschule ist nach kurzer Krankheit im 86. Lebensjahr gestorben. Er war der Senior der Hamburger Lehrerschaft und war 57 Jahre als Oberlehrer an der Schule tätig Im Jahre 1820 in Hamburg geboren, genoß er den talmudischen Unterricht bei dem Oberrabbiner Bernays und bezog später d'e Universitäten Berlin und Gießen, wo er sich den Doktorgrad erwarb. 1848 trat er als Oberlehrer in die Talmud Thora-Realschule ein. Seit dem Tode von Isaak Czinays im Jahre 1849 hielt er allwöchentlich religionswissenschastliche Vorliäge. Im Delegiertenkollegium des Synagogenverbandes und anderen Gemeindeinstitutionen war er seit Jahrzehnten Mitglied. 1888 nach dem Tode des Oberrabbiners A. Stern wurde er zum Rabbinatsverweser und >889 zum stellvertretenden Rabbiner neben dem Oberrabbiner Hirsch ernannt. Noch im letzten Sommer vertrat er die Funktionen des Oberrabbiners. Sein Tod, der überall aufrichtige Teilnahme verursacht, hinterläßt in in der Gemeinde eine schwer ausfüllbare Lücke. New Aork. Das Zentral - Bureau für jüdische Einwanderung hat vielen Anforderungen zu genügen. Es wird nicht nur von Inden in Anspruch genommen Seine Beamten werden vielfach von christlichen Einwanderern um Hilfeleistung angegangen, sowohl von Rußland als von Oesterreich her. In vielen Fällen war das Bureau in der Lage, durch rechtzeitigen Rat und durch schnelles Eingreifen manche Unannehmlichkeiten von sollen Einwanderern abzuwenden. Unter Umständen hängt das Wohl und Wehe der mit den amerikanischen Verhältnissen unbekannten Personen von einer Klarlegung der Umstände ab. In keinem der angegebenen Fälle ist den christlichen Einwanderern von dem jüdischen Bureau die Unterstützung verweigert worden. — Im August sind bekanntlich Drohbriefe von ungenannter Seite an hervorragende Juden gerichtet und in einzelnen Fällen Bomben gelegt worden. Während der hohen Festtage zeigte sich in diesem Jahre ein Widerstand der christlichen Bevölkerung gewissen jüdischen Bräuchen gegenüber, die sonst unbeanstandet öffentlich vor sich gegangen sind. So sind Andächtige während der Taschlich von Arbeitern angefallen worden. Es gelang der Polizei wohl, sie schließlich zu zerstreuen, einzelne festzunehmen und die Bestrafung der Schuldigen zu veranlassen. In der Nachbarschaft einzelner Synagogen machte man den Versuch, das Schofarblasen als öffentliche Ruhestörung und Belästigung von den Behörden verhindern zu lassen. Diese durch die Zeitungen gegangenen Nachrichten haben in manchen Gemütern Verzagtheit hervorgerufen, als wenn in Amerika der Antisemitismus zunähme Das ist zu weit gegriffen. Bei einer von allen Ländern her stetig zunehmenden Bevölkerung ist es kein Wunder, daß derartige Einzelversuche sich schließlich zeigen! Nordamerika ist aber das Land dazu, solche eingeschleppten Krankheiten durch den gesunden Geist des gesamten öffentlichen Lebens wieder zu überwinden. Schwarzseherei kann uns nichts nützen, ebensowenig wie kurzsichtige Sorglosigkeit. DieLosung heißt dann : Umsicht, Vorsicht und treue Pflichterfüllung. Kapstadt. Am 13. September fand hier unter allgemeiner Teilnahme die Einweihung der neuen Synagoge statt. Die im Jahre 184i erbaute alte Synagoge erwies sich als zu klein für die wachsende jüdische Gemeinde. Den Grundstein zu dem neuen Haus hatte der Gouverneur der Kapkolonie, Sir Walter Hely- Hutchinson, am 24. Juni 1904 gelegt. Feuilleton. Nie Rffkilüon. (Nachdruck verboten.) Von Hermann Heijermanns jun. Einzig autorisierte deutsche Uebersetzung von R. Rüben, Hamburg. (Schluß.) Das Lampenlicht siel gelblich auf die ältlichen Zimmergesichter, auf das Gesicht der unaufhörlich lächelnden Mutter, auf den graubärtigen, knochigen Kopf Onkel Sems, auf das dürre Köpfchen Tante Bekkies, das dürre Köpfchen mit den roten tränenfeuchten Augen und auf die groben Züge Saars,.

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