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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-11-10 · 45 (10.11.1905) · p. Seite 635

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
45 (10.11.1905)
Date
1905-11-10
Page
Seite 635 (sequence 16)
Language
German
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Nr. 45. Israelitische Wochenschrift. Seite 636. und auf den kurzgeschorenen großen Kopf Brammetjes, der schmollend dasaß. Und das Wunder tickte durch das Zimmer, tid, tick, tickte zusammen mit den Hellen metallenen Klängen des alten Weckers, das Wunder von Joozep und der Zeitung — der Zeitung — von Joozep — von Joozep — und der Zeitung. . . Dann mußte erst Tante Bekkie das gelbe, zerknüllte Papier selbst besehen und fuhr Saars Finger wie ein Lesezeichen mit daran herunter — und Onkel Sems in Marktleben und Handelssorgen verwitterter Kopf beugte sich auch mit über die Zeitung und blickte nur nach dem Namen hin, der auch sein i Name war, nach dem einfachen, schwarzen, schwankenden und j doch hellen und freudvollen Worte „Kahn."! Es war das zerfalzte ordinäre Zeitungsblatt eines obskuren! Provinzstädtchens, wo für einen vom Gerüst gefallenen Maurer, . der eine Frau und sechs Kinder hinterlassen hatte, eine Wohlj tätigkeitsvorstellung „arrangiert worden war." Und da für! einen toten Maurer keine Primakräfte zu bekommen sind, war unter anderen Herr Josef Kahn als Gast aufgetreten, und der Kritiker des Provinzblättchens hatte ihm eine längere Kritik gewidmet, ohne zu ahnen, wie in Amsterdam eine alte Mutter, eine Schwester, ein Onkel Sem und eine Tante Bekkie seine j Worte lesen, wieder lesen und genießen würden — wie oft Gott dafür gedankt und gepriesen werden würde — für die Ehre, für den Ruhm — wie oft die gute, zimmer-altbackene Saar das auf ihre Manier reproduzieren würde.! „Was fürn Jammer, daß David, felgen Angedenkens,! das nit mehr mit erlebt hat" sagte Mutter nach einer Pause. „Ich Habs immer gedacht", wiederholte Tante Bekkie . . . Es wurde geklopft. Alle zusammen riefen sie zugleich "Herein!" schrieen guten Abend und Stellen aus der Rezension . . . Denn, wenn Heintje auch nicht zur Familie gehörte, wenn sie auch kein Recht darauf hatte, es zu erfahren, jetzt würden sie es der ersten Besten erzählt haben, nur im seligen Drange des Erzählens, nur um ihr Gemüt zu erleichtern, das von den Zeitungsworten übermäßig beschwert war. . . Heintje, bie Bewohnerin der zweiten Etage, die nur hereingekommen war, um sich ein Kerzenendchen zu leihen, weil die Läden schon geschlossen waren, Heintje mußte Platz nehmen und ihren Worten lauschen. Und weil Heintje kein Deutsch verstand, erzählte Saar es ihr in ihrem Holländisch, das sich nicht viel von ihrem Deutsch unterschied, und Heintje fragte mit großen ungläubigen Augen — ob das ihr Sohn Joozep sei — der Sohn, der im Chor bei der großen Oper mitgesungen hätte? . . . „Na, nu nein", schrie Onkel Sem, „es wird 'n andrer sein! Wenns 'n andrer wär würden wirs Euch doch nit aus der Zeitung vorlesen!" Und Mutter wiederholte mit ihrer alten, ganz alten, vor Glück sanfteren Stimme: „Das is unser Joozep — mein Joozep..." Ueber das enorme Ereignis sprachen sie noch eine ganze Weile mit Heintje, die ihre Kerze vergaß. Sie gerieten in einen langen Disput über Opern — über „Die Jüdin", die sie alle in der Parkschouwburg gehört hatten — über Musik — über Kunst. Onkel Sem wollte nichts von Wagner wissen — das wäre keine Musik — das wär ein großes Durcheinander — da würd man taub, geregelt taub von. Tante Bekkie, die immer mühsamer ausblickte, nun, wo so viel Qualm von Onkel Sems schwerer Zigarre aufstieg, hatte schon dreimal den Troubadour gesehen. Ach, da könnt sie von träumen! Saar ging lieber ins Theater — wenn Frenkel und Loewie spielten — bessere Schauspieler gäbs in ganz Holland nicht — Sarah Bernhardt wär nichts dagegen. . . Dann bewegte sich das Gespräch noch eine zeitlang wieder um die Zeitung, die Zeitung mit den Falten und Fettflecken, die Zeitung mit der Knick, die Jahr auf Jahr Freude, Genuß und angenehme Stunden verursachen würde, die Zeitung, die noch auf der Treppe besprochen und beschrieen wurde, als Mutter und Saar mitgingen, um Onkel Sem und Tante Bekkie aus der Tür zu lassen und uin eben nach all dem Gerede über Kunst und nochmal Kunst. etwas Luft zu schnappen. Heintje sollte eben auf Brammetje passen. Und auf der Straße noch hockten sie in einem Klumpen zusammen und sprachen darüber, was sie Joozep schicken wollten, nachdem ihm solche Ehre zuteil g»worden war — eine Wurst und sechs Butterküchelchen von Tante Bekkie und eine Uhrketie von Onkel Sem (die er doch nicht mehr trug) und einen Pelzkragen von Saar — und einen Brief dabei von allen zusammen. * * * Matter schob voran die Treppe hinauf — Saar schob hinterher. Alte Leute sind sehr schwach auf den Beinen. Aber es fehlte nicht viel und sie wären beide die Treppe heruntergefallen, als die Tür aufpiepte. Es roch nach Verbranntem. Auf dem Wachstuch lag noch ein nachglimmendes Häufchen schwarze Asche, das raschelnd durch den Zugwind von der offenen Tür her verwehte. Und Brammetje blickte heulend auf, heulend über das, was er angestellt hatte — was er nicht durfte — wie er ganz gut wußte — und schrie dann los, daß er keine Schwefelhölzer angerissen habe. Leichenblaß sank Mutter auf einen Stuhl. Saar flog auf das Rußhäufchen zu, das dadurch noch stärker auseinanderwirbelte. Es war nur ein ausgezacktes, ausgefranztes Eckchen der Zeitung mit einer Annonce darauf übrig geblieben. Saars wütende Hand klatschte auf Brammetjes Wangen herab. Mutter begann verzweiflungsvoll zu wehk agen. Eine besondere Ehrung wurde der Maggi-Gesellschaft auf der Frankfurter Kochkunst-Ausstellung zuteil. Sie erhielt außer der goldenen Ausstellungsmedaille und einem Ehrenpreis noch die goldene Medaille des Internationalen Verbandes der Köche zuerkannt. Auch auf der Kochkunst-Ausstellung in Solingen wurden die Maggi-Erzeugnisse mit der goldenen Medaille und einem Ehrenpreis prämiiert. M |Ti Mk. I.—, 1.20, 1.40, 1.50, 1.60, I 70, I 80 I 90, 2.— pro % Kilo. Käuflich in fast allen Geschäften de; KonsLimbranche und den eigenen Filialen der Firma A. Zuntz sei. Wwe. Probe-Ausschank: Leipzigerstr. 83, Spitteimarkt 8 10 und Tauenzienstr. 15.

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