Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 45 (10.11.1905)
- Date
- 1905-11-10
- Page
- Seite 628 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- Odesa 3× ep/1000834
- Romny 1× ep/1000853
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Seite 628. Israelitische Wochenschrift. Nr. 46. haben, in Odessa Unterschriften zu einer Adresse an den Gouverneur zu sammeln, in der diesem der Dank der Juden für den gewährten Schutz ausgesprochen werden soll. Eine Intervention Amerikas ist ausgeschlossen. Roosevelt hat erklärt, daß bei aller Sympathie eine Intervention momentan für die Juden nur unersprießlich sein könne. Witte kabelte an Bankier Schiff in Newyork: „Die russische Regierung verabscheut diese Ausschreitungen. Sie wissen, ich sympathisiere nicht mit solchen wilden Ausbrüchen. Alles, was ich tun kann, um den Ruhestörungen ein Ende zu machen, ist getan worden, aber das Land ist in einem solchen unruhigen Zustand; die lokalen Behörden sind oft machtlos". Witte hätte hinzufügen können: wenn die Behörden nicht mit den Judenhetzern konspirieren. Ueber die blutigen Judenverfolgungen der letzten Tage berichtet die „Ruff. Korr." aus Petersburg folgendes: Allmählich gewinnt man ein etwas genaueres Bild von den Judenmetzeleien im Lande. Cherson ist vollständig ausgeplündert, die Plünderung dauerte zwei Tage lang vor den Augen der Polizei und des Militärs. In Gadiatsch ist kein einziges Haus stehen geblieben. Golta und Olwiopol in Podolien sind ausgeraubt und eingeäschert, der Ort Krinkow in der Nähe von Krementschug ist vernichtet. Man zählt viele Tote, die Spitäler in Krementschug sind überfüllt. Surasch ist ausgeplündert, hundert Häuser sind verbrannt, man zählt dort 37 Tote und 244 Verwundete. In Jekaterinoslaw sind zurzeit Krawalle im Gange. Briansk ist ausgeplündert, auch Romny ist total ausgeraubt, 6 Tote und 20 Verwundete. In Krolewistz wurden 162 Läden und Wohnungen zerstört. In Kasan wurde die Synagoge demoliert und zahlreiche Läden zerstört. Stündlich lausen hier in Petersburg Depeschen ein. Ueberall herrscht Plünderung und Morden. Von allen Seiten wird festgestellt, daß die Exzeffe gegen die Juden nicht etwa eine Folge revolutionärer Demonstrationen von seiten der Juden wären, der aufgehetzte Mob ergriff vielmehr die Initiative, um im Sinne seiner Auftraggeber die Reformbewegung im Blute zu ersticken. Ferner wird aus Nowosibkow vom 5. November gemeldet: Die Juden und Zugehörigen der christlichen Intelligenz in Nowosibkow sind vollständig ausgeplündert worden. — In Saratow hat in diesen Tagen ein furchtbarer Progrom gegen die Juden stattgefunden, eine zahlreiche organisierte Menge zerstörte und plünderte sämtliche Läden und die Apotheke der Juden und fast alle ihre Privatwohnungen in der Stadt; der Schaden ist unermeßlich, auch Menschenleben sind zu beklagen. Durch Feuer sind eingeäschert die Synagoge, die Gemeindeschule, eine Apotheke und viele Privathäuser, unzählige Familien sind obdachlos. Der Kriegszustand ist verhängt worden, die Juden zeigen sich nicht auf den Straßen. * * * Die skandalösen Vorgänge in Kiew und der Erfolg der Verhetzungen des Pöbels werden am treffendsten illustriert durch die Gefahr, in der die Gattin eines bekannten russischen Millionärs jüdischen Glaubens vor einigen Tagen geschwebt hat. Die Dame, eine Frau B.. hatte sich am Todestage ihres Vaters nach Kiew begeben, um dort dessen Grab zu besuchen. Als sie den Friedhof verließ, wurde sie von einem Pöbelhaufen verfolgt und es gelang ihr, diesem zu entrinnen und in das Gebäude der Reichsbank zu flüchten, in dem sie sich einen Tag verborgen hielt. Schließlich teilte ihr der Leiter des Instituts mit, daß sie sehen müsse, das Gebäude zu verlassen, da er fürchte, daß die Chuligans dasselbe stürmen würden, wenn sie erführen, daß eine Jüdin in ihm Zuflucht gefunden habe, auf behördlichen Schutz sei nicht zu rechnen. Frau B. gelang es dann schließlich, in der Verkleidung eines Dieners zu entkommen und glücklich Warschau zu erreichen, wo sie in Sicherheit war. * * Die „Hrdnrmgs" - Hreuet in Hdefla. Nach soeben eingelaufenen Telegrammen sollen in Hdessa im ganzen 3500 Personen getötet und gegen 12 000 verwundet worden sein. Alle Hospitäler, ein halbes Dutzend großer Schulgebäude und viele Kliniken und Privathäuser sind, weiteren Meldungen zufolge, voller Verwundeter. In der Vorstadt Moldavanka lagen Sonnabend von Mitternacht bis Mittag an tausend Leichen und Verwundete auf der Straße. Sie wurden dann von den Behörden aufgelesen und die Leichen in große Massengräber geworfen. Im Judenviertel wurden unglaubliche Greuel verübt, alte Leute, Frauen und Säuglinge wurden massakriert, viele Kinder erwürgt und Hunderte von ihnen lebendig von hohen Häusern aus den Fenstern geworfen. Die Würgebanden Trepows folterten die Opfer zu Tode, indem sie ihnen Nägel in die Köpfe schlugen, die Augen ausdrückten, die Ohren abschnitten und die Zungen mit Zangen ausrissen, vielen Frauen wurden die Eingeweide ausgerissen; alte Leute und Kranke, die sich in Kellern versteckten, wurden mit Petroleum begossen und lebendig verbrannt. Die Rasereien wurden von Polizisten und Soldaten organisiert und geleitet. In den Privatkliniken allein wurden über 300 Kinder an schweren, von Soldaten erhaltenen Säbelwunden an Köpfen und Schultern behandelt. Der in Odessa angerichtete Schaden wird auf 20 Millionen Mark geschätzt. -st -st * Der Vorsitzende der Handelskammer von Odessa sandte ein dringliches Telegramm an den Finanzminister, worin er ihm mitteilt, daß die Plünderungen und Verbrechen, durch die der Handel schwer geschädigt würde, immer noch fortdauern. Der völlige Ruin des Handels sei unabwendbar. Eine Anzahl Geschäfte und Banken hatten geöffnet, mußten aber, als die Unruhen wieder begannen, schließen. Der Präsident der Handelskammer sandte ein zweites Telegramm an Witte, in dem er ihn bat, seine Vaterstadt zu retten. Die Antwort von Witte ist noch nicht eingetroffen. D'.e Stadt Ackerman in der Nachbarschaft Odessas steht in Flammen. Im Bezirk von Odessa dauern die antisemitischen Bewegungen fort. Agitatoren haben sich auf das Land begeben, wo sie dem Volke erklären, der Zar habe einen Ukas unterzeichnet, worin es gestattet sei, Juden zu berauben und zu morden. Infolge dessen ist es erneut zu Judenhetzen gekommen. * * * Vussenanteihe und Iudenßehe. Die Bemühungen der hiesigen und der Pariser Hochsinanz zugunsten der russischen Staatspapiere werden erheblich durch Newyorker Meldungen über Proteste dortiger Finanziers gegen die Judenmetzeleien beeinflußt. Diese Proteste könnten die Einführung der neuen russischen Anleihe auf dem amerikanischen Markt verhindern, was alle bisherigen prinzipiellen Abmachungen über die neue Anleihe umstoßen würde. — Die große Bankfirma Kuhn, Loeb u. Co., deren Chef der bekannte Finanzier Schiff ist, hat sich von Anbeginn trotz aller Werbungen russischerseits von den Verhandlungen über die Russenanleihe ferngehalten, und ohne die jüdischen Bankfirmen ist (ausgenommen die Transvaal- Kriegsanleihen) die Einführung fremder Anleihen in Amerika bisher unmöglich gewesen. - 3um Kapitel: Theologie iinii Uatimvisse>llit,oft. | Bon Dr. B. Seli?ikotviiz-Coethen. ' Ob die Ansicht der Bibel vom Ursprünge der Welt mit den Ansichten unserer heutigen Wissenschaft übereinstimmt?