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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-11-10 · 45 (10.11.1905) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
45 (10.11.1905)
Date
1905-11-10
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Zeitschrift für die Gchmtilltmffen des Iudtiltilms. Hebst dem Weibl'crtt: Jüdisches Litlercrturbl'crtt. Erscheint an jedem Freitag Redaktion und Verlag: . Bezugspreis vierteljährlich: das jüdische Litteraturblatt monatlich zweimal. j Pertin C., Koß-Straße 3 | Deutschland n. Österreich-Ungarn 3.— Mk. Alle Postanstalten nehmen Abonnements entgegen. Telephon: Amt I, 6729. alle anderen Länder 3.50 Mk. Anzeigen für die Ispaltige Petitzeile 30 Pf. Alle Annoncen-Expeditionen nehmen Anzeigen entgegen. Kummer 43. Krrtirr, 10. Uoverrrver 1905. 14. Jahrgang. Alle, auch für die Redaktion bestimmte Mitteilungen erbitten wir an die Adresse Israelitische Wochenschrift Berlin C., Rotz-Straste 3. Die heutige Nummer enthält das Jüdische LitteraturblattNr. 21. Inhalt. Artikel: Die Bestie im Menschen. — Zum Kapitel: Theologie und Naturwissenschaft. Von Dr. B. Selig ko witz-Köthen. — Professor Friedrich Jodl. — Englische Briefe. — Amerikanischer Brief. — Gedanken und Aussprüche berühmter Männer über Juden und Judentum — Sprechsaal: Eingesandt — Politik: Pücklers Erlebnisse im Hotel zum „Lustigen Dreschgrafen". — Paris. — Wochenchronik. — Feuilleton: Die Rezension. Von Hermann Heijermanns jun. (Schluß.) — Inserate. Dir Drliik im Meilschr». Wer geglaubt hat, daß nun mit einem Schlage sich in Rußland „alles, alles wenden" müßte, der dürfte in der nächsten Zeit recht schmerzlich aus seinen Illusionen gerissen werden. Man mußte es erleben, daß anstatt durch volkstümlichen Jubel, die ersten Schritte auf der Bahn zur Freiheit durch neues Blutvergießen begrüßt wurden. Die im Geheimen schleichende Reaktion ließ es sich angelegen sein, das Reformwerk des Grafen Witte beim Zaren selbst in Verruf zu bringen, beim Zaren, dessen erschrockene Seele durch die aus allen Teilen des Reiches kommende Kunde von neuen Metzeleien, neuen Empörungen und Straßenkämpfen bis ins Mark erschüttert werden mußte. Es sind denn auch die Nachrichten aus dem Süden, die in die Oeffentlichkeit drangen, wonach von gelehrigen Schülern Plehwes mit Hilfe eines besoldeten Mobs neue und unerhörte Judenmassakres ins Werk gesetzt wurden, nur aus dem Wunsche zu erklären, bei Nikolaus II. den Eindruck hervorzurufen, daß auf den durch Witte betretenen Pfaden keine Beruhigung der aufgeregten öffentlichen Meinung zu erhoffen sei. Leider sind es immer die Juden, die unter derartigen politischen Gegensätzen stets zuerst verfolgt werden. Aus beinahe allen Städten erschallen die Schreckensnachrichten über Verfolgung unserer Brüder. Petersburg, Warschau, Odessa, Wilna, allüberall Blutvergießen, Plünderung, Schrecken, Verzweiflung, Vernichtung von Hab und Gut. Aus Odessa meldet man, daß sich die Zahl der Juden, welche während der Massakres in verschiedenen Teilen von Südrußland ums Leben gekommen sind, sich auf fünfzehnlausend beziffert. Die Zahl der Verwundeten und durch Greueltaten verkrüppelten Juden beziffert sich auf hunderttausend. Die Zahlen stammen aus verläßlicher Quelle und können als eine sehr mäßige Berechnung der jüdischen Verluste betrachtet werden. Infolge der fortgesetzten Judenmassakres wurde einigen einflußreichen Führern der russischen Juden nahe gelegt, sich mit maßgebenden Persönlichkeiten in Verbindung zu setzen, um den Grausamkeiten ein Ende zu bereiten und eine Fürsprache zur zufriedenstellenden Lösung der Judenfrage zu erlangen. Hierauf haben die Führer der russischen Juden die folgende Erklärung abgegeben: „Die von der russischen Polizei planmäßig organisierten und mit Wissen der russischen Regierung ausgeführten Judenmassakres mit all ihren menschenenlwürdigenden Begleiterscheinungen können weder die russischen Juden selbst, noch ihre christlichen Gönner verhindern, so lange Rußland kein Kulturstaat geworden ist. Zur Lösung der sog. Judenfrage können die russischen Juden ebenfalls keine Fürsprache bei verschiedenen Würdenträgern gebrauchen. Die Frage ist zu wichtig und man kann sie nicht so erledigen, wie praktische Leute die vorteilhaften Lieferungen und Konzessionen durch die Instanzen „durchsetzen." Wir wünschen auch diesen Beistand nicht. Wir bilden in Rußland ein ganzes Volk, und wir werden es verstehen, es dahin zu bringen, daß man unser Recht achtet. Ein offener Bund mit progressiven Elementen der russischen Gesellschaft, energischer Kampf gegen die Reaktionäre — das ist unserere jüdische Politik." Höerraööiner Adler in London erhielt von einem hervorragenden Mitglied der russischen Judenschaft folgendes Telegramm: Vrele jüdische Gemeinden sind gänzlich vernichtet. Unmittelbare Hilfe, namentlich in kleinen Städten, ist erforderlich. Adler hat sich sofort mit den Führern der Londoner jüdischen Gemeinden in Verbindung gesetzt, die sofort einzugreifen versprachen. Adler fügt hinzu, er halte sich nicht berechtigt, mehr zu sagen. Die Juden fürchten offenbar, daß jede europäische Intervention neue Repressalien in Rußland gegenüber den Juden Hervorrufen würde. Der Gouverneur von Odessa hat die Zeitungen ersucht, nichts über die Odessaer Schreckenstage zu bringen, da sonst neue Ausbrüche gegen die Juden zu fürchten seien. Aus dem. selben Grunde scheint sich ein Rabbiner bereit gefunden zu

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