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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-11-03 · 44 (3.11.1905) · p. Seite 622

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
44 (3.11.1905)
Date
1905-11-03
Page
Seite 622 (sequence 14)
Language
German
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Sette '622. Israelitische Wochenschrift. Nr. 44. — In kaum vollendetem 50. Lebensjahre ist am vergangenen Sonntag Justizrat Heinrich Meher-Eohn, der unermüdliche Förderer jüdischer Interessen, an den Folgen einer Operation ver- ,Freden. Sein Tod bedeutet für die deutsche Judenheit einen schweren Verlust. Ausgerüstet mit einer gründlichen Kenntnis und tiefem Wissen der jüdischen^Geschichte gehörte er fast allen größeren jüdischen Institutionen an. Besonders lebhaft trat er für die Ausbreitung der Alliance Jsraslite Universelle ein, die in ihm einen ihrer begeistertsten Anhänger erblicken konnte. Sein allzufrühes Hinscheiden hat in der Berliner Judenheit große Trauer hervorgerufen. Königsbergs Rm. Die hiesige Gemeinde hat beschlossen, eine neue Synagoge zu erbauen und zwar auf dem Standort des alten Gebäudes, welches abgebrochen wird. Mit den Bauarbeiten soll im Frühjahr begonnen werden. Gleitviff. Israelitische Kinderheilstätte Königsdorff-Jastrzemb. Die in dem altbewährten Soolbade Königsdorff-Jastrzemb im Jahre 1890 gegründete israelitische Kinderheilstätte blickt auf eine 15 jährige überaus ersprießliche Wirksamkeit zurück. Diebeiden festen Säulen, auf denen das Werk in hoffnungssreudigcr Zuversicht errichtet wurde, göttliche Hilfe und werktätige Nächstenliebe, — haben das gemeinnützige Unternehmen in den wechselvollen Zeiten sicher getragen und es an Kraft und Segensfülle zunehmen lassen. In der verflossenen Kurzeit 1905 mußte der Betrieb der Anstalt etwas eingeschränkt werden. Infolge der in Oberschlesien herrschenden Genickstarre, die jetzt bereits erloschen ist, wurde von der Königlichen Regierung zu Oppeln die Anordnung getroffen, daß nur solche Kinder ausgenommen werden durften, die durch ein polizeiliches Attest Nachweisen konnten, daß in den letzten vier Monaten in ihrem Wohnhause und in den nächsten Nachbarhäusern Erkrankungen an Genickstarre nicht vorgekommen sind. Der strengen Durchführung dieser Verfügung ist es mit zu verdanken, daß in der Anstalt keinerlei verdächtige Erkrankung sich gezeigt hat, und daß alle Pfleglinge gestärkt und wohlbehalten die Kinderheilstätte verlassen konnten. Immerhin ist durch diese Einschränkung die Zahl der Pfleglinge in dieser Saison eine geringere gewesen. Während in den Vorjahren die Anstalt 116 bis 120 Kinder beherbergte, haben diesmal nur 94 Kinder Aufnahme gefunden. — Bei allen Kindern war ein durchaus günstiger Erfolg zu verzeichnen. Die Gewichtszunahme der Kinder betrug durchschnittlich 3—7 Pfund. Die segensreiche Anstalt, die auch in dieser schweren, sorgenvollen Zeit sich glänzend bewährt hat, wird durch milde Beiträge erhalten, und ist der Förderung edler Menschenfreunde würdig. Nähere Auskunft erteilt der Vorsitzende Rabbiner Dr. Wilhelm Münz in Gleiwitz. Minden. Hier starb im Alter von 83 Jahren ein angesehenes Mitglied der hiesigen israelitischen Gemeinde: Herr Moses Lckienthal Manches Jahr hat er früher im Stadtverordneten-Kollegium seine Kräfte dem Allgemeinwohl gewidmet. In der Synagogen- Gemeinde besonders ist er seit langer Zeit in treuer Pflichterfüllung tätig gewesen und hat sich bei allen Mitbürgern, die ihn kannten, durch sein freundliches, zuvorkommendes Wesen ein ehrendes Andenken gesichert. Hohensalza. Der israelitische Frauenverein hielt seine ordentliche Generalversammlung ab. Die stellvertretende Vorsitzende, Frau Löwensohn, gedachte in warmen Worten der nach Berlin verzogenen seitherigen Vorsitzenden Frau Kommerzienrat Levy, die in Würdigung ihrer Verdienste um den Verein zum Ehrenmitglied ernannt wurde; eine kunstvolle Adresse wurde ihr bereits überreicht. Sodann erstattete Rentner Sandler den Jahres- und Kassenbericht. Die Vermögenslage des Vereins ist danach eine sehr günstige; ein mehrere tausend Mark zählender Reservefonds ist in Sparkassenbüchern angelegt. Die Vorstandswahl ergab nachstehendes Resultat: Zur ersten Vorsitzenden wurde gewählt Frau Assessor Fabrikbesitzer Dr. Levy, als stellvertretende Vorsitzende Frau Goldarbeiter Löwensohn, als dritte Vorsitzende Frau Rosenfeld; als erste Krankenvorsteherin Frau Sandler, als deren Stellvertreterin Frau H. Cohn und als dritte Vorsteherin Frau Meyer; als weitere Vorstandsmitglieder wurden gewählt Frau M. Hendelsohn, Frau Rabbiner Dr. Kohn, Frau Schwersenz, Frau L. Markus, Frau I. Cohn, Frau Sanitätsrat Dr. Warschauer, Frau A Cohn; als Rendantin Frau Peiser und als Schriftführerin Frau Rabbiner Dr. Tietz. Zu Beisitzern wurden gewählt: Fabrikbesitzer Dr. Levy, Rentner Sandler und Ziegeleibesitzer Schwersenz. Aschaffenburg. Der Lehrer und Kantor der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, Herr Wetzler, feierte dieser Tage das Fest seiner 25 jährigen Wirksamkeit in der Gemeinde. Dem Jubilar wurden aus diesem Anlaß wertvolle Geschenke überreicht. Gieffen. Sein 25 jähriges Amtsjubiläum als Vorsteher der hiesigen israelitischen Religions-Gemeinde beging kürzlich Kommerzienrat Heichelheim. Emgeleitet wurde die Feier durch einen Festgottesdienst am Vormittag in der festlich geschmückten und erleuchteten Synagoge Nach Beendigung des Gottesdienstes begaben sich der Vorstand und die Beamten der Gemeinde, welche sich zu einem Komitee vereinigt hatten, in die Wohnung des Jubilars, wo Dr. Sander als Vorsitzender des Komitees, unter herzlicher Ansprache als bleibende Erinnerung an diesen Tag eine äußerst kunstvoll ausgestattete Adresse überreichte. Provinzialdirektor Breidert, Handelskammerpräsident Koch und viele andere gratulierten persönlich in überaus herzlicher Weise. Eine größere öffentliche Feier fand abends in Steins Saalbau statt. (lairanren Sem. geb. Religionslehrer, Kantor und Schochet in Ober- Ramstadt bei Darmstadt. Einkommen ca. 120 j M. bei freier Wohnung. Offerten an den Vorsteher, Herrn Simon Bendorf. Land-, Probinzial- und Gemeinderabbiner in Cassel. Ausführliche Offerten bis zum 15. November dem Vorsteheramt der Israeliten einsenden Borbeter, Lehrer und Schächter in Riesenburg W.-Pr. Gehalt 1200 M und ca. 600 M. Nebenverdienst. Meldungen an den Vorsteher, Herrn N. Hirschfeld. Kantor, Religionslehrer und Schächter per gleich in Klatzko. Gehalt 1000 M. und 300-400 M. Nebeueinkommen. Meldungen an den Vorsteher Herrn H. Löwenstein. Kantor, Schächter nnd Religionslehrer baldigst in Kobylagora Bez Posen. Gehalt 1' 00 M. sowie 400 M. Nebeneinkünfte und freie Wohnung. Meldungen an den Synagogen- Vorsteher Herrn Goldstein. Feuilleton. vie llmilßo». (Nachdruck verboten.) Von Hermann Heijermanns jun. Einzig autorisierte deutsche Uebersetzung von R Rüben, Hamburg. Süßlich vergnügt nickte das alte Gesicht beim Lampenschein — die große Nase nickte, der Mund nickte, die Augen nut ihrem stillen Glücksglanz nickten. Sie saß in ständiger Verzückung da, murmelte die Worte leise mit und sprach sie leise, immer wieder leise vor sich hin, die guten, lieben, herrlichen, göttlichen Zeitungsworte. Sie bewegte die Handflächen, faltete die Hände und verschränkte die Hände wieder. Sie blickte nach dem Lampenlicht, belachte das Lampenlicht, durchstarrte das Lampenlicht. Sie beugte ihr altes, morsches Körperchen über das Tischtuch und holte friedlich Atem. Sie preßte die Lippen zusammen und spitzte ihr kleines Kinn. Sie benahm sich ernst und aufmerksam, fröhlich und verwundert und starrte aufs Neue wieder in die Lampe, in die Flamme, auf die Kuppel, den Zylinder, die Vase und den fettig glänzenden Messing. Alles in ihrem verwitterten Runzelgesicht, in dem groben Gesicht mit den vortretenden Backenknochen und dem zahnloszahmen Munde lebte in starker, gewaltiger, tief-innig-froher Verwunderung über die göttlichen, herrlichen Worte, die sie nun wohl fast im Traum vor sich sah und immer wieder sah .... Hervorragende Eigenschaften .... ehrenvolle Karriere .... künstlerischer Ernst ....

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